Kindeswohl ist auch Sache der Schule

Das Thema «Kindeswohl und Kindesschutz» betrifft nicht nur Eltern, sondern in hohem Masse auch Lehrpersonen. Ein Referat und anschliessende Fallbesprechungen in Gruppen sorgten für Lehrerinnen und Lehrer aller Stufen für wichtige Impulse.

Unterstützende Fachperson: Patrick Fassbind (mit Krawatte) steht nach seinem Referat den diskutierenden Gruppen beratend zur Verfügung. Foto: Martin Staub

Der Erste Mai — für die einen ein willkommener Feiertag für individuelle Bedürfnisse — für das Lehrteam des Thiersteins ein wichtiger Fortbildungshalbtag, «an dem sich alle Regelschullehrpersonen des Bezirks beteiligen sollten», wie Manuela Moser, Leiterin Schulen Breitenbach, erklärte. Mit der praktisch voll­zähligen Beteiligung aller Lüsseltaler Lehrkräfte profitierten an diesem Mittwoch über hundert Pädagoginnen und Pädagogen von einem wichtigen Weiterbildungsmorgen im Saal Grien in Breitenbach. Organisiert wurde dieser Anlass vom Heilpädagogischen Schulzentrum (HPSZ), unter der Leitung von Standortleiter Andreas Häfliger.

Als Referent und anschliessend als ­Berater hatte die HPSZ Patrick Fass-­bind eingeladen. Der Vorsitzende der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Baselstadt (Kesb) machte in seinem ­einstündigen Referat eine allgemeine Auslegeordnung von Kesb-relevanten Problemschülern und -schülerinnen. Von solchen, für die sich eine genauere Abklärung empfiehlt, und solchen, die sich in guter Zusammenarbeit mit einsichtigen Eltern in der Regel von selbst lösen. Dass die Kesb teils mit einem zwiespältigen Image behaftet sei, weiss Fassbind. Er hatte aber genügend Argumente, um die wichtige Arbeit der Kesb — in allen Kantonen übrigens, wie er betonte — anhand von Statistiken, Fallbeispielen und positiv ausgegangenen Fällen zu unterstreichen. «Vielen Lehrpersonen ist die Verantwortung betreffend Kindeswohl gar nicht bewusst», sagte Patrick Fassbind und nannte einige Signale im Verhalten eines Kindes oder auch dessen Eltern, die auf eine nötige Gefährdungsmeldung hinweisen. «Bei Unsicherheit hilft die Kesb auch mit einem beratenden Gespräch», so Fassbind. Der 49-Jährige hielt mit positiven, aber auch negativen Entwicklungen in der Kindererziehung nicht zurück. Beispielsweise mache ihm der unentwegte Gebrauch von Handys und die damit verbundene frühe Nutzung aller Arten von Plattformen Sorgen. «Da werdet ihr niemals so lustig sein wie die Akteure auf Tiktok, Snapchat und anderen Plattformen», platzierte Patrick Fassbind ein Beispiel und unterstrich dieses noch mit der sarkastischen Bemerkung vom beobachteten Handyhalter im Kinderwagen. Der Vortrag, begleitet von Statistiken, Grafiken und Informationen, zeigte die Problematik deutlich und hinterliess bei den Lehrpersonen wohl einen nachhaltigen Eindruck.

Vor der Pause erklärte Colette Duss, Bereichsleiterin Integration am HPSZ, das originell aufgemachte Prozedere zur Bildung der zwölf stufenbezogenen Gruppen (mit farbigen Sugus). Nach verdientem Kaffee und entspanntem Small Talk diskutierten die Lehrerinnen und Lehrer ihre als Workshopvorbereitung mitgebrachten konkreten Fallbeispiele, um mithilfe der Kolleginnen und Kollegen sowie der anwesenden Fachpersonen einer Lösung näherzukommen.

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