«Meine Vision lebt noch immer»
Seit 17 Jahren ist Andrea Marescalchi Präsident des FC Aesch. Er hofft, dass «seine» erste Mannschaft ihm im kommenden Juni ein Geschenk in Form des Aufstiegs macht. Es wäre die Erfüllung seiner Vision, mit der er 2009 den Posten antrat.

Der Geschäftsmann ermöglicht in Aesch so manches. Vieles geht auch über sein Portemonnaie. Andrea Marescalchi wohnte früher in Aesch, jetzt in Basel, und liess sich eines Tages überreden, ein Juniorenteam zu trainieren. «Es war nicht, weil ich in diese Richtung Ambitionen hatte, sondern weil mein Sohn spielte und man mir vorwarf, ich würde überall reinreden», lacht er. Es habe Spass gemacht, und er werde von damaligen Spielern auch heute noch positiv auf jene Zeit angesprochen. «Das freut mich sehr, denn ich war ein strenger und lauter Trainer. Das würde heute nicht mehr akzeptiert», sagt er. Und er ergänzt: «Aber ich habe viel unternommen mit den Jungs, und ich war stets fair.»
Marescalchi übernahm 2009 die Vereinsleitung, weil er das eine oder andere ändern wollte und die Vision hatte, aus dem Verein etwas Grösseres zu machen, und die erste Mannschaft in die 1. Liga führen wollte. «Die Vision lebt noch immer, aber mit der Zeit musste ich erkennen, dass die 2. Liga interregional wohl das Höchste der Gefühle respektive unserer Möglichkeiten sein wird.» Aesch versucht seit Jahren, den ersten 2.-Liga-Titel der Vereinsgeschichte zu holen. «Am Anfang passte die Hinrunde nicht, dann waren wir in der Rückrunde nicht konstant, und zuletzt war immer ein Team besser als wir», sagt er.
Die Sache mit dem Geld
In der vergangenen Saison fehlte allerdings lediglich ein Sieg und man hätte es geschafft. «Ja, wenn wir drei Runden vor Schluss zu Hause Kleinhüningen geschlagen hätten, was auch möglich gewesen wäre.» Dafür gewann Aesch nach 50 Jahren zum zweiten Mal den Basler Cup. «Als ich den Pokal in der Hand hielt und mit Sportchef Six Pavkovic für ein Foto posierte, dachte ich: Das ist jetzt doch eine gewisse Genugtuung für all das, was ich gemacht habe. Ein paar Tage später war mir dann aber klar, dass es nicht so ist.» Es sei toll gewesen, der Sieg, vor allem für den Staff und die Spieler und natürlich auch für den Verein, wie er betont.
Ein anderes Thema, das dem Verein seit Marescalchis Präsidentschaft anhaftet, ist das Thema Geld. «Ja, wir holen immer wieder Spieler, die uns helfen sollen, den Aufstieg zu realisieren. Und ja, wir zahlen Spesen und Punkteprämien. Was mich stört, ist, dass viele sagen, sie würden ihren Spielern nichts bezahlen. Es ist schon spassig, denn wenn diese Spieler zu uns kommen möchten, erzählen sie etwas anderes.»
Marescalchi meint, wenn man schon nicht ehrlich sei, dann müsse man ja gar nichts sagen, und wer in seine erste Mannschaft etwas investieren will, soll das tun, solange es für den Verein stimmt. «Wir haben auf diese Saison allerdings den Gürtel enger geschnallt, das Budget um zirka 30 Prozent reduziert. Es muss sein, denn auch ich kann und will nicht dauernd Geld einbringen.»
Ein Hauch von Weltfussball
Im Jahr 2014 lancierte Marescalchi erstmals ein internationales U19-Turnier. Juventus, Fulham, Dortmund, der HSV, Salzburg, Servette und der FC Basel nahmen teil. Später gewannen auch Teams aus Japan und Brasilien das Turnier. «Es war eine Schnapsidee damals», erzählt Marescalchi. Der Juve-Fan lernte in Turin den Verantwortlichen der Nachwuchsabteilung kennen, und durch die Kontakte entstand die Idee mit dem Turnier. «Wir fanden Sponsoren, und gemein-sam konnte das Budget von rund 150000 Franken einigermassen eingehalten werden.» Es ist kein Geheimnis, dass der Präsident selbst in die Tasche griff. «Das Turnier war bei Vereinen und Fans beliebt, aber die finanzielle Unterstützung nahm ab. Ich versuchte den Anlass an den FCB zu koppeln, dass Basel der Organisator ist und wir ihn in Aesch durchführen. Aber es klappte nicht.» Daher fand das Turnier 2022 zum letzten Mal statt. «Es war finanziell einfach nicht mehr stemmbar», sagt Marescalchi.
Er verfolge, was aus den Spielern, die in Aesch teilnahmen, wurde. Als Beispiel nennt er Kenan Yildiz. Der Spieler mit deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft wechselte am 12. Juli 2022 von Bayern Münchens U19 zu Juventus und nahm mit den Italienern gleich am Turnier in Aesch teil. Heute ist er ein Star in der Serie A und in der türkischen Nationalequipe. «Wir wählten ihn damals auch zum besten Spieler des Turniers», sagt Marescalchi. Und er meint mit etwas Wehmut: «Das war eine ganz tolle Zeit. Man könnte in Aesch noch so vieles machen, aber es müssten halt alle mitmachen.»


