Die Grünen haben auf Gemeindeebene einen schweren Stand

Die Grünen sind in der Lokalpolitik in Aesch seit Jahren nahezu inexistent. Das soll sich ändern, kündigt Sektionspräsident Marco Agostini an.

Der Vorstand der Grünen Aesch-Pfeffingen: Kassier Michael Vollgraff (h. l.), Vizepräsident Klaus Kirchmayr (h. r.), Beisitzerin Julia Kirchmayr-Gosteli und Präsident Marco Agostini. Foto: zVg

Die Aescher Lokalpolitik findet seit vielen Jahren ohne die Grünen statt. Auch die Grünliberalen sind quasi inexistent. Bei den Grünen, die zweifellos historisch und bezüglich der Wähleranteile eine andere Stellung im Birseck haben als die Grünliberalen, ist dies aussergewöhnlich. Auch die vergangenen Gesamterneuerungswahlen am 3. März fanden in Aesch zum wiederholten Male ohne die Grünen statt. Keine Kandidatur für den Gemeinderat, nicht einmal eine für die Gemeindekommission. In Pfeffingen sitzt Sektionspräsident Marco Agostini immerhin in der Umweltschutz- und Energiekommission.

Die Aescher Politik ist seit Jahren fest in den Händen von SP, Mitte, FDP und SVP. Ein Blick auf die Website der Grünen Sektion Aesch-Pfeffingen macht die Problematik augenscheinlich. Aktualität gibt es dort nur wenig. Im Porträt ist noch von der Sektion Reinach-Aesch-Pfeffingen die Rede, obwohl sich die Grünen im vergangenen Oktober in eine Sektion Reinach und eine Sektion Aesch-Pfeffingen aufgespalten haben. Die Trennung verlief nicht ohne Misstöne.

Die Reinacher Sektion verlor am 3. März einen Sitz im Einwohnerrat und hat ab Juli nicht mehr Fraktionsstärke.

Ein zweiter Blick auf der Website der Sektion Aesch-Pfeffingen zeigt beim Vorstand die seit Jahren gleichen Namen. Präsident und Landrat Marco Agostini, der ehemalige Landrat Klaus Kirchmayr als Vizepräsident und der ehemalige Landrat Michael Vollgraff als Kassier. Das neuste Gesicht im Vorstand ist Beisitzerin Julia Kirchmayr-Gosteli, ehemalige Landrätin für die Sektion Allschwil.

Kompletter Neuaufbau

Agostini versucht erst gar nicht, die Lage schönzureden. «Wir haben in den letzten Jahren zu wenig Basis- und Sektionsarbeit gemacht. Ganz einfach: Wir haben uns zu wenig darum gekümmert.» Mit ein Grund dafür seien seine Ämter und die damit verbundene zeitliche Belastung. Agostini ist auch Mitglied der Geschäftsleitung der Kantonalpartei. Dass niemand von unten nachrückte, verstärkte das Problem. Agostini will einen Neustart. «Ich bin zurzeit daran, die Sektion komplett neu aufzubauen.» Ziel sei es, neue, junge Gesichter für die Grünen Aesch-Pfeffingen zu gewinnen. Agostini schielt bereits auf die Landratswahlen 2027, an denen die Sektion mit einer schlagkräftigen jungen Liste antreten soll. Julia Kirchmayr-Gosteli kandidiert zuvor noch für den Schulrat. Auch für die Aescher Gemeindekommission soll es bei den Wahlen 2028 Kandidaturen der Grünen geben. Ergibt sich die Situation, sei sogar eine Kandidatur für den Gemeinderat möglich, meint Marco Agostini.

Doch das ist noch weit weg. Gelingt die Erneuerung der Sektion nicht, bleiben diese Ziele Wunschdenken. Michael Durrer, Präsident der Grünen Baselland, ist optimistisch, dass es nicht so weit kommen wird. Im Vorstand der Grünen Aesch-Pfeffingen sei viel Erfahrung vorhanden. Seit der Neugründung der Sektion nach der Aufsplittung im Oktober hätten die Grünen Aesch-Pfeffingen bereits «viele» neue Mitglieder gewinnen können, verrät Durrer. Der Kantonalpräsident beschreibt die Situation weniger deutlich als Marco Agostini. «Es ist nicht ungewöhnlich, dass gewisse Ortssektionen aktiver oder auch personell breiter aufgestellt sind als andere. Das gilt für alle Parteien und dafür gibt es unterschiedliche Gründe.»

Auch der Umstand, dass die Grünen in Aesch schon länger nicht an den Gemeindewahlen teilnehmen, will Michael Durrer nicht dramatisieren. Es komme auch in anderen Gemeinden vor, dass gestandene Parteien auf lokaler Ebene nicht präsent sind. «Solche historisch gewachsenen Eigenheiten gibt es auch andernorts und diese aufzubrechen, ist in der Regel nicht ganz einfach.» Der Aufbau oder die Umstrukturierung einer Sektion brauche im Normalfall seine Zeit.

Damit dies gelingt, brauche es dafür eine kleine Gruppe von Menschen, welche die örtlichen politischen Gegebenheiten kenne, gut in der Gemeinde vernetzt sei und genügend Motivation und Durchhaltevermögen mitbringe. Das treffe für die Grünen Aesch-Pfef­fingen zu.

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