Kleine Flächen, grosse Wirkung
Bei einer Führung wurden vergangene Woche zwei ökologisch aufgewertete Naturflächen besucht – dabei konnten Tipps und Tricks für den eigenen Garten und Balkonabgeschaut werden.
«Wieso ist Biodiversität überhaupt wichtig?», fragte Maya Bosshard die rund 40 Interessierten, die sich am vergangenen Dienstagabend für eine Naturführung zum brandaktuellen Thema Trockenheit und Hitze zusammenfanden. Wenn es um den Verlust der Biodiversität geht, würde wohl vielen zuerst das Insekten- oder Pflanzensterben in den Sinn kommen, doch die Konsequenzen seien häufig weitreichender und vielschichtiger als auf den ersten Blick sichtbar.
Die Natur sei wie ein Schwamm, der durch die Hitze gerade stark ausgedrückt wurde, meinte Bosshard, Standortleiterin Basel der Stiftung Wirtschaft und Ökologie (SWO), und ergänzte: «Die Natur versorgt uns mit ganz verschiedenen Ökosystem-Dienstleistungen, und wenn nur ein kleiner Teil davon wegbricht, hat das Auswirkungen auf die gesamte Kette dahinter.» Die Führung war Teil des neuen Aktionsplans Biodiversität der Gemeinde Aesch, der neben dem Schutz und dem Erhalt von rund 400 definierten Naturflächen und -objekten gleichzeitig einen Schwerpunkt auf die Wissensvermittlung und die Sensibilisierung in der Bevölkerung setzt.
Wichtige Blumenwiesen
Ebenfalls einen Beitrag dazu leisten soll der sogenannte Mustergarten bei der Gemeindeverwaltung am Schlossplatz, der als Beispielobjekt und Inspiration diente. Anhand dieser ökologisch aufgewerteten Fläche gab Bosshard einige Beispiele, wie man Lebensräume so gestalten kann, dass sie Trockenheit und Hitze besser standhalten und gleichzeitig die Natur fördern. Häufig begegne ihr der Vorbehalt, dass der eigene Garten ja viel zu klein sei, um einen Einfluss zu haben – das sei aber ein grosser Irrtum: «Jede noch so kleine naturnahe Fläche kann ein Trittstein und Korridor für die Biodiversität sein und dazu beitragen, dass die Siedlungen nicht zerschnitten werden.»
Direkt am Wegrand des Mustergartens gibt es einen Abschnitt mit Kieselsteinen, der nicht besonders grün wirkt, doch für einige spezifische Pflanzen sei genau das ein geeigneter Untergrund und fungiere als sogenannte Pionierfläche. Bosshard betonte zudem die Wichtigkeit von Blumenwiesen, die im Vergleich zum perfekt getrimmten englischen Rasen eine grosse Artenvielfalt beherbergen können. Ein Spindel- oder Handrasenmäher sei zudem einem motorisierten Gerät vorzuziehen, da Letzteres einfach alles unter sich niedermetzelt – für die Vernetzung sei es zudem wichtig, kleine «Inseli» stehen zu lassen.
Vorzeigeprojekt
Der zweite Halt war die private Gartenfläche der Liegenschaften am Starenweg. Der Anstoss für die ökologische Aufwertung ging aus einer Beratung der SWO hervor, welche die Gemeinde Aesch finanziell unterstützte und die für Bosshard ein Vorzeigebeispiel dafür ist, wie viel Potenzial in der Umgestaltung von Privatland liege. Durch die Platzierung von verschiedenen Kleinstrukturen könne mit wenig Aufwand viel bewirkt werden. Beispielsweise durch Totholz-Haufen, die wichtigen Lebensraum schaffen, oder durch das Anlegen von Steinriegeln, die als Unterschlupf und wärmender Winterschlafplatz fungieren.
Nachmachen leicht gemacht
Die thematisierten Elemente und Kleinstrukturen liessen sich auch auf eigene Faust schnell und einfach im eigenen Garten umsetzen – doch Bosshard hatte noch weitere Tipps und Tricks im Gepäck, die dem grünen Daumen und der Natur guttun. Man solle vor allem einheimische Pflanze nehmen und sich anhand der natürlichen Lebensräume unserer Umgebung abschauen, welche Arten an welchen Ort passen.
Dafür empfiehlt sie die Gratis-Web-App «Floretia», bei der man gefiltert nach der eigenen Region und genutztem Flächentyp massgeschneiderte Vorschläge inklusive Ladenverfügbarkeit der Samen erhält. Man solle keine Pestizide verwenden und die Stängel über den Winter stehen lassen und erst im Frühling abschneiden, da die Insekten dort ihre Eier oder Larven ablegen können. Zum Thema Wasserverbrauch rät Bosshard, beispielsweise das Wasser vom Salatwaschen gleich danach noch für die Balkonpflanzen zu verwenden. Allgemein seien möglichst grosse Töpfe vorteilhaft, und es empfehle sich, Mulch – beispielsweise Laub oder Grasschnitt – auf die Erde zu legen.
«Jede noch so kleine naturnahe Fläche kann ein Trittstein und Korridor für die Biodiversität sein.»






