4,9 Millionen Franken Verlust: «Wir sehen schon länger, dass es mit den Finanzen eng wird»

Die Aescher Rechnung schliesst mit einem Verlust von 4,9 Millionen Franken. Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher erklärt, woher die Mehrausgaben kommen und wo die Gemeinde spart. Zu einer möglichen Steuererhöhung hält sie sich bedeckt.

Nimmt Stellung zu den roten Zahlen: Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher (SP).  Foto: zVg
Nimmt Stellung zu den roten Zahlen: Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher (SP). Foto: zVg

Die Rechnung zeigt einen deutlich schlechteren Abschluss als budgetiert. Die Kosten im Gesundheitsbereich weichen gemäss Mitteilung um 1,4 Mio. Franken, jene im Bereich Soziales um 1,3 Mio. Franken ab. Wie kommt es zu dieser grossen Abweichung?

Eveline Sprecher: Wir sind nicht die einzige Gemeinde, die mit diesen Mehrausgaben konfrontiert ist. Die Kosten sind in den Bereichen Sozialhilfe, Alter, Gesundheit und Pflege sowie im Asylwesen gestiegen. Die Ursachen liegen zum einen im demografischen Wandel – diesen kann man teilweise voraussehen –, zum andern spielen kleine Veränderungen eine grosse Rolle, wie etwa die Pflegeeinstufung. Auch im Asylbereich können wir nicht alle Veränderungen voraussehen – etwa die Anzahl Asylsuchender oder in welchem Umfang diese Unterstützung erhalten. Auch in der Sozialhilfe gibt es Unsicherheiten, weil die Lebenskosten überall steigen und mehr Personen auf Sozialhilfe angewiesen sind. Wichtig zu wissen ist: In einem Budget kann eine Gemeinde 10 bis 20 Prozent der Ausgaben beeinflussen, der Rest ist gebunden beziehungsweise gesetzlich vorgegeben.

Sind diese Kostensteigerungen einmalige Effekte oder werden sie auch in diesem Jahr eintreten?

Wir rechnen damit, dass viele Kostensteigerungen nicht einmalig sind. Wir nehmen die Erkenntnisse aus der Rechnung 2025 jetzt bereits ins neue Budget 2027 auf. Die Budgetierung ist eine wichtige Phase – gerade im Bereich Gesundheit werden wir Massnahmen im Zusammenhang mit der Altersregion Birs treffen, um die Kosten zu senken.

Sie haben auch auf der Verwaltung gespart. Welche Ausgabenposten sind Sie angegangen?

Wir sehen schon länger, dass es mit den Finanzen eng wird. Bisher konnten wir dies immer mit ausserordentlichen Einmaleinnahmen ausgleichen. Schon länger haben wir auch die Ausgaben auf der Verwaltung jährlich strikte überprüft. Der Bestand an Mitarbeitenden ist gleichgeblieben, denn die Gemeindeverwaltung mit den vielen Aufgaben für die stark gewachsene Bevölkerung ist stark ausgelastet. Es wäre nicht richtig, die Sparmassnahmen auf dem Rücken der Mitarbeitenden auszutragen. Sparen konnten wir bei den Beraterhonoraren. Wir haben ausserdem Kosten im Bereich Unterhalt gesenkt und weniger für Software ausgegeben. Auch Projekte haben wir zeitlich verschoben, so konnten im Bereich Sport- und Freizeit im Jahr 2025 rund 250 000 Franken eingespart werden. Dazu kommen tiefere Abschreibungen.

Wird der Gemeinderat als Massnahme weitere Einsparungen auf der Verwaltung diskutieren und gegebenenfalls der Gemeindeversammlung beantragen?

Dazu kann ich noch keine Antwort geben. Jetzt startet der Budgetprozess fürs Jahr 2027, und wir werden uns mit allen Positionen intensiv auseinandersetzen. Wir wollen ein finanziell tragfähiges und wenn immer möglich ausgeglichenes Budget präsentieren. Wir priorisieren und evaluieren stets neu, welche Ausgaben es braucht. Zu konkreten Massnahmen können wir noch nichts sagen.

Und wo hat die Gemeinde mehr eingenommen?

Mehreinnahmen haben wir bei Busseneinnahmen und Gebühren verzeichnet. Auch eine Abgeltung durch die SBB für die Flächen, die während des Bahnersatzes Laufental zur Verfügung gestellt wurden, hat die Kasse entlastet. Die Steuereinnahmen bei natürlichen Personen waren in diesem Jahr etwas höher als budgetiert, jedoch sind die Erträge aus Steuern von Vorjahren deutlich tiefer ausgefallen.

Wie hoch ist die Nettoverschuldung pro Einwohnerin und Einwohner?

Sie liegt bei 615 Franken pro Einwohner. Der Schnitt liegt kantonal bei 2000 Franken pro Kopf, da sind wir in Aesch also noch gut aufgestellt. Aber wir wissen, dass es in den kommenden Jahren kaum besser werden wird.

Werden nun Projekte aufgrund der engen Finanzlage verschoben?

Das können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Und am Ende hat diesbezüglich sowieso die Gemeindeversammlung das letzte Wort.

Was bedeutet das Ergebnis der Rechnung für den Ausbau der Schulanlagen? Diese schlagen ja mit insgesamt rund 70 Mio. Franken zu Buche – wie können diese Investitionen finanziert werden?

Diese 70 Mio. fallen zeitlich gestaffelt an den drei Schulstandorten an. Diese stehen nach 2031 an – bis dahin ist es nicht mehr sehr lange, das wissen wir. Aber wir brauchen diesen Schulraum, das ist auch klar. Wir müssen ihn auf irgendeine Art und Weise finanzieren. Wie, das kann ich im Moment noch nicht sagen. Unser Ziel ist es nun, ein finanziell tragbares Budget 2027 vorzulegen. Für viele Gemeinden ist es momentan eine schwierige Situation, die wir nicht einfach so lösen können.

Steht den Aescherinnen und Aeschern eine Steuererhöhung bevor?

Wir werden prüfen müssen, wie wir Einnahmen und Ausgaben ausgleichen. Es wäre vorgegriffen, dazu jetzt schon etwas zu sagen.

Aber der Handlungsspielraum ist begrenzt.

Das ist so. Unser Eigenkapital ist auf 4,2 Mio. Franken gesunken, und das müssen wir unbedingt im Auge behalten.

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