Halbe Fläche – halber Schaden?

Ein neuer Fachbericht des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain schlägt vor, das Festgelände des Schwingfestes zu verkleinern.

Michel Ecklin

So gross, wie es der Basellandschaftliche Schwingerverband plant, ist ein Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest 2022 in Aesch schwierig machbar. Die Auswirkungen auf Böden, Landwirtschaftsbetriebe, Natur und Erholung wären gravierend. Zu diesem Schluss kommt die «Fachliche Beurteilung Landwirtschaft und Natur», die das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain in Sissach im Auftrag der Kantonsregierung erstellt hat.

Schwierigkeiten sieht die kantonale Stelle für die Böden. Regne es vor oder während des Anlasses, sei langfristig die Ertragsfähigkeit gefährdet. Auch bei Sonnenschein sei unsicher, «ob die Fruchtbarkeit des Bodens nach dem Fest gegeben ist».

Ebenfalls gravierende Auswirkungen sind auf die Natur zu erwarten, die seit 1994 von ökologischen Aufwertungen profitiert. Der vom Basellandschaftlichen Schwingerverband zurate gezogene Biologe hatte es noch für möglich gehalten, die vielen Buntbrachen zu verlegen. Dem widerspricht das Ebenrain. Vom dreitägigen Schwingfest könne sich die Natur zwar einigermassen erholen. Doch weil man zwei Jahre im Voraus Äcker in Grasland umwandeln müsse, seien «die Bemühungen der letzten 20 Jahre inklusive der auch vom Bund und Kanton investierten Fördergelder vergebens gewesen». Der Aufwand für die landwirtschaftlichen Betriebe sei «beträchtlich», heisst es weiter. Wohl gebe es planerische Hürden. Bei entsprechender finanzieller Abgeltung sei aber kein Landwirt in seiner Existenz bedroht. Ebenfalls recht unproblematisch ist laut Bericht das Schwingfest für die Freizeitfunktion der Aescher Ebene, obwohl mit der tieferen Artenvielfalt «für die Erholungssuchenden die Attraktivität sinkt».

Ungefragter Alternativ-Vorschlag

Nirgends schreibt das Landwirtschaftliche Zentrum ausdrücklich, dass das Fest in Aesch undurchführbar wäre. Doch ohne dass es seine Aufgabe gewesen wäre, präsentiert es eine «machbare» Alternative. Die Schwingfeste in Burgdorf 2013, in Zug 2019 und in St.Gallen 2025 kamen und kommen nämlich mit fast halb so viel Platz aus, wie das die Baselbieter Schwingfunktionäre für Aesch vorsehen. «Es stellt sich eindeutig die Frage, ob das Schwingfest 2022 nicht auf kleinerer Fläche realisiert werden kann», heisst es. Damit «könnten die grössten Nachteile des vorliegenden Projektes eliminiert werden». So werde weniger Boden belastet, den man dann auch besser schützen könne. Lösungen für die landwirtschaftlichen Betriebe seien einfacher zu finden, und die Beeinträchtigungen auf die Natur könnten «auf ein verträgliches Mass reduziert» werden.

Offen ist, wie die Idee eines halbierten Festgeländes bei den Betroffenen ankommt. Landwirt Christian Schürch meint, solange der Schwingerverband den Landwirten die Idee nicht persönlich unterbreite, gelte das, was die Landwirte dem Verband schon mehrmals mitgeteilt hätten: «Wir wollen das Schwingfest nicht bei uns.» Der Schwingerverband seinerseits wollte sich vor dem heutigen Donnerstag nicht äussern. Dann präsentiert er die mit dem Basler Verband erarbeitete Studie, die den Standort St. Jakob abklärt.

Doch der Vorschlag des Ebenrains könnte die Fronten im Standort-Streit entblockieren. Das hofft zumindest der Aescher Landrat Jan Kirchmayr (SP). Bisher hatte der Baselbieter Schwingerverband nämlich an Aesch festgehalten, mit der Begründung, nirgends sonst im Kanton sei genug Platz für den Anlass. «Wenn der Platzbedarf kleiner ist, kann man jetzt wieder andere Standorte prüfen», findet Kirchmayr. Für ihn machen die Ergebnisse der Studie die Durchführung des Schwingfests im Baselbiet «grad ein bisschen sympathischer».

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