Kürzen oder gar verschieben?

In Aesch sammelt das Fasnachtscomité Ideen, um der fünften Jahreszeit neuen Schwung zu verleihen.

Die Fasnacht Aesch sei am ­Kränkeln, sagen Aktive. Der Umzug am Sonntag ist gut ­besucht, aber die folgenden ­beiden Tage eher nicht. «Vor ­allem der Montag», meint der Aescher Fasnachtscomité-­Obmaa Timo Geiser. Daher kam die Idee auf, etwas zu verändern, um die Aescher Fasnacht wieder oder noch attraktiver zu ­machen.

Doch nur schon der Gedanke, dass an Traditionen gerüttelt werden könnte, brachte emotionale Aescher Fasnächtlerinnen und Fasnächtler in Rage. Heftig wurden Ideen diskutiert und auf sozialen Medien so ­dargestellt, als seien sie bereits beschlossene Sache. «Es ist noch gar nichts definiert», tritt Geiser den Gerüchten entgegen. «Bis jetzt bleibt die Fasnacht so, wie sie ist.»

Das Beizensterben setzt der Beizenfasnacht zu

Die Fasnacht könne verschoben werden, ist eine Idee, an der sich die Gemüter erhitzen. «Wieso nicht?», fragen die einen, während die Traditionalisten am Datum festhalten wollen. Schliesslich hängt die Terminierung am Mondlauf fest, wie auch das Osterdatum. Doch den gut besuchten Umzug am Sonntag möchten viele belassen. Ob es Sinn ergibt, schon am Samstag zu starten und die ­Aescher Fasnacht der benachbarten Reinacher anzugleichen, darf bezweifelt werden. «Machen wir beide gleichzeitig, dann schneiden wir uns ins eigene Fleisch», befürchten Aktive. Die Fasnacht von drei auf einen Tag zu kürzen, wäre ebenfalls eine Option. Eine, die nicht einmal kategorisch abgelehnt wird, glaubt man Aussagen aus dem Kreis der aktiven Aescher ­Fasnächtler. Meist stehen am Montag und am Dienstag nur Waggiswagen dort. Da sei schon öfters die Frage aufgetaucht, weshalb dafür die Strasse ­gesperrt werde. Auch die ­klassische Beizenfasnacht ­funktioniert nicht mehr. Befeuert hat das auch das Beizen­sterben im Dorf.

Egal, welche Lösung sich schlussendlich durchsetzen kann, die Umsetzung hängt noch von vielen äusseren Faktoren ab. Beispielsweise muss der Verkehr, wie auch das Tram, für einen Umzug gesperrt und umgeleitet werden. Davon betroffen sind neben der Anwohnerschaft auch die Grossverteiler. Während des Aescher Umzuges sind die Zufahrten zu den Parkhäusern von Migros und Coop ebenfalls gesperrt. Die anderen Läden im Dorf können während des Treibens problemlos ­geöffnet bleiben.

Das Comité bittet zu einer grossen Sitzung

Das Comité hat auf den 27. Juli zu einer Sitzung geladen, an der alle Vorschläge zusammen­getragen werden sollen. «Wir wollen Ideen sammeln», sagt Geiser. Anschliessend sollen ­zusammen mit den Aktiven die Ideen entwickelt werden. Jeder darf sagen, was er denkt, fordert Geiser und zeigt sich offen für alle möglichen Vorschläge. Dann solle ein Konzept entworfen werden. Geiser betont, wie wichtig es sei, dass die Fasnachtsfamilie miteinander und füreinander die Ideen entwickle. «Es soll für die Aktiven sein.» Anschliessend müsse auch über den Zeitpunkt diskutiert werden, wann die allenfalls ­beschlossenen Änderungen umgesetzt würden. Auf nächstes Jahr dürfte beispielsweise die Idee, die Fasnacht zu verschieben, eher nicht realisiert werden können.

«Was machen wir, um die Fasnacht zu verbessern?»

«Irgendwie müssen wir die ­Fasnacht retten», meint ein ­Aktiver. Es bleibt aber die zentrale Frage: «Was machen wir, um die Fasnacht zu verbessern?» Dass die fünfte Jahreszeit im Wandel ist und Änderungen durchaus von den Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern akzeptiert werden, zeigen auch Beispiele aus anderen Orten im ­Baselbiet. So hat dieses Jahr Oberdorf mit Waldenburg zusammengespannt, und auch in Laufen hat das neue Fasnachts­comité leichte Änderungen umgesetzt. Ein gutes Omen für Aesch.

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