Thierstein
17.02.2021

Der Schritt in die Zukunft

Gerettet: Dank Spenden kann der ReMarkt weiterexistieren. Foto: Bea Asper

Gerettet: Dank Spenden kann der ReMarkt weiterexistieren. Foto: Bea Asper

Die Menschen der Region haben den ReMarkt gerettet. Die soziale Institution möchte das Konzept nun zusammen mit engagierten Kräften weiterentwickeln. Gesucht sind krea­tive Köpfe und fleissige Hände.

Von: Bea Asper

«Wir sind tief berührt», sagen Hans und Marjon Neijt. «Die Menschen unserer Region haben unseren ReMarkt gerettet. Es sind mittlerweile genügend Spenden eingetroffen, um die anfallenden Kosten für die nächsten zwei Jahre zu decken.» Hans und Marjon Neijt wollten letzten September schweren Herzens den ReMarkt schliessen. Zusammen mit Tochter Kim und den Mitarbeitenden waren sie bereits im Begriff, ihren Laden im Industriequartier von Büsserach auszuräumen. «Wären auch noch die Gegenstände wie die Fernseher und Plattenspieler aus unserem Museum in der Entsorgungsmulde gelandet, dann hätte mir das Herz geblutet. Unendlich leid tat mir der damalige Entscheid vor allem für unsere langjährigen Mitarbeitenden», erklärt Hans Neijt. Auch die vielen wertvollen Begegnungen mit der treuen Kundschaft wollte man eigentlich gar nicht aufgeben. Doch die Familie konnte die soziale Institution nicht mehr alleine stemmen. Seit der Gründung vor zwölf Jahren sei die Unterstützung seitens der sozialen Fachstellen und Ämter leider immer kleiner geworden, während die Anforderungen laufend gestiegen seien, gibt Marjon Neijt zu bedenken. Es fehlte ein breit abgestützter Trägerverein sowie die Möglichkeit, eine Zukunftsstrategie zu entwickeln. Und es fehlten die fleissigen Hände, welche die im Laden zur Reparatur gebrachten Dinge dann auch reparierten.

Nachdem das Wochenblatt auf das drohende Aus des ReMarktes aufmerksam gemacht hatte, ergriffen Laufentaler und Schwarzbuben die Initiative für eine Rettungsaktion und riefen eine Arbeitsgruppe ins Leben, erklärt Mitinitiant Roger Chalon. Zusammen mit Thomas Boillat, Präsident des frisch gegründeten Vereins «Freunde RefLaufental» begann man, den ReMarkt auf ein neues Fundament zu stellen — und ist nun tief beeindruckt von der grossen Unterstützung seitens der Bevölkerung. «In wenigen Wochen hatten wir den budgetierten Betrag beisammen», erklärt Chalon und richtet seinen Dank an die über 170 Gönnerinnen und Gönner. Er ergänzt: «Wobei wir natürlich für jede weitere Spende ebenfalls sehr dankbar sind.»

Was es nun vor allem brauche, sei die Erarbeitung eines Zukunftsplans. Dabei sei die Arbeitsgruppe offen für neue Impulse — auch für eine mögliche Zusammenarbeit mit bestehenden sozialen Institutionen. «Wir hätten auch gar nichts dagegen einzuwenden, wenn man uns die Verantwortung streitig machen würde», meint Hans Neijt in seiner liebevollen, humorvollen Art. «Wir würden uns dann etwas Auszeit gönnen in den Bergen.» Voraussetzung für die Neuausrichtung sei aber, dass am Grundsatz des Non-Profits und dem Gedankengut der Nachhaltigkeit festgehalten werde. Bisher war der ReMarkt ein leuchtendes Beispiel für Herzlichkeit. Hans und Marjon Neijt gelang es, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen, die von Ausgrenzungen aller Art betroffen sind, neue Hoffnung schöpfen und den Glauben an die Menschlichkeit nicht verlieren.

Um im Bereich von Tagesstrukturen die Anforderungen des Kantons Solothurn zu erfüllen, ist der ReMarkt auf der Suche nach ehrenamtlicher Unterstützung durch einen Arbeitsagogen oder Pädagogen. Weil die Nachfrage nach dem Angebot des ReMarkts gestiegen ist, versucht der ReMarkt weiterhin Mitwirkende für die Fleissarbeit zu finden. «Die Region lebt den Gedanken der Nachhaltigkeit: Der Wunsch, Alltagsgegenstände reparieren zu lassen, anstatt sie wegzuwerfen, ist spürbar vorhanden», führt Chalon aus. Während des Lockdowns ist der ReMarkt nicht geschlossen, sondern offeriert den Kunden nach telefonischer Vereinbarung die Möglichkeit, ihre Gegenstände draussen in einer Box abzugeben und dort auch wieder abzuholen. «Deswegen braucht der ReMarkt Personen, die im Laden mit anpacken. Kenntnisse in der Elektronik oder Mechanik wären von Vorteil, sind aber nicht Bedingung», sagt Hans Neijt. Wegen der Corona-Schutzmassnahmen brauche es derzeit natürlich Flexibilität. Die Reparaturarbeiten könnten auch im Homeoffice ausgeführt werden. Der Region fehlt es weder an Kreativität noch an Engagement, man darf gespannt sein auf das nächste Kapitel in der Geschichte des ReMarktes. Das Wochenblatt bleibt dran.

Die «Arbeitsgruppe zum Erhalt von ReMarkt» unter der Leitung von Roger Chalon ist weiterhin dankbar für jede Spende und/oder persönliches Engagement. Das Konto ist bei der Raiffeisenbank unter der Nummer: CH1180808001301090588