«Dienst nach Vorschrift funktioniert hier nicht»
Das Bistro Soleil in Aesch bietet feines Essen und berufliche Eingliederung. Das Angebot hat sich etabliert.

Vielleicht merkt es ein Gast oder eine Besucherin des Bistro Soleil in Aesch Nord: Nicht alle tüchtigen Angestellten sind aus den gleichen Gründen am Arbeiten. Die einen, die fast immer dort sind, gehören zur Stiftung Erlenhof, die berufliche und schulische Eingliederungen anbietet. Sie kümmern sich um die Leitung des Bistros und die anfallenden Aufgaben. Die anderen, im Bistro meist nur eine Person, sind Klienten. Sie nehmen aktuell einen schulischen Unterbruch oder brauchen gerade einen Tapetenwechsel. «Ihnen tut das Team gut», sagt Carina Holm. Die Leiterin des Gastronomieverbundes der Stiftung erzählt offen von der Arbeit mit den Klienten.
«Das Bistro Soleil bietet ein ruhigeres Setting», erklärt sie den Vorteil, den das «Soleil» gegenüber anderen Abteilungen des Erlenhofes hat. Neben Gastronomie, wie der Hauptküche in Reinach, pflegt der Erlenhof noch weitere 18 Abteilungen zur beruflichen Integration.
Kommunikation ist wichtig, das Umfeld auch
Die Klienten werden von Behörden wie Sozialhilfe, IV oder Jugendanwaltschaft an die Stiftung vermittelt. «Es steht immer ein Ziel dahinter», erklärt Holm. Wobei der Weg fast wichtiger ist, als das Ziel vollends zu erreichen. «Ruhig geht es aber trotzdem nicht zu und her», so Holm und sie ergänzt: «Es läuft viel über Kommunikation.» Denn das Bistro schaffe ein gutes Umfeld, entwickle eine gute Kultur untereinander und die Betroffenen hätten generell sehr viel Freiheiten, sich einzubringen. «Die Klienten können sich entfalten, ohne zu machen, was sie wollen.»
Dennoch kann es auch mal zu einer schwierigen Situation kommen, wenn beispielsweise ein Klient eine persönliche Krise erlebt. Holm ist da ganz gelassen: «Es ist menschlich, dass das vorkommt.» Es könne sein, dass ein Bistrobesucher so etwas mitbekommt, aber: «Müssen wir das verstecken?» Der Klient werde dann aus der Situation genommen, denn: «Dienst nach Vorschrift funktioniert hier nicht.» Aber ist nicht der Kunde König? Vertragen sich Klienten mit allenfalls aktuell schwierigen Lebenssituationen mit hungrigen Kunden? «Das geht wegen der guten Mitarbeitenden», erwidert Holm gelassen und im Vertrauen auf ihre Kolleginnen und Kollegen. «Wir finden die Balance.» Holm räumt ein, dass die Mitarbeitenden durchaus auch einmal etwas auffangen müssen. «Daher passen wir auf die Mitarbeitenden auch gut auf!»
Zudem sei die Qualität ein grosses Anliegen, wischt Holm etwaige Bedenken dazu weg. Die Klienten würden sehr schnell einen gewissen Stolz entwickeln: «Es ist ihnen nicht egal, was auf dem Teller rausgeht», stellt Holm fest. «Wir holen die Leute dort ab, wo sie ihre Begeisterung haben», erläutert sie. So sei ein Klient vom Backen begeistert, habe aber keine Ahnung davon. «Dann ermöglichen wir es und beginnen bei den Grundlagen.» Und die Befriedigung ist gross, wenn am Abend die selbst gebackenen Zöpfe ausverkauft sind.
Bistro arbeitet nicht gewinnorientiert
Das Bistro Soleil verpflegt bereits seit knapp fünf Jahren die Menschen aus der Nähe. Das sind zum einen Schülerinnen und Schüler der Stiftung Erlenhof, die im selben Gebäude unterrichtet werden. Andererseits können sich die Mitarbeitenden der umliegenden Firmen einfach und schnell verköstigen. Das «Soleil» wirft keinen Gewinn ab, sondern es ist ein erweitertes Angebot an die Klienten. Der Start war harzig, aber dann erholte sich die Gastronomie nach Corona. «Seit zwei Jahren sind wir stabil unterwegs», freut sich Holm. Dennoch wünscht sich die Gastronomieleiterin, dass mehr Menschen in Aesch auf das Bistro aufmerksam werden.


