Kostenfrage löst Grundsatzdiskussion aus
Für den Gemeinderat geht bei der Jugendarbeit die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht auf. Er hat den Vertrag mit dem Leistungserbringer vorsorglich gekündigt.
Aufgrund der sechsmonatigen Kündigungsfrist sei man gezwungen gewesen, im Juni zu handeln, resümierte Gemeindepräsident Dieter Künzli an der Gemeinderatssitzung vom Montag. «Der definitive Entscheid, wie es mit der Jugendarbeit weitergeht, ist noch offen». Die zuständige Ressortverantwortliche, Irene Marchesi, war krankheitsbedingt für einige Zeit ausgefallen und äusserte sich nun am Montag zum Vorgehen. Ihrer Meinung nach sei es zu einer überstürzten Handlung gekommen. Ausserdem würde der Rat jene (jungen) Menschen vor den Kopf stossen, die sich mit Herzblut für den Aufbau des Jugendhauses in Breitenbach eingesetzt hätten. «Dass dies mit Aufwand verbunden ist, war dem Rat vor zwei Jahren klar, als er grünes Licht gegeben hatte», rief Marchesi in Erinnerung. Ausserdem wünscht sie sich, dass man den Aspekt der Kosten in ein übergeordnetes Verhältnis setze. Die niederschwellige Jugendarbeit sei nicht direkt messbar oder in Zahlen zu fassen. Für die betroffenen Jugendlichen sei diese Anlaufstelle von grossem Wert. Die Mitarbeitenden der Jugendarbeit würden ein Vertrauensverhältnis aufbauen, das bei den Jugendlichen zu positiven Veränderungen führe. Prävention zahle sich aus. Junge Menschen, die ihren Platz nicht finden, kämen eine Gemeinde viel teurer zu stehen, gab Marchesi zu verstehen.
Künzli stellte klar: «Es ist unsere Pflicht, mit den Steuergeldern sparsam umzugehen und für Leistungen, die man extern vergibt, regelmässig ein Controlling durchzuführen.» Dies gehöre zu den Aufgaben einer Gemeindebehörde, die das gesamte Wohl der Gemeinde im Blick haben müsse und sich nicht von Emotionen leiten lassen dürfe.
Vandalenakte haben zugenommen
Seit einiger Zeit hätten sich die Vandalenakte in unmittelbarer Nähe des Jugendhauses, vor allem auf dem Schulareal, gehäuft und es wurde in Einzelfällen nachgewiesen, dass sich die Täterschaft im Jugendhaus aufgehalten hatte, warf Willi Spaar in die Runde. Die Instandstellungen verursachen der Gemeinde immense Kosten. «Mir fehlt der Nachweis, dass die Jugendarbeit, so wie sie jetzt aufgestellt ist, zielführend ist, und ich nehme in der Bevölkerung eine Unzufriedenheit wahr», sagte Spaar und ergänzte: «Die Jugendarbeit ist professionalisiert, das heisst, die Mitarbeitenden machen einen Job und erhalten dafür Lohn. Demgegenüber steht die Jugendarbeit, welche die Vereine für die Gesellschaft erbringen; das sind Freiwillige, die sich den Jugendlichen und ihren Sorgen annehmen, ohne dafür finanziell entschädigt zu werden. Und in den Vereinen werden weitaus mehr Jugendliche betreut und gefördert als im Jugendhaus». Simon Waldmann verstärkte diese Ansicht: «Vergleicht man die Kosten der professionellen Jugendarbeit mit den Öffnungszeiten, kommt man auf einen Stundenlohn von einigen Hundert Franken». Stelle man dies ins Verhältnis zur Jugendarbeit von Vereinen, dann sei das Ungleichgewicht nicht von der Hand zu weisen. Statthalter Christian Thalmann sprach sich ebenfalls dafür aus, eine Gesamtbeurteilung vorzunehmen. Man werde eine neue Lösung finden, Voraussetzung dafür war die Kündigung der bestehenden Verträge. Welchen Weg der Gemeinderat bei der Jugendarbeit einschlagen will, soll sich in den nächsten Wochen abzeichnen. In einem ersten Schritt beschloss die Exekutive, sich noch einmal den Standpunkt des jetzigen Leistungserbringers anzuhören.
Steigende Kosten
Auslöser war, dass die Gemeinde Breitenbach an das Jugendhaus in Laufen sowie an das vor zwei Jahren eröffnete Jugendhaus in Breitenbach einen Beitrag leistet. Hinzu kommen weitere Kosten für die offene Jugendarbeit, so dass sich die Budget-Posten auf über 90000 Franken summieren. Parallel dazu sieht sich der Gemeinderat mit steigenden Kosten bei den übrigen Angeboten für junge Menschen wie der Schulsozialarbeit und bei diversen Beratungsangeboten für Familien konfrontiert.