Frühe Sprachförderung in Aesch: Wohin können Kinder mit Förderbedarf gehen?

Der Ausbau der frühen Sprachförderung geht in Aesch schleppend voran. Die Situation soll sich aber verbessern. Mehrere Kitas und Spielgruppen streben eine Anerkennung an.

Im Tierpark: Reinach hat vor fast zwei Jahren ein Angebot für die Deutschförderung der Kinder lanciert. Foto: zVg/Archiv
Im Tierpark: Reinach hat vor fast zwei Jahren ein Angebot für die Deutschförderung der Kinder lanciert. Foto: zVg/Archiv

Vor rund zwei Wochen hat die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) die Resultate der Überprüfung der Grundkompetenzen 2024 veröffentlicht. Dabei wurden in der zweiten Klasse der Primarschule die Kompetenzen in Hör- und Leseverstehen in der Schulsprache sowie in Mathematik erhoben. Die Ergebnisse sind eindeutig: Kinder aus sozial benachteiligten Familien und Kinder, bei denen zu Hause kein Deutsch gesprochen wird, schneiden bei den Grundkompetenzen am schwächsten ab. Im Kanton Baselland erreichen Kinder aus dem untersten sozioökonomischen Viertel sowie Kinder, die zu Hause ausschliesslich eine andere Sprache als Deutsch sprechen, in Mathematik und Hörverständnis Deutsch signifikant weniger häufig die Grundkompetenzen. Dies verweist auf die Bedeutung früher Deutschförderung.

Aus diesem Grund hat der Kanton Baselland bereits im September 2023 ein Gesetz zur frühen Sprachförderung verabschiedet, das seit September 2024 in Kraft ist. Seither sind die Gemeinden angehalten, jeweilige Konzepte zur frühen Sprachförderung auszuarbeiten.

Kinder mit Förderbedarf erhalten Gutscheine von der Gemeinde

In der Praxis funktioniert das Ganze so: Im ganzen Kanton wird jedes Jahr eine Sprachstandserhebung durchgeführt. Und zwar bei allen Kindern ein Jahr vor dem Eintritt in den Kindergarten. Das Ausfüllen des Fragebogens ist obligatorisch. Danach werden die Gemeinden informiert, welche Kinder Förderbedarf haben. «Das Konzept sieht vor, dass Kinder mit Förderbedarf in Deutsch während 38 Schulwochen im Jahr mindestens zweimal pro Woche für jeweils mindestens 2,5 Stunden ein Sprachförderangebot besuchen können», sagt Brigitte Vogel (FDP), Gemeinderätin für Bildung, Jugend und Kultur. Alle Eltern der Kinder mit Förderbedarf werden von der Gemeinde angeschrieben und erhalten dabei einen Sprachfördergutschein zugestellt. Diesen können sie bei anerkannten Kitas oder Spielgruppen ihrer Wahl – also auch ausserhalb von Aesch – einlösen.

Viele müssen das wohl auch ausserhalb von Aesch machen, denn im Vergleich zu den umliegenden Gemeinden gibt es in Aesch nur eine Kita, die ein kantonal anerkanntes Sprachförderangebot anbietet. Zum Vergleich: In Reinach sind es vier Kitas und fünf Spielgruppen, in Münchenstein drei Kitas, drei Spielgruppen und ein Tagesheim und in Arlesheim eine Kita und eine Spielgruppe. In Pfeffingen gibt es eine Spielgruppe, die ein Sprachförderangebot anbietet. Doch die Gemeinde stellt Besserung in Aussicht: «Weitere zwei Aescher Kitas sind bei der Fachstelle FEB der Gemeinde zur Anerkennung in Bearbeitung. Ausserdem sind zwei Aescher Spielgruppen aktuell im Anerkennungsprozess», sagt Vogel.

Nur wenige nehmen das Förderangebot in Anspruch

Der Rücklauf der Gutscheine ist noch überschaubar. Konkrete Zahlen, wie viele Gutscheine eingelöst werden, gibt die Gemeinde nicht bekannt. «Bis heute sind nur gut eine Handvoll Sprachfördergutscheine bei der zuständigen Stelle der Gemeinde eingegangen. Wir rechnen aber mit weiteren Zustellungen», sagt Vogel. Denn die Eltern geben die Gutscheine der Kita oder Spielgruppe ab, welche die Gutscheine dann an die Gemeinde weiterleiten.

Da vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien Förderbedarf haben, könnten auch finanzielle Gründe ausschlaggebend sein, dass nur wenige das Angebot nutzen. Denn die Gemeinde übernimmt nur einen Förderbesuch à 2,5 Stunden in der Woche. Den zweiten und vielleicht noch weitere Besuche müssen die Eltern selbst bezahlen.

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