«Verschwundene Glocken» zum Jubiläum
Die Musikschule Aesch-Pfeffingen wird heuer 50 Jahre alt. Gefeiert wird das mit einem grossen Musiktheater, bei dem 150 Kinder und Jugendliche eine musikalische Zeitreise auf die Bühne bringen.

Andreas Kirschner ist Co-Schulleiter und Instrumentallehrer an der Musikschule Aesch-Pfeffingen – und das schon eine ganze Weile: Seit 38 Jahren unterrichtet er hier Trompete und Eufonium, seit 13 Jahren wirkt er in der Schulleitung. Eine abnehmende Begeisterung für sein Tun und Wirken ist ihm aber keineswegs zu unterstellen, das wird im Gespräch mit Kirschner schnell offensichtlich: «Mir macht es einfach viel Freude, die Kinder und Jugendlichen auf ihrem musikalischen und allgemeinen Lebensweg begleiten und unterstützen zu können. Das zu sehen, gibt mir auch viel zurück.» In den ersten Jahren nach dem Zusammenschluss der beiden Musikschulen in Aesch und Pfeffingen sei die Zahl der Anmeldungen stark gestiegen und auf etwa 400 Kinder, die von rund 20 Instrumentallehrpersonen unterrichtet werden, angewachsen. Diese Auslastung habe man nun seit vielen Jahren auf diesem Niveau halten können, auch wenn die Bevölkerung im Einzugsgebiet in diesem Zeitraum natürlich gewachsen ist.
Kirschner konstatiert, dass es über die Jahre schwieriger geworden sei, die Kinder und Jugendlichen für die Musikschule zu begeistern. Er führt ins Feld, dass die Konkurrenz heute sicherlich grösser geworden sei und Netflix, Gaming und eine allgemein höhere Bildschirmzeit ebenfalls Geld und Zeit in Anspruch nehmen, die dann vielleicht für den Musikschulbesuch fehlen. Zudem merkt er an, dass es früher durchaus verbreiteter war, parallel ein Instrument zu spielen und gleichzeitig im Sportverein aktiv zu sein. Heute beinhalte das sportliche Engagement jedoch schnell zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche, was die Vereinbarkeit schwieriger gestalte. «Ich blicke aber durchaus positiv in die Zukunft, denn ich sehe und spüre Tag für Tag die Freude der Kinder und Jugendlichen bei uns in der Musikschule. Sobald sie einmal angefangen haben und den Reiz des Musikmachens kennenlernen, bleiben sie auch an Board. Die Leute zu diesem ersten Schritt zu motivieren, ist jedoch heute mit mehr Aufwand verbunden als früher», sagt Kirschner.
Gesangtrio, Jazzband, Blechbläserensemble
Die beliebtesten Instrumente seien seit langem die üblichen Verdächtigen: Gitarre, Klavier und – wohl zum Leid einiger Eltern und Nachbarn – Schlagzeug. Einen schwierigen Stand hätten dagegen seit einiger Zeit die Holz- und Blechblasinstrumente. Wichtig für die Musikschule Aesch-Pfeffingen sei jedoch instrumentenübergreifend das Zusammenspielen, das gefördert werde: «Die Ensembles sind unsere Stärke und haben für uns einen hohen Stellenwert. Vom Gesangtrio bis zur Klezmerband haben wir etwa zehn Formationen, in denen gemeinsam in den unterschiedlichsten Stilen musiziert wird», sagt Kirschner, der selbst die Jazzband und das Blechbläserensemble leitet.
Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit
Den verschiedenen Ensembles kommt bei der grossen Jubiläumsaufführung ebenfalls eine wichtige Rolle zu. Die Idee sei gewesen, eine musikalische Zeitreise umzusetzen und mit einem lokalen Bezug zu verbinden. Fündig wurde man beim Heimatmuseum und entschied sich, «Die verschwundenen Glocken» als Musiktheater auf die Bühne zu bringen. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit: Nach dem Brand von Schloss Angenstein im Jahr 1984 verschwanden die zwei Glocken und tauchten zufällig im Jahr 2010 mysteriöserweise im Wald von Pfeffingen wieder auf. Das dazugehörige Drehbuch schrieb Danny Wehrmüller, und Regie führt Luca Vito: «Ich finde es bewundernswert, mit welcher Begeisterung und welchem Engagement die Kinder in die Proben kommen und wie gut sie auch mit spontanen Änderungen umgehen können», sagt Regisseur Vito beeindruckt. Die Hauptrollen werden durch den 12-jährigen Valentin Grob und die 15-jährige Elisa Perrenoud verkörpert. Beide gehen hier in die Musikschule, doch hätten sie durch dieses Jubiläumsprojekt neu auch die Schauspielerei für sich entdeckt. Am meisten würden sie sich auf die Reise zu den Römern und in die Barockzeit freuen – und irgendwann landeten sie auch noch im Gefängnis. Mehr solle an dieser Stelle aber noch nicht verraten werden.
Aufführung «Die verschwundenen Glocken» am Samstag, 12. September, 19 Uhr in der Löhrenackerhalle Aesch. Eintritt frei, Kollekte. Weitere Infos: msaepf.com
«Die Ensembles sind unsere Stärke.»


