Erstes «Bigotterli»: 14 Schnitzelbängg, 4 Gänge,eine Guggenmusik und viel Applaus
Nach dem Ende des beliebten «Pfäffigerli» im letzten Jahr musste die Region nicht lange auf eine neue Vorfasnachtsveranstaltung warten: Vergangenen Mitt-woch und vergangenen Donnerstag fand das erste «Bigotterli» im Aescher Schloss-Chäller statt.
Die wenigen Treppenstufen hinab in den Schloss-Chäller und dann direkt hinein in die fasnächtliche Vorfreude: Bereits kurz nach der Türöffnung wuselte es in den Gängen hin zum mit Festbänken eingedeckten Saal, dessen Wände mit Larven, Girlanden und alten Helgen geschmückt waren. Freie Plätze suchte man vergeblich, und der Raum füllte sich mit gespanntem Gemurmel. Dieses verstummte schlagartig, als die Pfeffinger Gugge Pfluumä-Pfupfer auf die Bühne trat und losschränzte. Für alle, die an besagtem Abend seit einem Jahr zum ersten Mal wieder mit Guggenmusik in Berührung kamen, machten die Pfluumä-Pfupfer schnell klar, wie laut und mächtig das selbst mit einer kleineren Zehn-Mann-Formation klingen kann. Das Publikum schunkelte fleissig mit und wurde mit einem hartnäckigen «Alperose»-Ohrwurm angesteckt.
Der erste Schnitzelbangg war standesgemäss ein lokales Eigengewächs: «Schnupfnase», eine Grossvater-Enkel-Kombi aus Aesch. Die «Schnupfnase» ist schon seit über 50 Jahren als Bänggler unterwegs, doch auch das «Schnupfnäsli» ist schon von klein auf dabei und sorgte für einen gelungenen Auftakt in den langen Verse-Abend. Mit einer Pauke ausgestattet ging es gleich mit viel Lokalbezug los – ein vermeintlich kleines Randthema, das eben genau deswegen im letzten Jahr für grösseres Aufsehen sorgte: «Zwäi Joor lang duet d Verwaltig d KI konsultiere: / ‹Wie duet me en Info-Chaschte an e Wand montiere?› / D Antwort isch immer: ‹Wir können Sie nicht verstehen, ihr seid die einzige Gemeinde mit dem Problem.›»
Der Gemeinderat verwies damals nach den ersten Reaktionen auf die Reduzierung der Info-Kästen auf die digitalen Alternativen – diese griff auch die «Schnupfnase» in einem anschliessenden Vers auf: «Mii Psychiater hed gseit, jetzt mien diir loose, / ich häig e kompläxi Händy-Psychose. / Ich müess mi vo üüberflüssige Zwäng befreye und z allererscht das ‹Crossiety› uusegheye.»
Dauerbrenner-Thema: Mobilität
Neben den erwartbaren Sujets der Weltpolitik von Trump und Infantino bis zur humoristisch peniblen Analyse unserer Bundesrätinnen und Bundesräte stach vor allem ein Thema heraus, das von unterschiedlichen Seiten abgearbeitet wurde: Mobilität. So beispielsweise die viel diskutierte Initiative für eine tramfreie Basler Innenstadt, der sich «Frölein zaale», ein ganz neuer Bangg, annahm: «GO Basel GO, e gueti Idee, so im Grund / Aber wie will me denn goo, wenn kei Drämmli meh kunnt.»
Wenig überraschend hatte auch die Birsfelder Bussenregelung regelrecht Hochkonjunktur. Der Basler Bangg «Källerdiirli» sorgte mit folgendem Vers für Lacher: «Y ha letschti bi dr Bangg e Kredit ufgnoo / und grad no d Pensionskasse uszaale loo. / Y spaar an allne Egge, won i nur ka, / aber finanziell doo bin i am Aaschlaag dra. / Und das alles nume, dasch verzwiggt, / will mi s Navi ame dur Birsfälde schiggt.»
Aber auch andere aktuell bewegende Mobilitätsthemen wie die Seilbahn Liestal–Aesch oder der ständige Bahn- und oder Tramersatzverkehr in der Region wurde gleich mehrfach aufgegriffen. Die Aescher Lokalpolitik kam relativ glimpflich davon – vielleicht auch weil die nachbarliche Schuldenthematik in Reinach ein einfach gefundenes Fressen darstellte, das ausgiebig bedient werden konnte.
Neben originellen Texten ist es ebenso der musikalische Aspekt, der einen guten Bangg hervorheben kann. Diesbezüglich wussten die «Doppelstäb» zu überzeugen: Mit abwechslungsreicher «Schnuuregyyge» und bluesiger Ukulele bewiesen sie mit thematisch passenden Einspielern durchaus musikalische Raffinesse. Auch die «Lumpesammler» – bekanntlich aus Zwingen, «hösch!» – sorgten gegen Ende des Abends noch für besonders heitere Reaktionen mit ihrem eingängigen Zwischenspiel.
Nach zwei Abenden mit je rund fünf Stunden Unterhaltung und vier kulinarischen Gängen war die erste Ausgabe des «Bigotterli» Geschichte. Der Vorfasnachtsdurst schien gestillt, und das Organisationskomitee verkündete zum Schluss bereits freudig, dass es wohl nicht bei der einmaligen Ausführung bleiben würde, was vom Publikum mit viel Applaus goutiert wurde.






