Aesch macht Platz für die Jugend
Auf dem Löhrenacker bietet Aesch mit dem Feld 47 einen neuen Ort, an dem Jugendliche sich treffen, schwatzen und sprayen können, ohne jemanden zu stören. Das Projekt ist im Kanton einzigartig.
Littering, Lärm und laute Musik im Dorfkern – damit machten Jugendliche in den vergangenen Jahren ab und an auf sich aufmerksam. Das ärgerte viele Anwohnende und führte zu Auseinandersetzungen oder Polizeieinsätzen. Statt die Situation weiter eskalieren zu lassen, hat Aesch einen anderen Weg gewählt: Gemeindeverwaltung und Jugendliche setzten sich gemeinsam an einen runden Tisch und besprachen, was sich die junge Generation wünscht.
Entstanden ist das «Feld 47». Der Name ist zum einen eine Hommage an den Ort auf dem Löhrenacker – denn der neue Treffpunkt ist auf einem landwirtschaftlich genutzten Feld entstanden –, zum anderen erinnert er an Aeschs Postleitzahl. Bei der Eröffnung am Freitagabend war das Publikum überraschend durchmischt – unter einigen Jugendlichen befanden sich auch viele ältere Semester, die das Projekt unterstützt oder Interesse daran haben.
«Was wir hier bekommen haben, ist nicht selbstverständlich»
«Ich dachte nicht, dass das Projekt noch fertig wird», gab Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher mit einem Schmunzeln zu und verwies damit auf die lange Projektdauer von fünf Jahren. Der «einmalige Prozess» habe viele Gespräche erfordert, auch die Planung sei nicht ganz einfach gewesen.
Dem stimmte auch Linus Skaletzka zu, einer der beteiligten Jugendlichen, der inzwischen 24 Jahre alt ist: «Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal an so vielen Sitzungen teilnehmen würde.» Auch wenn er und seine Freunde inzwischen nicht mehr die Zielgruppe seien – das Feld 47 biete für die Jugendlichen einen grossen Mehrwert: «Was wir hier bekommen haben, ist nicht selbstverständlich. Ich wünsche mir, dass dieser Platz lebt.» Tatsächlich geht Aesch mit dem Feld 47 neue Wege. «Im Baselbiet ist diese Art des Treffpunkts neu», bestätigt Gemeindeverwalter Roman Cueni. «Viele andere Gemeinden haben angekündigt, dass sie das Projekt anschauen möchten. Auch unsere Erfahrungen werden sie interessieren», sagte Cueni am Anlass.
Sitzecken, Basketballkorb und Wände zum Sprayen
Das neue Areal für Jugendliche liegt auf dem Löhrenacker in direkter Nähe zum Jugendhaus Phoenix. Der Standort war Wunsch der Jugendlichen, da sie hier niemanden stören. Auch die Ausgestaltung des Platzes ist in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen erarbeitet worden: Auf dem umzäunten Gelände stehen drei überdachte Sitzecken aus Holz sowie eine Sitzbank im Freien. Zudem steht ein Basketballkorb zur Verfügung und an zwei Betonwänden gibt es Platz für Graffiti.
Thomas Lüthi, Streetworker und Jugendarbeiter, hob hervor, wie wertvoll ein solcher Ort für Jugendliche ist. «Die Planung und Umsetzung brauchte Mut und Durchhaltevermögen. Sowohl die Jugendlichen als auch die Gemeinde haben beides bewiesen», sagte er. Und er erlaubte sich einen kleinen Seitenhieb: «In Pfeffingen wäre das sicherlich nicht so umgesetzt worden», sagte er schmunzelnd.
Lernende haben den Bau übernommen
Auch bei der baulichen Umsetzung hatte die Jugend Vorrang: Gebaut wurde das Feld 47 nämlich von Lernenden. Am Freitag stellten sie ihre Arbeitsschritte vor. «Es war nicht immer einfach, weil wir auf uns allein gestellt waren», sagte etwa Armin Borer, Lernender bei Albin Borer. Diese Herausforderung unterstrich auch Ausbildungsleiter Fabian Jeker von Albin Borer: Die Lernenden hätten teilweise Arbeiten erledigt, die weit über den normalen Anforderungen im zweiten Lehrjahr stünden.
In rund sechs Wochen wurde das Feld 47 umgesetzt: «Genau so, wie wir es geplant hatten», sagte Jeker nicht ohne Stolz. Die Umsetzung des neuen Chill-out-Platzes kostete rund 100000 Franken netto, dabei seien die beteiligten Firmen der Gemeinde mit den Preisen stark entgegengekommen, sagte Cueni.
Finanziell beteiligt hat sich auch die Bürgergemeinde Aesch, die damit die Holzbänke ermöglicht hat. Diese wurden bei der Eröffnung bereits gerne genutzt – durch die Überdachung und die Beleuchtung wird das wohl auch künftig so sein. Hier werden sich wohl auch ältere Generationen wohlfühlen.
Nicht zuletzt dankte Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher auch dem Pächter der Parzelle, Ueli Siegenthaler, der einen Teil seines Feldes für die Umsetzung des Vorhabens abgab. Die Parzelle liegt in der Zone für öffentliche Bauten und musste daher nicht umgezont werden.
Die Jugendlichen blicken nun mit Freude auf den neu geschaffenen Platz. «Schaut zu diesem Ort! Nutzt ihn und habt Spass!», sagte Linus Skaletzka zum Abschluss.








