Sagenhafte Gruselgeschichten

Die Produktion «Sage uf d Ohre – Baselbieter Sagen underwägs» füllte den Gemeindesaal bis auf den letzten Platz. Spezialgast war die Erzählerin Sylvia Diethelm-Seeger.

Stimmungsvoll: (von links) Max Mundwiler, Barbara Saladin, Daniel Buser und Michael Studer entführten in die Welt der Sagen.Foto: Caspar Reimer
Stimmungsvoll: (von links) Max Mundwiler, Barbara Saladin, Daniel Buser und Michael Studer entführten in die Welt der Sagen.Foto: Caspar Reimer

«Wir nehmen euch mit in eine fast vergessene Welt», sagte die Autorin Barbara Saladin, die im Ensemble mit Schauspieler Daniel Buser, Sänger Max Mundwiler und Sounddesigner Michael Studer mit dem Programm «Sage uf d Ohre – Baselbieter Sagen underwägs» am vergangenen Donnerstag auf Einladung der Kulturkommission im Pfeffinger Gemeindesaal zu Gast war. In Worten, Liedern, Klängen und Geräuschen ging es auf eine Reise mit sprechenden Totenschädeln in Pfeffingen, verhexten Kindern in Reinach, Geisterpferden in Ettingen oder aber teuflischen Hunden, Untoten und bösen Landvögten im Oberbaselbiet.

Gerade Letztere trugen die Künstler in urchigstem Oberbaselbieter Dialekt vor, was den Geschichten eine noch geheimnisvollere Note verlieh, aber auch dann und wann zum Schmunzeln anregte. Die Vorstellung wurde durch Soundeffekte, die aus im Raum verteilten Boxen kamen, angereichert. Dafür zeichnete Studer verantwortlich, während Mundwiler vor allem mit seiner Gitarre Lieder vortrug. Buser und Saladin moderierten den Abend und waren hauptsächlich für das Erzählte zuständig.

Von der CD auf Tournee

«Schon als Kind haben mich die Baselbieter Sagen fasziniert. Das Spezielle dabei ist, dass diese fantastische Welt quasi am Strassenrand, in einer uns bekannten Gegend liegt», so Saladin. Die vorgetragenen Geschichten entstammen dabei dem berühmten Buch «Baselbieter Sagen» von Paul Suter, Eduard Strüblin und Willy Stähelin, erschienen 1976 bei der Kantonalen Drucksachen- und Materialzentrale Baselland, der Vorläuferorganisation des Verlags Baselland. «Fast alle Baselbieter haben dieses Buch zu Hause in ihrem Regal. Das wird wohl auch in Pfeffingen nicht anders sein, oder?», witzelte Buser, wobei sich nur gerade eine Handvoll als Besitzer der Sagensammlung zu erkennen gab.

Die Tournee basiert auf der im Jahr 2022 veröffentlichten CD «Sage uf d Ohre». «Nachdem wir die CD produziert hatten, dachten wir, es wäre doch eine Idee, die Produktion vor Publikum aufzuführen», so Buser. Seit Dezember 2025 ist das Ensemble mit der Produktion durchs Baselbiet unterwegs, die Dernière findet im Frühling allerdings in Basel statt.

Sagenwelt erhalten

Zu jeder Aufführung lädt das Ensemble einen lokalen Gast ein. Am Donnerstag war das die in Pfeffingen lebende Erzählerin Sylvia Diethelm-Seeger. Sie trug die Sage «Der Ritter von Pfeffingen und seine drei Schwestern» vor: Auf Schloss Pfeffingen lebt ein grimmiger Ritter. Als ein Zwerg seinem Geschlecht den Untergang prophezeit, nimmt er sein Schicksal selbst in die Hand. «Die Geschichte kommt im Buch ‹Baselbieter Sagen› leider nicht vor. Da sie teilweise in der Stadt spielt, ist sie in die Sammlung der Basler Sagen gerutscht», so die Erzählerin.

Daniel Buser fragte sie, wie es heute um die Erhaltung der Sagenwelt stehe. «Ich erlebe bei meinen Erzählungen, dass auch junge Menschen begeistert auf solche Geschichten reagieren. Ich hoffe es also sehr, dass diese Welt auch in Zukunft erhalten bleibt.» In ihren Erzählungen schlägt Diethelm-Seeger auch immer wieder eine Brücke zwischen der Stadt und dem Landkanton, sie kennt die Verbindung beider Welten: «Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich in Basel. Später wohnte ich mit meiner Familie neun Jahre im Baselbiet in Bretzwil. Dort kam ich mit den lokalen Traditionen und Prägungen in Berührung.» Nach der Aufführung lud die Kulturkommission zu einem Apéro ein.

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