Eine heisse Dorfkomödie

Die Premiere der Komödie «Und alles wäge dr Gaby!» am letzten Freitag unterhielt das Publikum im katholischen Pfarreiheim köstlich. Die Theater- gruppe Aesch präsentierte sich im besten Licht.

Schäkert gerne: Was Gaby (Heidi Schultheiss) wohl mit dem Doktor (Alex Häring) vorhat?  Foto: Thomas Brunnschweiler
Schäkert gerne: Was Gaby (Heidi Schultheiss) wohl mit dem Doktor (Alex Häring) vorhat? Foto: Thomas Brunnschweiler

Regisseurin Erika Zingg hat mit der Wahl von Günther Philips Komödie ein gutes Händchen bewiesen. Das Stück, das dem Genre der Dorfkomödie zuzuordnen ist und Bezüge zu Aesch zulässt, enthält alle Zutaten, um einen Saal fast konstant zum Lachen zu bringen. Schreinermeister Fritz und Wirt Paul sind sich seit ihrer Jugend spinnefeind, weil sie in dasselbe Mädchen verliebt waren, das aber keiner von ihnen erobern konnte. Die beiden lassen keine Gelegenheit aus, sich mit harmlosen Streichen oder schwererem Geschütz zu piesacken. Um sich dem streitbaren Hobby zu widmen, hat Fritz sein Geschäft seinen beiden Töchtern Bea und Tina überschrieben, die sich aber überhaupt nicht grün sind.
Zum Entsetzen ihrer Eltern hat sich die hübsche Tina für ein Männermagazin ablichten lassen, was Wirt Paul genüsslich auskostet. Bea wiederum ist ausgerechnet in Tinas Verlobten Peter verliebt, der den Streit zwischen Fritz und Paul endlich schlichten soll. Da die Querelen auf den Hahnenkampf um die ehemalige Schulkameradin Gaby zurückgehen, wird diese kurzerhand eingeladen, um die Streithammel zu versöhnen. Was sich als gute Idee anhört, endet im völligen Chaos.


Optimale Besetzung

Erika Zingg hat die elf Rollen optimal besetzt. Fritz, der augenrollende Schreinermeister, wird von Steffi Krieg verkörpert, dessen Organ so laut ist, dass man sich oft fragt, ob seine Stimme bis zum Ende durchhalten wird. Evelyn Spring spielt Anna, die resolute Ehefrau von Fritz, die sich mit Pauls Frau Frieda, gemimt von Edith Hänggi, verbündet, um dem nachbarschaftlichen Albtraum ein Ende zu bereiten. Karin Güntner spielt glaubwürdig die ältere Tochter Bea, die als arbeitssame und sozial denkende Chefin ihre Gefühle im Zaun hält, um sie am Ende doch zu offenbaren. Angela Vogel gibt die junge arbeitsscheue Tina, die lieber Tennis spielt und am Abend in die Disco geht, als Büroarbeiten zu verrichten. Walti Zingg interpretiert den erbarmungswürdigen Paul mit einer Mischung von Wehleidigkeit und Prozessierwut.

Christine Leuthold, bisher als Souffleuse tätig, hat als Schreinergesellin Anita mit ihrem Berner Dialekt und ihrem Mutterwitz ein starkes Debüt. Klaus, der Sohn von Paul und Frieda, wird von Michi Wemans verkörpert, dessen Mimik, komisch zuckende Bewegungen und Slapstickeinlagen fast filmreif sind. Landarzt Peter ist bestens besetzt mit Alex Häring, und Alex Gutzwiller brilliert als eifersüchtiger Schreinergeselle Tom.

Schliesslich ist Heidi Schultheiss als Gaby die zentrale Figur, die in ihrer Aufdringlichkeit und ihrer nicht unbremsbaren Neigung zu starken Obstbränden darstellungsmässig kaum zu toppen ist. Die Schlitzohren besorgten den reibungslosen Service im Saal. Der Schlussapplaus war denn auch frenetisch. Erneut zeigt sich, dass Dorftheater die Menschen zusammenbringt.

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