Wenn die Angst dem Vertrauen weicht

Hundebisse sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Hunde sind aber auch die treusten Begleiter des Menschen. Was es bei Begegnungen mit Hunden zu beachten gilt, können Kinder derzeit in Aesch in einer Schnupperstunde mit Therapiehündin Alba lernen.

Sind schnell Freunde geworden: Therapiehündin Alba und Liam. Foto: Bea Asper
Sind schnell Freunde geworden: Therapiehündin Alba und Liam. Foto: Bea Asper

Gemäss Hunderegister leben im Kanton Basel-Landschaft rund 18000 Hunde. Vergleicht man diese Zahl mit der Wohnbevölkerung, ergibt sich eine Zahl von sechs Hunden pro hundert Einwohner. Im Kanton Solothurn ist die Hundedichte mit sieben Hunden pro hundert Einwohner noch etwas grösser. In beiden Kantonen werden durchschnittlich pro Jahr je 200 Vorfälle gemeldet. «Vorkommnisse, bei denen ein Hund Menschen oder Tiere erheblich verletzt oder übermässiges Aggressionsverhalten zeigt, müssen dem Veterinärdienst gemeldet werden», schreibt der Kanton Basel-Landschaft.

Die Aescher Hundeschule leistet Präventionsarbeit. Mitinhaberin Regula Straumann weiss, wie man aus Skeptikern Hundefans macht. Straumann besucht mit ihrer Therapiehündin Alba Institutionen und ebnet Menschen, insbesondere Kindern, den Weg, um ihre Angst vor Hunden abzubauen. Straumann stellte ihr Wissen im Rahmen des Ferienpasses zur Verfügung und öffnet auch in diesen Sommerferien die Tür zur Indoor-Hundeschule in Aesch. Wie sich eine Lektion in der Hundeschule anfühlt, können die Kinder noch an diesem Freitag ausprobieren. Das Wochenblatt machte sich letzte Woche ein Bild davon.

«Daran könnte ich mich gewöhnen»

Die Lektion hat kaum begonnen, de steht für Teilnehmer Liam bereits fest: «Alba ist toll.» Auf der Strasse sei es schon vorgekommen, dass er sich vor einem grossen Hund gefürchtet habe, erzählt Liam. Doch in der Nähe von Alba fühle er sich wohl. Er zeigt sich bereit, den Hund aus seiner Hand fressen zu lassen. Alba muss sich das Gudeli aber verdienen, das lernen die Kinder. Straumann geht mit Liam zum anderen Ende der Halle und erklärt ihm, wie er mit Zeichensprache Alba die Anweisung gibt, hier zu warten. Kind und Hundehalterin entfernen sich und verstecken den Futterbeutel unter einem Eimer. «Hunde sind Jäger und suchen ihre Beute, dabei setzen sie auf ihre Nase», erklärt Straumann. «Das macht sich der Mensch zunutze, zum Beispiel bei der Suche nach verschütteten Menschen oder wenn Hunde im Namen der Polizei Fährten aufnehmen.» Hunde seien treue Begleiter, doch um mit ihnen zu kommunizieren, brauche es die Hundesprache. «Problematisch ist zum Beispiel, wenn man mit dem Trottinett auf einen Hund zurast», gibt Straumann zu bedenken. In der freien Wildbahn nutze der Hund seine Athletik, in der Indoor-Arena werde dies mit künstlichen Hindernissen kompensiert.

Alba soll durch einen Ring springen, durch einen Tunnel gehen und kleine Hindernisse überwinden. Es geht nicht lange und Liam ist vom Abenteuer, das er mit dem Vierbeiner auf dem Hundespielplatz erlebt, hell begeistert. Alba macht es ihm leicht. Sie wartet vorbildlich auf ihrem Platz und beim Absolvieren des Parcours folgt sie brav den Anweisungen. Den Futterbeutel findet sie im Nu, übergibt diesen Liam und wartet, ohne an ihm hochzuspringen, bis er ihr das Gudeli in der offenen Hand vor die Schnauze hält. Liam findet zudem grossen Gefallen an Albas Haarkleid. «Es fühlt sich wollig an», meint er, als seine Hand durch das Fell streift. Alba legt sich vertrauensvoll neben ihn, und Liam meint: «Daran könnte ich mich gewöhnen.»

Stunden sorgfältigen Trainings

Straumann ist stolz auf ihre Hündin. Einmal mehr ist es ihr gelungen, Berührungsängste abzubauen und auf spielerische Art und Weise das Interesse an der Hundesprache zu wecken. «Kinder lernen am besten über eigene Erfahrungen.» Die kleinen Wunder, die es bei diesen Begegnungen immer wieder gebe, seien der Dank für das Engagement. «Dass Alba so zuverlässig arbeitet, ist kein Zufall. Hinter ihrem Verhalten stecken viele Stunden sorgfältigen Trainings. Zudem absolvierte sie die Ausbildung zur Therapiehündin», erfahren die Kinder.

Die Aescher Hundeschule «Origin Dog GmbH» unterscheide sich von anderen Ausbildungsstätten. «Die Philosophie orientiert sich an den Bedürfnissen der Hunde», führt Straumann aus. «Das Absolvieren des Parcours nennt sich Jagility, sorgt beim Hund für Ausgleich und ist anders als bei der Sportdisziplin Agility nicht auf Tempo ausgerichtet», betont Straumann. Oft gehe es um Feinheiten. «Statt Drill, Härte und Leistungsdenken stehen Verständnis, Geduld, Achtsamkeit und Fürsorge im Mittelpunkt.»

Alltagssituationen in der Agglomeration im Fokus

Die Kurse seien entsprechend vielfältig. Es gebe verschiedene Gruppen für Welpen, Junghunde und Familienhunde mit dem Fokus auf Alltagssituationen in der Agglomeration. Dabei würden auch das sichere Verhalten gegenüber Trottinetts, Velos und anderen Begegnungen trainiert. «Wer individuelle Unterstützung benötigt, kann auch Einzelstunden buchen», hält Straumann fest und ergänzt: «Hunde mit besonderen Bedürfnissen finden bei uns grosse Beachtung.» So könne man Seniorenhunde und Tiere mit Behinderungen fit und munter halten und sorge bei Hunden nach Krankheit oder Verletzung für schnelle Genesung. «Ein grosser Pluspunkt ist die moderne Infrastruktur. Gerade im Winter können die Trainings wetterunabhängig in grosszügigen Hallen stattfinden.»

Begegnung mit einem Therapiehund für Kinder zwischen 7 und 12 Jahren. Freitag, 24. Juli, 16 Uhr. Informationen bei Regula Straumann: 079 549 64 25.

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