Jubiläumskonzert des Cäcilienchors: Spagat zwischen Moderne und Klassik
Der Cäcilienchor Aesch feiert sein 140-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert. Im Zentrum steht die «Missa Sopra Aesch» von Benno Ammann, die erstmals in vervollständigter Form zur Aufführung kommt.

Im Jahr 1886 unterzeichneten vierzehn Frauen und vierzehn Herren die ersten Statuten des Cäcilienchorvereins. Heute zählt der Chor zwischen 35 und 40 Mitglieder, die konfessionsübergreifend den katholischen Gottesdienst in Aesch gesanglich begleiten. Dass das 140-Jahr-Jubiläum gefeiert wird, ist für Dirigent David Rossel nicht selbstverständlich. «Eigentlich sind 140 Jahre kein klassisches Jubiläum», sagt er. «Aber Corona hat uns gelehrt, die Feste so zu feiern, wie sie fallen.» Gleichzeitig gehe es auch darum, langjährigen Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, ein solches Ereignis gemeinsam zu erleben.
Ein besonderes Highlight, auf das der Chor zurückblickt, sei die Romreise am 6. Mai 2024 gewesen, erklärt Rossel weiter. Dort begleitete der Aescher Cäcilienchor den Gottesdienst zur Einsetzung der Schweizergarde. «Es kommt nicht alle Tage vor, dass man die Ehre erhält, im Petersdom in Rom eine Messe gesanglich begleiten zu dürfen», fügt der Dirigent an. Aufgeführt hat der Chor dort die «Missa Christus Dominus» von Benno Ammann, einem Schweizer Komponisten, der auch im Programm des diesjährigen Jubiläumskonzerts eine zentrale Rolle spielt.
Ammann, der den Cäcilienchor von 1951 bis 1959 leitete, zählt mit seinen über 500 geschaffenen Werken zu den prägenden Figuren der Schweizer Musik des 20. Jahrhunderts. Für die Kirchgemeinde Aesch komponierte er mehrere Werke, darunter die «Missa Sopra Aesch». Dabei handelt es sich um eine Messe, die der Komponist rund um die Töne A, E, Es, C und H baute, die zusammen den Namen «Aesch» ergeben. Dieses Werk Ammanns blieb jedoch unvollendet. Erst durch die musikwissenschaftliche Arbeit von David Rossel konnte es vervollständigt und zur Aufführungsreife gebracht werden.
Gerade der regionale Bezug ist Rossel ein Anliegen. Die grosse sprachliche und dialektale Vielfalt sei eine Besonderheit, bei der es sich gemäss dem studierten Musikwissenschafter und Historiker lohne, gezielt anzusetzen. Gleichzeitig gehe es aber auch darum, aus der eigenen Komfortzone herauszutreten und Neues zu wagen. «Im Chor gilt es oft, einen Spagat zu machen zwischen modernen Ansätzen, die einen Bezug zur eigenen Lebenswelt aufweisen, und klassischen Werken», führt Rossel aus. Dass dieser Spagat bislang gut gelingt, erklärt der Dirigent damit, dass die Sängerinnen und Sänger offen seien für neue Erfahrungen und ihren Horizont gerne erweitern. Nicht alles muss dabei von Anfang an auf uneingeschränkte Zustimmung treffen. Entscheidend sei, dass eine gute Balance gewahrt werde, sodass sich alle Mitglieder des Ensembles abgeholt fühlen.
Mozart als bewusster Schlusspunkt
Nebst den regionalen Werken von Benno Ammann trägt der Chor im zweiten Teil des Konzerts am kommenden Samstag die Vier-Jahreszeiten-Choräle von Adolf Brunner vor. Brunner war Initiant der Schweizer Radiosendung «Echo der Zeit» und engagierte sich als Komponist für die Erneuerung der protestantischen Kirchenmusik. Da das Publikum klassische Werke oft besonders schätzt, hat Rossel beim Schlussteil des Jubiläumskonzerts auf Wolfgang Amadeus Mozart gesetzt, sodass hier insbesondere Klassikliebhaber auf ihre Kosten kommen. Singen wird der Chor Mozarts «Te Deum laudamus» und «Veni Sancte Spiritus».
Jubiläumskonzert: Samstag, 9. Mai, 19 Uhr in der römisch-katholischen Kirche in Aesch. Tickets können im Vorverkauf bei Beat Wipf, beat.wipf@bluewin.ch, oder an der Abendkasse ab 18 Uhr erworben werden.


