Flüchtlinge im Arbeitsmarkt: «Eine lohnende Herausforderung»

Der Verein «Zrächt cho» hilft Flüchtlingen bei der Integration in den Schweizer Arbeitsmarkt. Eine Aescher Firma unterstützt das Projekt ganz konkret.

Angekommen und vernetzt: Simaf und Akid Ali (2. und 3. von links) konnten auf die Unterstützung vom Mirjam Würth (2. von rechts) zählen. Foto: Caspar Reimer
Angekommen und vernetzt: Simaf und Akid Ali (2. und 3. von links) konnten auf die Unterstützung vom Mirjam Würth (2. von rechts) zählen. Foto: Caspar Reimer

Akid Ali flüchtete zusammen mit seiner Schwester Simaf im Jahr 2013 vor dem Krieg in Syrien in die Schweiz. «Am 6. Dezember sind wir hier angekommen», erinnert sich der 24-Jährige. Heute arbeitet er als Heizungsinstallateur bei einer Basler Sanitärfirma. «Anfangs war es in der Berufsschule sehr schwierig, weil ich nur wenig verstanden habe. Doch mit der Zeit ging es immer besser.»

Seine Schwester, die Sozialarbeiterin werden will, absolviert ein Praktikum bei jener Institution, die dem Geschwisterpaar bei der Integration in der Schweiz zur Seite stand: Der in Pratteln ansässige, aber in der ganzen Nordwestschweiz aktive Verein «Zrächt cho» unterstützt seit seiner Gründung 2018 mit einer Reihe von Integrationsangeboten Geflüchtete bei ihren ersten Schritten in der Schweiz. Hauptaugenmerk hat hierbei die Anbindung an den Arbeitsmarkt: «Wir versuchen, Menschen mit Fluchthintergrund für den Arbeitsmarkt fit zu machen», sagte Mirjam Würth, Geschäftsführerin von «Zrächt cho» anlässlich eines Informationsanlasses, zu dem der Verein vergangenen Donnerstag nach Aesch an den Firmensitz der Angenstein Estech AG eingeladen hatte.

Das Unternehmen beteiligt sich an diesem Integrationsprojekt und hat bereits Personen mit Flüchtlingshintergrund während ihrer Ausbildung begleitet: «Ich bin der Meinung, dass Einwanderung positiv bewertet werden sollte», so Franz Imwinkelried, Geschäftsführer der Angenstein Estech AG. Menschen, die unter schwierigen Bedingungen gelebt und den gefährlichen Weg einer Flucht zurückgelegt hätten, wiesen eine hohe Bereitschaft aus, eine Situation zu ändern und für neue Lösungen zu kämpfen. «Die Integration in den Betrieb war nicht nur einfach und wir waren auf Unterstützung des Vereins angewiesen.»

Doch sei die Erfahrung insgesamt positiv, eine lohnende Herausforderung gewesen. Eine Person mit Fluchthintergrund konnte erfolgreich in den Betrieb integriert werden.

Lokale Anbindung

Aktuell betreut und begleitet der Verein 60 Menschen mit einer Flüchtlingsgeschichte. Neben der Unterstützung in der Berufsschule oder bei der Stellensuche bietet er ein Tandem-Programm, bei dem Betroffenen eine lokal verwurzelte Person zur Seite gestellt wird. «Wenn die Nationalitäten wie in einer Blase nur unter sich bleiben, ist das nicht zielführend», so Würth. «Die Geflüchteten erhalten die Möglichkeit, der Schweizer Kultur und Sprache ein Stück näher zu kommen.» Über eine Meldepflicht haben anerkannte und vorläufig aufgenommene Flüchtlinge im Prinzip freien Zugang zum Arbeitsmarkt, doch längst nicht alle Unternehmen seien bereit, eine Person mit diesem Hintergrund einzustellen – zu gross das Misstrauen und die Ungewissheit. «Das wollen wir ändern und zeigen, dass Flüchtlinge ein Gewinn für die Wirtschaft sein können.»

Würth setzt sich dafür ein, dass Betroffene nicht einfach als Hilfskräfte arbeiten, sondern einen Beruf mit Ausbildung erlernen: «Nur das ist eine nachhaltige Investition, da Hilfskräfte als solche immer weniger gebraucht werden.» Als Konkurrenz, etwa zu älteren Schweizer Stellensuchenden, möchte der Verein die Flüchtlinge nicht verstanden wissen – man müsse die Gruppen nicht gegeneinander ausspielen, da «sich diese Menschen in einer ganz anderen Situation befinden».

Kontakte knüpfen

Für die Zukunft plant Akid Ali, der bereits ein ordentliches Schweizerdeutsch mit dem typischen Akzent spricht, sich beruflich selbstständig zu machen. «Doch erst möchte ich noch weiter Erfahrungen sammeln.» Am Donnerstag blieb nach dem informativen Teil noch Zeit, sich bei einem kurdischen Lunch, der extra für diesen Anlass zubereitet worden war, zu verköstigen und Kontakte zu knüpfen. «Wir hoffen natürlich, andere Firmen für unser Projekt zu gewinnen.»

Weitere Infos unter zraechtcho.ch

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