Kampf um Pfeffingens bauliche Geschichte

Architektur- und Kunsthistorikerin Doris Huggel kauft das alte Bauernhaus an der Hauptstrasse 79, um es vor dem Abriss zu bewahren. Ihrer Meinung nach schützt Pfeffingen sein bauliches Erbe zu wenig.

Vor dem Abbruch gerettet: das praktisch original erhaltene Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert. Foto: ZVG / Doris Huggel
Vor dem Abbruch gerettet: das praktisch original erhaltene Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert. Foto: ZVG / Doris Huggel

Seit Jahren war Doris Huggel klar, dass dieses praktisch original erhaltene Haus aus dem 18. Jahrhundert stehen bleiben sollte, zumal es das Ortsbild stark präge. Obschon sie wiederholt die Erhaltenswürdigkeit des Hauses und ihr Kaufinteresse daran deklarierte, wurde beim Verkauf eine andere Partei bevorzugt, die einen Wohnungsneubau erstellen wollte. Deshalb unterbreitete sie schriftlich ein höheres Kaufangebot − und erhielt den Zuschlag. Das Bauernhaus ist nicht denkmalgeschützt, aber im Bauinventar Baselland als «kommunal zu schützen» eingestuft. Das heisst, es ist für Pfeffingen historisch wichtig. Doris Huggel will das Haus aussen möglichst unverändert erhalten und einer heutigen Wohnnutzung zuführen. Sie ist erleichtert, dass dieser «wichtige Zeuge baulicher und sozialer Geschichte» gerettet ist. «Es ist ein Mittertennhaus, das heisst, die Scheune in der Mitte, auf der einen Seite der Stall, auf der anderen das Wohnhaus. Bis ins 20. Jahrhundert war der Hauseingang in der Scheune.»

Doris Huggel wird nach der Sanierung das Haus unter Schutz stellen lassen und danach vermieten oder verkaufen. Mit der Unterschutzstellung wäre dessen Erhalt langfristig gesichert.

Verschwindet das bauliche Erbe?

Doris Huggel ist Präsidentin der Stiftung für Baselbieter Baukultur und Mitglied des Baselbieter Heimatschutzes. Beruflich arbeitet sie unter anderem für Gemeinden, die ihre historische Bausubstanz auf Erhaltenswürdigkeit prüfen lassen. Sie sehe in vielen Gemeinden – aktuell in den Schlagzeilen ist Lausen − einen «wenig kultivierten Umgang mit dem baulichen Erbe», das ohne Aufhebens zu Gunsten von «immer gleichen Renditeobjekten» zum Verschwinden gebracht wird. «So verlieren die Dörfer ihre Wurzeln, ihre Identität und damit Attraktivität», mahnt die Architektur- und Kunsthistorikerin. Ein positives Beispiel sei Arlesheim, wo man sich derzeit ausführlich mit den zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten im Ortskern befasst. Huggel vermisst in Pfeffingen ein Bewusstsein und Engagement für die wenigen Reste des einstigen Bauerndorfes und das Ortsbild. Als sie vor 26 Jahren hierhin zog und eine Fotoausstellung über das alte Pfeffingen besuchte, sei sie schockiert gewesen, wie wenig sie davon wiedererkannt habe. Ganze Strassenzüge hätten jegliche traditionelle Bebauung verloren, kritisiert Doris Huggel.

«Man spürt und sieht die Geschichte»

Das sieht Gemeindepräsident Sven Stohler anders. «Ich finde, man spürt und sieht die Geschichte und den historischen Charakter von Pfeffingen, gerade auch im Dorfkern.» Man erkenne alte Strukturen an Häusern, auch wenn Erneuerungen stattgefunden haben. Stohler gibt aber zu bedenken, dass sich ein Dorf auch entwickeln und erneuern können muss. Zudem brauche es bei den meisten Unterschutzstellungen das Einverständnis der Eigentümerschaft. Und das sei oftmals schwierig. «Bei der letzten Zonenplanrevision konnten wir gerade mal ein Haus unter Schutz stellen, obwohl wir für mehrere bei der Eigentümerschaft angefragt haben.» Dem Gemeinderat seien diesbezüglich oftmals die Hände gebunden, mahnt Stohler. «Es ist halt immer ein Abwägen zwischen den Interessen der Dorfgeschichte und den Interessen der Eigentümerschaft. Wir sind nicht zuständig dafür, dass ein solches Haus nicht abgerissen wird.»

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