Neuer Gemeinderat Eberle: «Ich möchte, dass es mal wirklich vorwärtsgeht»
Felix Eberle folgt für die FDP im Aescher Gemeinderat in stiller Wahl auf Stephan Hohl. Der 38‑jährige Elektroprojektleiter sprüht vor Tatendrang, hat aber auch Respekt vor dem Amt.

Weil Felix Eberle bis zur gesetzten Frist am 28. September der einzige Kandidat für die Nachfolge des abtretenden Gemeinderatsvizepräsidenten Stephan Hohl (FDP) war, erfolgte eine stille Wahl. Die Gemeindekommission als Erwahrungsinstanz hat Eberle einstimmig als gewählt erklärt. Der angesetzte Urnengang vom 29. November entfällt. Der Elektroprojektleiter beginnt seine Tätigkeit am 1. Januar 2027.
Eberle ist wie sein Vater Ivo, der sich für die damalige CVP im Aescher Gemeinderat engagierte, ein politischer Quereinsteiger. Angefragt wurde er im vergangenen Jahr unter anderem von der ehemaligen Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger (FDP). Dass es nun so schnell zum Wechsel kommt, habe ihn selber überrascht, gibt Eberle zu. Trotz der Kürze der Zeit sieht sich der 38‑Jährige gerüstet für die Aufgabe. Mit seinem Alter und den drei kleinen Kindern trägt Eberle eine Lebensrealität in den Gemeinderat, die ansonsten wenig in kommunalen Behörden vertreten ist. Das möchte er auch nutzen und die Sorgen und Bedürfnisse junger Familien, die gerade in Aesch zuletzt verstärkt zum Thema wurden, ins Gremium einbringen. «Wir haben je ein Kind in der Primarschule, im Kindergarten und in der Kita. Auch wir mussten feststellen, welche Herausforderungen in Aesch in Sachen Schulraum und Betreuungsmöglichkeiten zurzeit bestehen.»
Wieder mehr Leben im Dorf – auch für die Jungen
Die Motivation und der Tatendrang für das neue Amt sind Eberle anzumerken. In Aesch aufgewachsen, sei er eng mit dem Dorf verbunden. Die Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend sind noch sehr präsent. Musikschule, Mitglied in zwei Bands, bei schönem Wetter an den Wochenenden feuern am Banntagsplatz, Computertreffen und viel bauen und tüfteln. Er möchte sich dafür einsetzen, dass seine Kinder in Aesch in einem ebenso tollen Dorf aufwachsen können, wie er es damals konnte.
Eberle weiss um die Schwierigkeit der Gemeinden, die in vielen Themen Vorgaben des Kantons und des Bundes umsetzen müssen. «Aber dort, wo eine Gemeinde Möglichkeiten hat, wünsche ich mir, dass diese auch genutzt werden.» Als Beispiel nennt er eine gewisse Flexibilität bei Bewilligungen, um ein aktiveres Dorfleben zu ermöglichen. Dieses sieht Eberle in Aesch immer mehr am Verschwinden. «Früher standen den Jungen deutlich mehr Gemeinschafts- und Freizeiträumlichkeiten zur Verfügung, die sie auch selber gestalten konnten.» Man sollte vermehrt die Bedürfnisse der Jungen proaktiv abholen. Eberle plädiert auch für den Erhalt wichtiger Freizeitinfrastruktur – Stichwort Hallenbad.
Mehr Hartnäckigkeit bei Planungen
Eberle ist sich im Klaren, dass sich eine Gemeinde entwickeln und wandeln muss. Aesch habe sich grundsätzlich positiv, in einzelnen Punkten aber auch negativ entwickelt. Als Hauptkritikpunkt nennt der designierte Gemeinderat den Ortskern. «Zu viele Dönerläden und Barbershops. Die machen das sicherlich mit Herzblut, trotzdem frage ich mich: Braucht es so vieles vom Gleichen?» Eberle erhofft sich wieder mehr Abwechslung und grundsätzlich eine Aufwertung der Hauptstrasse und des Gebiets rund um die Tramwendeschlaufe. Dafür wünscht er sich auch etwas mehr Hartnäckigkeit, dass trotz Widerstand und Herausforderungen an eingeschlagenen Wegen festgehalten wird. «Ich möchte, dass es mal wirklich vorwärtsgeht.» Der Ortskern soll einladender werden. «Ein Ort, an dem sich auch Familien gerne aufhalten.» Einzelne Gebäude hätten schon länger Sanierungsbedarf, räumt Eberle ein.
Welches Ressort der neue Gemeinderat übernehmen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Seine Stärken sieht Eberle aufgrund seines beruflichen Hintergrunds in bautechnischen und digitalen Belangen. Vom Elektrikerlehrling mit der Steckdose in der Privatwohnung bis zur Industrieanlage als heutiger Elektroprojektleiter in Führungsposition hat sich Eberle ein umfassendes Know‑how erarbeitet. Gerade auch in Sachen künstliche Intelligenz sehe er Potenzial, um bei der Gemeinde und in Planungen Prozesse zu vereinfachen und effizienter zu gestalten.
Eberle hat sich nicht zur Wahl gestellt, «um dann einfach mal zu schauen». Er möchte mit anpacken. «Wenn ich etwas bewirken kann, möchte ich das auch tun.» Ihm sei bewusst, dass man es als Gemeinderat nie allen recht machen kann.


