Ein Wohlfühlanlass

Mit einer nicht ganz alltäglichen Rede brachte alt Landratspräsident Heinz Lerf die Gäste an der Aescher Bundesfeier zum Schmunzeln. Für die Festgemeinde gabs zudem gleich drei musikalische Leckerbissen.

Hielt die 1.-August-Ansprache: Heinz Lerf.

Hielt die 1.-August-Ansprache: Heinz Lerf.

Mitreissend: Der Bad Ragazer Alleinunterhalter Stefan Roos heizte der Festgemeinde mit seinen Mundartliedern ein. Fotos: Thomas Brunnschweiler

Mitreissend: Der Bad Ragazer Alleinunterhalter Stefan Roos heizte der Festgemeinde mit seinen Mundartliedern ein. Fotos: Thomas Brunnschweiler

Fast familiär ging es zu bei der 1.-August-Feier auf dem Mühleplatz. Man kennt sich und heisst auch Gäste von aussen willkommen. Aeschs Bundesfeiern sind Wohlfühlanlässe, die man gerne besucht. Eingeladen hatten der Gemeinderat, der Bürgerrat und natürlich die Zunft zu Wein- und Herbergsleuten sowie der Gasthof Mühle. Es hätte regnen können, denn die Festgemeinde sass wohlbehütet unter Zeltdächern.

Das Programm begann schon um 17.30 Uhr mit einer Delegation der Schloss-Buam (die gendermässig korrekt eigentlich Schloss-Buam und -Maderln heissen müssten). Die Sängerin und der Gitarrist sangen Oldies zum Mitsingen. Um halb acht begrüsste Zeremonienmeister Rolf Blatter die Anwesenden und gab Anweisungen zum Schutzkonzept. Auf jedem Tisch lag eine Meldeliste, dafür wurde auf Masken verzichtet.

Balkanklänge statt Musikverein

Der offizielle Teil begann mit einer Musikdarbietung einer dreiköpfigen Auswahl des The Brass Department, bestehend aus einem Trompeter, einem Altsaxofonisten und einem Drummer. Die teilweise behäbig klingenden Weisen verrieten balkanische Einflüsse. Alle drei Musiker zeigten eine sehr gute Beherrschung ihres Instruments. Da wurde aus «Simmeliberg» ein Stück voller Drive. Und am Ende machten Kenner eine Melodie aus dem Kultfilm «Pulp Fiction» aus. Das Trio ersetzte den traditionell auftretenden Musikverein, den Gästen schien diese originelle Abwechslung zu gefallen. Schlag 20 Uhr begannen die Glocken der nahen Kirche zu läuten. Da und dort wurde eine Zigarre angezündet. Nach dem feierlichen Geläute sagte Rolf Blatter den Festredner Heinz Lerf an. Der Berufs-Liestaler wurde im Juni 2020 zum Landratspräsidenten gewählt. Er ist nicht nur Politiker, sondern spielt auch am Banntag in Liestal eine wichtige Rolle und ist sehr musikalisch; er gibt in der Jazzformation The Filet of Soul den Rhythmus vor.

Heinz Lerfs Rhetorikunterricht

Nach einer altertümlichen, formellen Begrüssung aller Honoratioren und Gäste kam er zum Thema: eine Umfrage, was eine gute 1.-August-Rede ausmache. In sieben Punkten erfuhr man, sie müsse witzig, ironisch, locker, zum Nachdenken anregend – aber ohne Mahnfinger, kurz – Applaus von allen Anwesenden! –, nicht parteipolitisch und propagandistisch, verständlich sowie unterhaltsam sein. Lerf ging weder auf Corona, das Wetter oder geschichtliche Zusammenhänge ein; angeboten hätte sich die Rolle Napoleons auf die Entstehung der modernen Schweiz. Kurz: Die Rede war eine Abhandlung über Formales, nicht ein Eingehen auf Substanzielles. Es war, als würde ein Pfarrer von der Kanzel über die wichtigsten Eigenschaften einer Predigt sprechen, ohne auf eine bestimmte Bibelstelle einzugehen. Beim Dank zur Einladung als Redner zum Bundesfeiertag machte Lerf einen kleinen Freud’schen Versprecher, der bei allen für Heiterkeit sorgte («Gebums ... äh ... Geburtstag»). Oder war das Absicht? Egal, niemand nahm dem Redner diese Anzüglichkeit übel. Nach der Verteilung der 1.-August-Weggli übernahm der Bad Ragazer Alleinunterhalter Stefan Roos die Regie und riss mit seinen Mundartliedern die Festgemeinde mit. Danach klang das Fest mit den Schloss-Buam aus.

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