Neue Gesichter in der Oberen Klus

Daniela Tschaggelar gibt ihren Betrieb auf der Oberen Klus in neue Hände. Was bedeutet der Wechsel für die Tiere?

In der Natur zu Hause: Fiona und Nico de Vet übernehmen die Obere Klus von Daniela Tschaggelar. Foto: Nicolas Blust
In der Natur zu Hause: Fiona und Nico de Vet übernehmen die Obere Klus von Daniela Tschaggelar. Foto: Nicolas Blust

Seit 2005, also seit mehr als 20 Jahren, bietet Daniela Tschaggelar tiergestützte Therapie mit Lamas und Alpakas an. Ihre Überzeugung lautete seither: Die Interaktion mit den Tieren ist eine Bereicherung für alle – ob jung oder alt, ob gesund oder mit besonderen Bedürfnissen. Unzählige Personen – Schulklassen, beeinträchtigte Menschen und Gruppen aus Alters- und Pflegeheim – besuchten Tschaggelars Tiere in der Oberen Klus. Nun gibt sie den Hof ab. Das Wochenblatt hat sich mit den Nachfolgern getroffen.

Der Weg ist idyllisch. Dem Klusbach entlang vorbei an Rebstöcken und Viehweiden windet sich die Strasse das Klustal hinauf. Vorbei am Wasserfall, ist man schon fast am Ziel. Eine Haarnadelkurve und zwei Minuten Fahrt und man ist angekommen in der Oberen Klus. Hier tummeln sich Alpakas, Esel, Lamas, Pferde und Rinder auf den Weiden und in den Ställen. Und seit Anfang Februar wohnen hier vier neue Gesichter. Denn die Familie de Vet hat das Hofgut von Daniela Tschaggelar übernommen.

Von Kanada in die Aescher Klus

Fiona und Nico de Vet und ihre beiden Kinder Ronja (12) und Ivan (10) sind aus Kanada in die Schweiz gekommen. Fiona ist auf einer Ranch im Chilcotin aufgewachsen, ihre Mutter stammt aber aus dem Baselbiet. Nico stammt aus dem Wiesental in Deutschland, wo er bereits von klein auf in der Landwirtschaft mitgearbeitet hat. 2010 zog er nach Kanada, um auf einer Ranch zu arbeiten. Die beiden lernten sich kennen und verliebten sich. Seither führten sie gemeinsam eine Ranch mit über 1000 Rindern in Kanada.

Das Leben auf der Ranch, weit weg von der Zivilisation, war lange Zeit beruhigend und erfüllend. Aber die beiden Kinder wurden älter: «Auf der Ranch wäre Homeschooling die einzige Möglichkeit gewesen», erklärt Fiona de Vet. Für die Landwirte keine Option. So suchten sie nach einem geeigneten Hof. Fündig wurden sie auf der anderen Seite des Atlantiks im Klustal. «Mein Onkel war ein guter Freund von Daniela Tschaggelars verstorbenem Partner», erklärt de Vet die Verbindung nach Aesch. Die Familie de Vet, die nach eigenen Angaben immer den Wunsch hegte, eines Tages in die Schweiz auszuwandern, entschied sich nach reichlichen Überlegungen, den Schritt ins Baselbiet zu wagen.

«Als wir das erste Mal hier waren, wussten wir gleich, dass es das ist», schwärmt das Ehepaar. Der Hof sei etwas abgelegen und biete Ruhe. Im Vergleich zu Kanada sei aber auch die Distanz ins Dorf und zu den Einkaufsläden kurz. Kein Vergleich zu stundenlangen Autofahrten in Kanada. Davon profitieren nicht zuletzt die Kinder, die selbstständig mit dem Fahrrad unterwegs sein können und darum keinen Fahrdienst brauchen. Auch wenn sie manchmal Heimweh hätten, so hat sich die Familie bestens in Aesch eingelebt. Die beiden Landwirte wollen den Betrieb, den Tschaggelar über Jahre aufgebaut hat, im ähnlichen Stil weiterführen. Sie züchten weiterhin Rinder in Mutterkuhhaltung – eine Arbeit, die beide aus Kanada bestens kennen.

Doch auch die tiergestützten Interaktionen, die Tschaggelar mit den Kluser Lamas anbietet, sollen weiterhin stattfinden. Bis Ende Mai leitet Tschaggelar noch die Kurse – die de Vets schauen ihr über die Schulter, ehe sie den Betrieb komplett übernehmen. Die Obere Klus bleibt also weiterhin ein Ausflugsziel für Schulklassen und Pflegezentren. Und die Alpakas und Lamas dürfen ihr Zuhause behalten.

Dass sämtliche Tiere in der Oberen Klus bleiben, war eine Hauptvoraussetzung, damit Tschaggelar den Hof verkaufte. «Ich habe den Hof nur als Gesamtpaket abgegeben», bestätigt sie. Ihr sei ein respektvoller und anständiger Umgang mit den Tieren immer enorm wichtig gewesen. Den Tieren werde es bei der Familie de Vet gut gehen: «Ich habe ein gutes Gefühl, da sie auch sehr gerne Tiere haben.»

Die Obere Klus sei wie ein Baby für sie. Es falle ihr daher nicht leicht, sich von den Tieren und dem Betrieb zu trennen. «Ich habe unglaublich hohe Ansprüche. Mein Wunsch ist: Das was ich aufgebaut habe, soll weitergehen», sagt Tschaggelar. Sie betont aber auch, dass Fiona und Nico de Vet ihren eigenen Weg finden müssen: «Es wird sicher anders. Aber anders heisst nicht schlechter.»

Tschaggelar beginnt Ende Monat also einen neuen Lebensabschnitt. Grund dafür sei eine Beziehungskrise mit sich selbst gewesen. «Ich habe mit dem Tod meines Partners erlebt, wie schnell alles vorbei sein kann», sagt sie. Sie wolle Reisen unternehmen, eine neue Ausbildung starten, Zeit für sich nehmen und Leute besuchen. «Mein Leben besteht noch aus anderen Farben, die ich erleben will», sagt Tschaggelar. Fiona und Nico de Vet sowie ihre Kinder haben sich bereits gut in Aesch eingelebt, der Betrieb läuft nahtlos weiter. Was sich in Zukunft auf der Oberen Klus ändert, wollen die beiden noch herausfinden: «Wir wollen nicht zu viel Neues auf einmal anfangen.» Am Ende müsse die Arbeit auch Spass machen. Ausserdem geniessen die beiden die gemeinsame Zeit mit den Kindern: «Solange sie mit uns noch etwas machen wollen, müssen wir das geniessen», ist sich das Ehepaar sicher.

Fiona de Vet hat in Kanada viel mit Pferden gearbeitet. Als Jugendliche habe sie mit ihrer Schwester Kinder im Reiten unterrichtet. «Dabei habe ich gesehen, wie viel Freude es macht, wenn Menschen entspannt und erfolgreich mit Tieren zusammen sind», sagt sie. Dieselben Erfahrungen hat auch Tschaggelar mit ihren Lamas gemacht. Die Obere Klus bleibt also ein Ort, wo sich Menschen und Tiere begegnen können.

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