Die Chance für ein neues Ortszentrum
Mit der Sperrung der Tramlinie 11 bis Dezember kommen Forderungen nach einer Neugestaltung der Tramwendeschlaufe in Aesch auf. Für das Tramhäuschen gibt es konkrete Pläne.

Seit vorletztem Montag ist der Trambetrieb zwischen Aesch Dorf und Dreispitz auf der Linie 11 infolge der Erneuerung der Traminfrastruktur zwischen Reinach Surbaum und Münchenstein Freilager bis Dezember gesperrt. Es ist die dritte und letzte Bauetappe zwischen Aesch und Dreispitz. Obwohl die Endhaltestelle in Aesch nicht Teil der Bauetappe ist, möchten Sven David, Vorstandsmitglied der Mitte, Sektion Aesch-Pfeffingen, und Lucca Achermann, Mitglied der GLP, die Sperrung des Trambetriebs für eine Erneuerung zumindest des Tramgebäudes nutzen. Für David ist das Gebäude «ein gelber Schandfleck und ein ästhetischer Störfaktor». Er wünscht sich eine optische Aufwertung des Gebäudes: «Man müsste zumindest die Gebäudehülle komplett sanieren, ein neues Farbkonzept definieren und die öffentlichen Toiletten erneuern.» Idealerweise würde das Gebäude komplett ersetzt, meint David. «Ich finde, als Gemeinde Aesch darf man von der BLT erwarten, dass sie auf die lokalen Bedürfnisse eingeht und diese berücksichtigt.»
David stört das Erscheinungsbild des Aescher Ortszentrums schon seit Jahren. «Die Tramwendeschlaufe hat einen grossen Einfluss auf die Ästhetik des ganzen Zentrums. Für viele, die nach Aesch kommen, ist das Tramhäuschen das Erste, was sie wahrnehmen. Als schlechte Visitenkarte passt das gar nicht zum sonst schönen Aesch.» Zudem sei der Aufenthalt an der Endhaltestelle wenig einladend, findet David. «Ich weiss von vielen, dass sie sich beim Warten aufs Tram nicht besonders wohlfühlen.» Er ist überzeugt, dass die von ihm vorgeschlagenen Massnahmen bereits viel Positives bewirken würden. «Es wurde in der Vergangenheit stets zu viel gewollt. Man suchte den grossen Wurf und scheiterte. Ich plädiere für das realpolitisch Machbare.»
Rund um eine mögliche Neugestaltung des Aescher Ortszentrums ist es in den letzten Jahren ruhig geworden. 2015 wurde ein grosser Wurf vorgestellt, an dem sich auch die Grossverteiler Migros und Coop beteiligt hätten. Das Vorhaben scheiterte, weil nicht alle betroffenen Liegenschaftseigentümer einverstanden waren. Dazu gab es mehrere Vorschläge mit Visualisierungen von Privatpersonen. Zuletzt sorgten die Machbarkeitsstudie zur Verlängerung der Tramlinie 11 bis zum Bahnhof Aesch und eine mögliche Verlegung der Haltestelle Aesch Dorf in Richtung Reinach, damit die Haltestelle behindertengerecht gestaltet werden kann, für Diskussionen.
Umfrage bei der Bevölkerung?
Auch Lucca Achermann hat sich mit dem Wunsch nach einer Aufwertung der Situation rund um die Tramwendeschlaufe beim Wochenblatt gemeldet. «Lange wurde nur darüber geredet, aber jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, dies endlich einmal anzugehen. Denn ein lebendiges und attraktives Zentrum ist eine Investition in die Lebensqualität der ganzen Gemeinde», schreibt Achermann. Er fordert ebenfalls eine Erneuerung des Tramgebäudes. Auch der Platz vor den Filialen von Migros und Coop sollte aufgewertet werden. Achermann könnte sich ein Café in den Räumlichkeiten des ehemaligen Schuhgeschäfts neben dem Coop als Mehrwert vorstellen.
«Die Gemeinde und die BLT könnten eine Umfrage durchführen, was die Aescher Bevölkerung vom Ortskern wünscht», schlägt Achermann vor. Beim Kanton Baselland und bei der BLT scheint man Gehör zu finden für die Forderungen der beiden Aescher. Die BLT wird das Tramgebäude während der aktuellen Tramsperrung leicht renovieren, voraussichtlich ab Juni, vermelden die kantonale Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) und die BLT auf Anfrage. Das Baugesuch sei eingereicht und in Prüfung. Während der Renovation wird das Gebäude eingerüstet. Die Läden bleiben geöffnet. Das Neudenken der Anlage mitsamt Wendeschlaufe und Haltestelle solle mittelfristig erfolgen. «Diese Aufgabe haben die drei Partner BLT, Gemeinde Aesch und Kanton im Blick», versichert BUD-Sprecherin Andrea Tschopp.
Auch der Gemeinderatmöchte eine Aufwertung
Auch beim Kanton sieht man bei der Tramwendeschlaufe «auf alle Fälle Aufwertungspotenzial für den öffentlichen Raum». Dieses Potenzial sollte unabhängig davon, ob eine Verlängerung der Tramlinie 11 bis zum Bahnhof Aesch kommt oder nicht, genutzt werden, betont Tschopp. Eine umfassende Neugestaltung des Areals rund um die Tramwendeschlaufe ist gemäss Roman Cueni, Leiter Gemeindeverwaltung Aesch, schon länger vorgesehen, wird aber erst mittelfristig im Rahmen des Projekts «Betriebs- und Gestaltungskonzept Hauptstrasse» angegangen.
Die Planungsarbeiten dafür werden durch den Kanton und die Gemeinde nach den Sommerferien 2026 aufgenommen. In diesem Prozess sollen auch die Anspruchsgruppen in Bezug auf die Gestaltung des Aescher Ortszentrums einbezogen werden, erklärt Cueni. Zudem habe die Gemeinde Aesch zusammen mit den Liegenschaftsbesitzern eine Testplanung für die Hauptstrasse im Zentrum durchgeführt, dies auch als Grundlage für die nun anstehenden Arbeiten zum Betriebs- und Gestaltungskonzept Hauptstrasse und zu den weiteren Entwicklungen im Ortszentrum.
Dem Gemeinderat sei es sehr wichtig, dass die Aufenthaltsqualität im Dorfzentrum deutlich verbessert werden kann, dazu gehöre auch die Berücksichtigung der Bedürfnisse der diversen Anspruchsgruppen und verschiedenen Verkehrsträger. «Es werden auch zukünftig Trams, Busse, Velos und Autos durch das Dorfzentrum Aesch fahren, gleichzeitig soll das Zentrum aber auch attraktiver für den Fussverkehr werden und zum Verweilen einladen», erklärt Cueni.
«Ein Dorfkern, der zumFlanieren einlädt»
Beim Gewerbe stossen Ideen zur Aufwertung des Zentrums auf offene Ohren. Dies wäre wichtig für den Detailhandel im Dorf, sagt Andreas Mohn, Co-Präsident des Vereins Gewerbe und Industrie Aesch. Aktuell gebe es rund um die Tramwendeschlaufe aus unterschiedlichen Gründen mehrere Leerstände, was das Einkaufserlebnis negativ beeinflusse. Für Mohn ist der aktuelle Zustand des Ortszentrums bei der Tramwendeschlaufe langfristig nicht mehr tragbar. «Ich wünsche mir einen Dorfkern, der zum Flanieren einlädt.»
Die Situation sei für alle Beteiligten komplex, gibt Mohn zu bedenken. Mit der möglichen Verlegung der Endhaltestelle auf Höhe Dorfplatz, um die Haltestelle behindertengerecht umzubauen, und dem damit drohenden Wegfall von Parkplätzen, den anstehenden Schulbauten und der finanziellen Lage der Gemeinde seien die aktuellen Herausforderungen gross. Mohn beobachtet und befürchtet zugleich, dass sich das Gewerbe und der Detailhandel in die Peripherie von Aesch verlagern und das Zentrum dadurch weiter geschwächt wird.


