Innig beflügelnde Orgelklänge

Babette Mondry, Organistin an der Stadtkirche Thun, interpretierte am letzten Sonntag an der Brosy-Orgel in der Kirche Erschwil Werke von Johann Sebastian Bach. Eine atmosphärisch-musikalische Offenbarung.

Virtuos, einfühlsam und musikalisch auf der Höhe: die Organistin Babette Mondry. Foto: Thomas Brunnschweiler

Mit Fug und Recht kann man sagen, dass Johann Sebastian Bach das «Zentral­gestirn der Musikgeschichte» ist. Seine Bedeutung für die Klavier- und Orgelmusik lässt sich nicht überschätzen. In seinem Nekrolog hiess es, dass er «der stärkste Orgel- und Klavierspieler gewesen sei, den man jemals gehabt hat.» Babette Mondry wählte Stücke aus dem dritten Teil der Klavierübungen, die 1739 veröffentlicht wurden. Bei dieser umfangreichen, auch «Orgelmesse» genannten Sammlung, spielt die Zahl 3 eine ­entscheidende Rolle. Das fünfstimmige Präludium in Es-Dur BWV 552.1 bildet die festliche Ouvertüre zu den nachfolgenden Kirchenliedbearbeitungen. Das rauschende und himmelstürmende Stück hat nicht nur drei Vorzeichen, sondern auch drei Themen, die man als Symbole der Dreifaltigkeit deuten kann. Das erste Thema ist majestätisch-punktiert, das dritte schnell und fugenhaft. Insgesamt interpretierte Mondry dieses grossartige Stück auf der kleinen, aber feinen Brosy-Orgel tadellos und mit passender Registrierung. Die drei nachfolgenden Stücke galten den Personen der Trinität. Im intimen «Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit» erklang die Begleitung sehr fein, wogegen der Cantus firmus im Sopran — die Liedmelodie — mit dem Kornett im Haupt­register kraftvoll herausgearbeitet war. Im «Christe, aller Welt Trost» wanderte der Cantus firmus nach unten in den Tenor, gespielt im Krummhorn-Register, zart im Flötenregister die Begleitung. Erst im «Kyrie, Gott Heiliger Geist» ist der Orgelklang volltönend und der Cantus firmus geerdet im Bass. Es ist, als wollte Bach die machtvolle Ausgiessung des Heiligen Geistes imitieren.

Musik als Psychogramm

Das fliessende Triostück «Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr» mit seinen Sechszehnteln liess sich als Kontrast zum vorhergehenden Werk hören. Im 12/8-Takt kam die Fughetta «Dies sind die heiligen zehn Gebot» im Flötenregister leicht und ­freilassend aus dem Orgelwerk. Es scheint, als ob Bach die Zehn Gebote im Sinne von Matthäus 11, 30 erlebt habe: «Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.» Für das Stück wurde darum auch kein Pedal eingesetzt. Ebenfalls nur für zwei Manuale ist das Stück «Vater unser im Himmelreich» gesetzt, dessen Melodie im Sopran erklingt und von Sechszehntelläufen umspielt wird. Fast schon Programmmusik ist «Christ, unser Herr, zum Jordan kam» für zwei Manuale und Pedal im 3/4-Takt.

Abschluss und Höhepunkt des Konzerts bildete die Fuge Es-Dur BWV 552.1, ebenfalls fünfstimmig und als Trippelfuge konzipiert. Die Tonfolge (E)s-d-g bedeutet «Soli Deo Gloria» («Allein Gott sei Ehre»), ein Grundprinzip Bachs. Das volltönige Stück entwickelt mit dem Einsetzen des dritten Teils mit Quintfällen klarere rhythmische Umrisse und wirkt daher fast tänzerisch.

Nach einer kurzen andächtigen Stille gab es langen Applaus für die mustergültige Durchführung dieses farbigen und denkwürdigen Bach-Programms.

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