Räbesunntig fällt Corona zum Opfer

Der 25. Räbesunntig vom 21. Juni fällt aus – und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Weinbauvereins Klus. Dank eines Degustationspaketes kann das vielfältige Weinangebot wenigstens zu Hause genossen werden.

Zeigen sich dennoch nicht niedergeschlagen: Rebchef Antoine Kaufmann (l.) und Dieter von Blarer, Präsident der Weinbaugenossenschaft Aesch, vor der harmonischen Rebenlandschaft im Tschäpperli.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Zeigen sich dennoch nicht niedergeschlagen: Rebchef Antoine Kaufmann (l.) und Dieter von Blarer, Präsident der Weinbaugenossenschaft Aesch, vor der harmonischen Rebenlandschaft im Tschäpperli. Foto: Thomas Brunnschweiler

Wenn in Aesch der Räbesunntig abgesagt wird, ist das fast so schlimm, wie wenn in Basel der Morgestraich ausfällt. Seit Jahrzehnten ist der Räbesunntig in der
Aescher Klus eine Tradition. Er findet immer am Sonntag vor dem Bündelitag statt. Zur Einstimmung wird jeweils ein ökumenischer Gottesdienst in der Chöpfligruebe abgehalten. In verschiedenen Beizchen bieten die Trauben- und Weinproduzenten der Weinbaugenossenschaft Aesch kulinarische Köstlichkeiten an, und man kann die Weine degustieren.

Gerade für den 100. Geburtstag der Weinbaugenossenschaft Aesch, die 1920 als Weinbauverein Klus gegründet wurde, wäre das Räbesunntig-Jubiläum ein Höhepunkt gewesen. Nun war es weder der Frost wie 2017 noch der Falsche Mehltau, der einen Strich durch die Rechnung machte, sondern ein globales Virus. Corona ist zwar keine Gefahr für die Reben, aber für die sichere Durchführung des Räbesunntigs. Es gab im Vorfeld lange Diskussionen, ob man den Anlass trotz Corona durchführen sollte. Aber Dieter von Blarer, der Präsident der Weinbaugenossenschaft Aesch, sowie Antoine Kaufmann, Vizepräsident und Rebchef, kamen zur Überzeugung, dass die Sicherheitsvorgaben vor allem in den Restaurationsbetrieben nicht erfüllt werden können. Dazu gab es einige Gruppierungen, die so oder so nicht mitgemacht hätten.


Degustationspaket als Entschädigung
Dieter von Blarer zeigt sich dennoch nicht niedergeschlagen. «Die Reben stehen schön», sagt er, «der Winter war trocken, der Austrieb der Reben etwas verspätet. Obwohl es wenig regnete, besteht für die Reben kein Stress. In 70 Zentimetern Tiefe gibt es genügend Feuchtigkeit. Auch die Eisheiligen haben wir gut überstanden, im Gegensatz zum Totalschaden im Jahr 2017. Dieses Jahr können wir schon Anfang September ernten. Die Schafskälte bremste das Wachstum zwar, dafür besteht auch kein Pilzdruck.»

Das Coronavirus hat sich aber auf den Verkauf an Restaurants und an private Kunden ausgewirkt. Damit Interessierte die Vielfalt des Weinangebotes in den Aescher und den Pfeffinger Rebbergen testen können, hat die Weinbaugenossenschaft zusammen mit den grösseren Weinproduzenten ein Degustationspaket lanciert. Auf 70 Prozent der Rebfläche wachsen 13 rote Traubensorten, auf den restlichen 30 Prozent 10 weisse. Beim Rotwein geht es vom Blauburgunder über die Neuzüchtung Diolinoir bis zum Syrah, beim Weisswein vom Chardonnay über den Piont gris bis zum Sauvignon blanc.


Biodiversität und Blätterdiebstahl
In der Klus läuft ein Projekt zur Förderung der Biodiversität und der Sensibilisierung für dieses Anliegen. Konkrete Massnahmen bestehen in der Anpflanzung von Hecken in den Reben, eigentlichen Inseln für Insekten und Kleintiere, und das Erstellen von Trockensteinmauern für Reptilien und Vögeln. Hierbei wird man von BirdLife Schweiz unterstützt. Auch die Gemeinde und der Naturschutzverein Aesch-Pfeffingen machen mit. Eine ebenfalls schon durchgeführte Massnahme ist die Auslichtung des Waldrandes, damit ein durchlässiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere entsteht.

Das Problem des systematischen Rebblattdiebstahls wie in Therwil gibt es in der Klus nicht. Dieter von Blarer sagt: «Vor 20 Jahren war das Problem hier so akut, dass wir sogar einen Bannwart anstellen mussten.» Antoine Kaufmann ergänzt: «Bei uns ist es kein Thema, da die Interessenten – meist Kurden – mich anfragen, ob sie Blätter holen dürfen. Im ganzen östlichen Mittelmeerraum sind Dolma, gefüllte Weinblätter, eine Spezialität. Weiterführende Informationen: www.weinbau-aesch.ch.

Weitere Artikel zu «Aesch und Pfeffingen», die sie interessieren könnten

Grosser Andrang: Die Weihnachtsoper «Sternherz» sorgte am Sonntagabend für ein volles Haus. Foto: Caspar Reimer
Aesch und Pfeffingen17.12.2025

Mit «Sternherz» gegen Weltschmerz

Die Weihnachtsoper «Sternherz» bescherte der reformierten Kirche ein volles Haus. Der Neue Chor Aesch, der Projekt-Kinderchor Aesch und der Kammerchor Art…
Keine Steuererhöhung trotz Kostendruck und ein Feuerwerksverbot in der Silvesternacht
Aesch und Pfeffingen17.12.2025

Keine Steuererhöhung trotz Kostendruck und ein Feuerwerksverbot in der Silvesternacht

Nach der Budget-Gemeindeversammlung hatPfeffingen weiterhin den tiefsten Steuersatz im Kanton. Ausserdem wurde das neue Reglement für Ruhe und Ordnung mit…
Ab kommendem Sommer: Im Steinackerhaus der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Aesch-Pfeffingenkommt ein Doppelkindergarten unter. Foto: Nicolas Blust
Aesch und Pfeffingen10.12.2025

«Es kommen schwierige Jahre auf uns zu»:Aesch kämpft mit steigenden Ausgaben

Wie in allen Gemeinden steigen auch in Aesch die Alters- und Gesundheitskosten. Dafür konnte der Gemeinderat eine Lösung in der Kindergarten-Problematik…