Entmachtung oder Pseudoreform?

In der vergangenen Woche gab der Gemeinderat eine Reform der Verwaltungsorganisation bekannt. Dem Präsidial- departement werden drei Bereiche entzogen.

Neue Aufgabenverteilung: Am Aescher Regierungssitz soll mit neuen Strukturen gearbeitet werden. Foto: Tobias Gfeller
Neue Aufgabenverteilung: Am Aescher Regierungssitz soll mit neuen Strukturen gearbeitet werden. Foto: Tobias Gfeller

Tobias Gfeller

Der Gemeinderat gab am Dienstag letzter Woche eine Revision der Verwaltungsorganisation bekannt. Die Reform umfasst zwei Teile: Zum einen hat sich der Gemeinderat mit der Neuanstellung des Verwaltungsleiters Nicolas Hug zu einer neuen Verwaltungsstruktur entschieden. Das neue «CEO-Modell» unterscheidet klar zwischen strategischer (Gemeinderat) und operativer Führung (Verwaltungsleitung). Die Aescher Parteipräsidenten von SP, CVP und SVP bestätigten, dass diese Veränderung aufgrund der wiederholten Eingriffe der Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger (FDP) in die Arbeit der Verwaltung notwendig wurde.

Falscher Zeitpunkt?

Peter Lehner, Sektionspräsident der SVP, meint: «Die Verwaltung soll endlich in Ruhe arbeiten und der Gemeindeverwalter seine Kompetenzen auch einbringen können.» Dem Präsidialdepartement werden zum andern drei Bereiche entzogen. So wird neu der Finanzchef, Andreas Spindler, für das Personal und für die Landgeschäfte zuständig sein. Die Polizei wird neu ins Ressort Sicherheit zu Paul Svoboda verschoben. Für SP-Präsidentin Christine Koch-Kirchmayr ist dies der Anfang eines Prozesses. Über den Zeitpunkt dieser Reform sei sie keinesfalls glücklich. «Man hätte bis nach den Wahlen warten können.» Eine solch gewichtige Reform zwölf Tage vor den Wahlen bekannt zu geben, zeugt davon, dass es innerhalb des Gemeinderates und der Verwaltung kräftig rumort. Stephan Gloor, Präsident der CVP, weiss schon länger darum. «Frau Hollinger hat in der Vergangenheit mehrfach das Kollegialitätsprinzip missachtet», ist er der Ansicht.

Reines Wahlkampfmanöver

Marianne Hollinger sieht die Situation anders. «Die Veränderung zum CEO-Modell erfolgte nach erfolgreichem Beizug vom Fachexperten im Gemeinderat einstimmig. Wir hatten schon vorher ein fortschrittliches Modell – die Anpassungen, die getätigt wurden, haben für mich schliesslich mehrheitlich gepasst.» Hollinger nennt diese Veränderung eine «Pseudoreform». Sie findet es schade, dass nicht eine wirkliche Reform, bei der auch der Gemeinderat seinen Aufgabenbereich durchleuchtet hätte, gemacht worden sei. Sie wehrt sich auch gegen Vorwürfe, sie würde sich zu stark in den operativen Bereich der Verwaltung einmischen. «Ich muss mich beispielsweise für das Aescher Gewerbe einsetzen, damit dieses bei Vergaben von Gemeindeaufträgen mit offerieren kann. Ich erachte das als nötig und gerechtfertigt.» Sie unterstreicht, dass politische Entscheidungen Sache des Gemeinderates sind und nicht an die Verwaltung delegiert werden können.

Als trauriges Wahlkampfmanöver bezeichnet Hollinger die Verschiebung dreier gut funktionierender Bereiche weg vom Präsidialdepartement. «Es gibt dafür keinen sachlichen Grund, wie das selbst der Gemeinderat bestätigt.» Sie befürworte eine Neuausrichtung des Gemeinderates in der neuen Legislatur. «Aber sicher nicht so kurz vor den Wahlen.» Für die Zeit nach den Wahlen macht sich Hollinger keine allzu grossen Sorgen. «Am 13. März schon findet eine Gesprächsrunde des Gesamtgemeinderates statt, an der mit unserem Mediator die ganze Situation diskutiert wird.»

Weitere Artikel zu «Aesch und Pfeffingen», die sie interessieren könnten

Freuen sich auf die neue Saison: Geschäftsführer Fabio Back und Trainerin Melanie Cina. Foto: Fabian Schwarzenbach
Aesch und Pfeffingen07.10.2026

«Wir sind nicht da, um Vierte zu werden»

Am Samstag geht die Volleyballsaison 2026/27 in der höchsten Schweizer Spielklasse der Frauen in die nächste Runde. Die Volleyballerinnen von Sm’Aesch…
«Es ist der richtige Moment»: Urs David kann sich nun vermehrt auf seine anderen Engagements fokussieren. Foto: Florin Bürgler
Aesch und Pfeffingen30.09.2026

Lässt Pommes und Co. hinter sich: Urs David verabschiedet sich vom Badi-Beizli

Nach sechs Jahren als Pächter des Badi-Beizlis im Aescher Schwimmbad hört Urs David auf. Im Gespräch mit dem Wochenblatt blickt er auf diese Zeit zurück und…
Ziehen an einem Strang: Die langjährige Leiterin Valerie Lauper (in der Mitte) umgeben von Nadine Bron (links) und Jasmine Gutzwiller (rechts), die das Brüggli ab Januar führen werden. Fotos: Florin Bürgler
Aesch und Pfeffingen23.09.2026

«Ich gehe mit zwei weinenden Augen, aber einem glücklichen Herzen»

Am vergangenen Freitag fand das jährliche Brüggli-Fest im Familienzentrum Brüggli statt. Für die langjährige Leiterin Valerie Lauper war es gleichzeitig ein…