«Dienstleistungen für unsere Bewohner werden nicht betroffen sein»

Mit Martin Vecchi übernimmt ein Quereinsteiger das Ruder beim Alterszentrum Im Brüel. Nach dem Abgang seines Vorgängers sei Ruhe eingekehrt, sagt Stiftungsratspräsident Jürg Schütz im Interview. Der Kostendruck hält aber weiter an.

Gibt Auskunft: Jürg Schütz, Stiftungsratspräsident des Alterszentrums Im Brüel.  Foto: Thomas Kramer
Gibt Auskunft: Jürg Schütz, Stiftungsratspräsident des Alterszentrums Im Brüel. Foto: Thomas Kramer

Wochenblatt: Herr Schütz, Ende November stellte der Stiftungsrat des Alterszentrums Im Brüel überraschend den damaligen Geschäftsführer Abraham Guggenheim frei. Ist seither Ruhe eingekehrt im Haus?

Jürg Schütz: Ja, das ist so. Insbesondere, weil wir praktisch übergangslos den langjährigen Leiter des Alterszentrum Mülimatt Sissach, Herrn Hanspeter Tschopp, als Interims-Geschäftsführer verpflichten konnten. Mit ihm zusammen konnte in sehr kurzer Zeit eine Kommunikationskultur aufgebaut werden, die diese Bezeichnung auch verdient.


Mit der Person von Martin Vecchi wird ein erfahrener Banker die operative Führung übernehmen. Vecchi ist quasi ein Quereinsteiger. Was hat den Stiftungsrat an seiner Personalie überzeugt?

Jürg Schütz: Ja, Herr Vecchi ist ein Quereinsteiger. Sehr vieles hat uns positiv überzeugt: sein Werdegang vom Handwerker mit Berufslehre, Fachhochschulabschluss, zum «Banker mit Herz», seine Haltung gegenüber dem Alter, sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement in Region und Kanton und nicht zuletzt die überzeugende Darstellung seiner Vision und seine offene authentische Kommunikation. Herr Vecchi ist kein eigentlicher Banker. Er hat zwar bei einer Grossbank gearbeitet, aber auf dem Gebiet IT/Unternehmensentwicklung.


Vecchi hat zuletzt ein globales Optimierungsprogramm bei der UBS mitverantwortet. In welcher Verfassung übernimmt er das Alterszentrum? Guggenheim habe es gesundgespart, hiess es.

Jürg Schütz: Die negative Konnotation im Ausdruck «gesundgespart» gefällt mir nicht. Herr Guggenheim hat im Auftrag des Stiftungsrats zwingend notwendige Massnahmen zur finanziellen Gesundung eingeleitet und durchgeführt. Das Alterszentrum befand sich in einer aus verschiedenen internen und externen Gründen sehr schwierigen finanziellen Lage. Insbesondere ins Gewicht fiel der katastrophale Zustand der Pensionskasse Baselland, mit der daraus für uns resultierenden millionenhohen Unterdeckung, welche wir ausfinanzieren mussten. Dass solche Massnahmen nicht eitel Freude verursachen, leuchtet ein. Ausser der Belastung durch die Pensionskassenausfinanzierung übernimmt Herr Vecchi das AZ in einer gesunden finanziellen und strukturellen Verfassung.


Der Kostendruck hält also an. Werden die Bewohner das spüren?

Jürg Schütz: Das AZ muss weiter an Verbesserungen in den Kostenstrukturen arbeiten. Analysen haben die Ansatzpunkte aufgezeigt. Sie anzupacken und umzusetzen, wird für Herrn Vecchi, die Geschäftsleitung und alle Mitarbeitenden eine grosse Herausforderung sein. Wir sprechen hier nicht vom Sparen um des Sparens willen. Die Dienstleistungen für unsere Bewohnerinnen und Bewohner werden aber in keiner Weise davon betroffen. Die logistischen Betriebsabläufe hingegen haben noch ein hohes Optimierungspotenzial. Zudem soll die Förderung des Kostenbewusstseins bei jedem Einzelnen verbessert werden.


Es gibt noch eine weitere Personalie im Leitungsteam des Alterszentrums. Warum musste auch die Leitung des Bereichs Pflege und Betreuung neu besetzt werden?

Jürg Schütz: Der Leiter des Bereichs hatte selber gekündigt, um eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen. Die neue Leiterin ist gewählt und wird Mitte Mai Im Brüel ihre Arbeit aufnehmen.


Kommen wir noch auf den Stiftungsrat zu sprechen. Wie gehen Sie mit der anhaltenden Kritik um, die öffentlich am Gremium, aber auch an der Geschäftsleitung der Institution über zahlreiche Leserbriefe geäussert wurde?

Jürg Schütz: Das AZ Im Brüel steht mit vielen Anspruchsgruppen in der Öffentlichkeit. Dass sich da immer wieder jemand berufen fühlt, sich in den Medien zu äussern, ist nachvollziehbar und steht jedermann frei. Schwierig wird es, wenn unsere Institution beispielsweise mittels Leserbriefen im «Wochenblatt» zu politischen Zwecken oder zur persönlichen Profilierung missbraucht wird. Besser wäre, erst einmal den Kontakt mit der Geschäftsleitung oder allenfalls mit dem Stiftungsrat zu suchen. Der Stiftungsrat hat deshalb schon vor Jahren entschieden, Leserbriefe nicht zu kommentieren. Wir stehen aber einem persönlichen Gespräch immer offen gegenüber.


Die abtretende Dornacher Schulleiterin Marie-Therese do Norte gehört neu dem Stiftungsrat an. In der jüngeren Vergangenheit ist dies nicht die einzige Mutation. Stehen die Zeichen nun wieder auf Kontinuität?

Jürg Schütz: Kontinuität hängt stark von externen Faktoren ab. Auftraggeber des AZ sind die Trägergemeinden Aesch und Pfeffingen. Dazu besteht eine Leistungsvereinbarung. Die Gemeinden sind mit vier Stiftungsräten (Aesch 3 / Pfeffingen 1) im Stiftungsrat vertreten. Ändert die Zusammensetzung der Gemeinderäte wegen Neuwahlen, hat das regelmässig Änderungen im Stiftungsrat zur Folge, was überhaupt nicht optimal ist. Wir werden aber auch von der Stiftungsaufsicht beider Basel kontrolliert.
Daneben arbeitet das Alterszentrum Im Brühl autonom und muss seine Leistung betriebswirtschaftlich optimiert erbringen. Das AZ erhält von den Trägergemeinden keine Beiträge. Was von diesen in die Altersversorgung fliesst, sind gemäss eidgenössischer Gesetzgebung (KVG) direkte Zahlungen an unsere Gäste.

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