Die einen singen schon wieder, die anderen warten lieber

Die Aescher und Pfeffinger Chöre gehen unterschiedlich mit den Lockerungsmassnahmen des Bundesrats um. Bedenken, insbesondere vor Aerosolen, sind allgegenwärtig.

Probt ab 8. Juni wieder: Der Bacchanal-Chor aus Aesch.  Foto: ZVG / Heiner Leuthardt
Probt ab 8. Juni wieder: Der Bacchanal-Chor aus Aesch. Foto: ZVG / Heiner Leuthardt

Der Bacchanal-Chor probt ab dem 8. Juni wieder vierstimmig, jedoch unter Beachtung eines Schutzkonzepts», verkündet Präsident Andreas Greuter mit spürbarer Vorfreude. Man müsse sicher vorsichtig sein, aber dürfe auch mit Zuversicht in die Zukunft schauen. Zurückhaltender tönt es trotz der Lockerungsschritte des Bundesrats und der tiefen Infektionszahlen bei David Rossel, musikalischer Leiter des Cäcilienchors Aesch und weiterer sechs Chöre in der Region. Insbesondere das Thema Aerosole und die Frage, ob sich Coronaviren übers Singen in der Luft doch weiter verbreiten können, als bisher gedacht, beschäftigen Rossel und den Chorleiterverband Nordwestschweiz, den er präsidiert. Der Verband rät seinen Mitgliedern, auf Chorproben und den Konzertbetrieb bis zu Beginn des Schuljahres 2020/21 Mitte August zu verzichten. Die Gründe seien vielschichtig, erklärt Rossel. «Das Risiko einer Luftübertragung ist weiter ungewiss. Diverse kleinere Ausbrüche nach Choranlässen in anderen Ländern weisen auf direkte Zusammenhänge hin, sind aber nicht abschliessend geklärt.»


Angst vor negativem Medienecho
Die verordneten Schutzmassnahmen des Bundes fürs Chorsingen sehen unter anderem die Beibehaltung der Zwei-Meter-Abstandsregel und das Führen von Namenslisten bei Chorproben vor. Eine Nachverfolgung bei Ansteckungen muss vor allem dann gewährleistet sein, wenn die Abstandsregel nicht eingehalten werden kann. Der Chorleiterverband möchte mit dem Verzicht auf die Wiederaufnahme der Chorproben verhindern, dass es bei einem allfälligen Ausbruch der Infektionszahlen in Zusammenhang mit einem Chor ein negatives Medienecho geben könnte. «Die Saison 2019/2020 ist nicht mehr zu
retten. Es ist sinnvoller, die verbleibende Zeit in die aufwendige Planung der kommenden Konzertsaison respektive des nächsten Schuljahres zu investieren», gibt David Rossel zu bedenken. Zudem hätten viele Chorleitende grossen Erholungsbedarf, da das Anbieten virtueller Alternativen viel Zeit und Energie in Anspruch genommen habe.

Bei vielen Chören ist das Durchschnittsalter der Mitglieder relativ hoch. Umso wichtiger sei es, findet David Rossel, dass keine Risiken eingegangen werden. Genau gleich begründet Casimir Schmeder, Präsident des Männerchors Pfeffingen, den Verzicht auf Chorproben und Auftritte bis im August. Damit orientiere man sich an den Empfehlungen des Chorverbands beider Basel und an dessen Vertreter des Bezirks Arlesheim, Markus Ribi, seines Zeichens Präsident des Männerchors Arlesheim. «Es ist einfach noch zu wenig klar, wie sich das Singen auf die Verbreitung des Virus auswirkt. Das wird jetzt ausführlich getestet. Solange dies nicht klar ist oder es keine Impfung gibt, wollen wir zuwarten», erklärt Schmeder.


«Nicht gerade in den Nacken singen»
Andreas Greuter vom Bacchanal-Chor sieht die Sachlage gelassener. Er beruft sich dabei auf eine Studie aus München, die besagen soll, dass Aerosole beim Singen nur gerade eineinhalb Meter weit fliegen. Mit einer geänderten Choraufstellung und grösseren Abständen sei das Chorsingen daher gut möglich. «Man muss sich halt nicht gerade direkt in den Nacken singen», sagt Greuter mit einem Lächeln. Der Neue Chor Aesch der Evangelisch-reformierten Kirche probt bereits seit dem 14. Mai in Vierergruppen und mit grossen Abständen wieder. Der Aufwand, damit alle zum Zug kommen, war insbesondere für Chorleiterin Regula Bänziger gross. Das Proben in kleinen Gruppen möchte sie weiterhin aufrechterhalten. Das Singen von allen 23 Mitgliedern zusammen halte sie indes nur draussen für möglich. «Ich finde es einfach zu gefährlich. Ich möchte kein Risiko eingehen. Wir haben viele ältere Mitglieder, die besonders aufpassen müssen.» Doch viele Mitglieder, gibt Bänziger zu, brennen schon wieder aufs gemeinsame Singen. Das tue halt einfach gut, und singen sei erst noch gesund.

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