70 Kilogramm Haschisch getarnt in Pferdefutter-Säcken

Der Kantonsrat Solothurn wählte letzte Woche Philipp Rauber mit 59 Stimmen und Stefan Hagmann mit 49 Stimmen für den Rest der Amtsperiode 21 bis 25 zu Oberrichtern.

In Breitenbach aufgewachsen: Philipp Rauber wird ab 1. Mai als Oberrichter in der Strafkammer Solothurn wirken. Foto: zvg / Sascha Jeger

Philipp Rauber ist in Breitenbach aufgewachsen und lebt heute in Solothurn. Er war 2007 zum Staatsanwalt ernannt worden und wird nun ans Obergericht berufen. Er setzte sich letzte Woche bei den Wahlen bereits im ersten Wahlgang durch und erhielt von den Kantonsräten 59 Stimmen. Rauber ist noch immer eng mit dem Schwarzbubenland verbunden und hin und wieder in der Region anzutreffen. Beruflich sah er im Schwarzbubenland schon spektakuläre Fälle — doch wenige. «Hier herrscht noch heile Welt», erzählt er im Interview mit dem «Wochenblatt».

«Wochenblatt»: Herr Rauber, wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Solothurn und dem Schwarzbubenland?

Philipp Rauber: Meiner Meinung nach stehen die Schwarzbuben in einer sehr guten Beziehung zum restlichen Kanton und werden von den Leuten auf der anderen Seite des Passwangs auch geschätzt. Das sieht man auch daran, dass Abspaltungsdiskussionen kein Thema sind. Das Besondere am Kanton Solothurn ist, dass er mit Olten, dem Bucheggberg, Grenchen, dem Schwarzbubenland aus mehreren verschiedenen Regionen besteht.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Unterschiede?

Ich glaube, die regionalen Unterschiede in den Mentalitäten werden generell immer kleiner. Ein Grossteil der Menschen in der Nordwestschweiz und im Mittelland bewegt sich im Dreieck Basel-Zürich-Bern. Man wohnt nicht mehr am gleichen Ort, wo man arbeitet oder eine Ausbildung absolviert. Man ist mobiler und die moderne Kommunikation führt dazu, dass man weniger ortsgebunden ist. «Wegen des Jä statt Jo» wird der Schwarzbubendialekt ennet dem Berg regelmässig mit dem Baseldütsch verwechselt. Im Schwarzbubenland spürt man, dass sich die Leute von den «Herrschaften in Solothurn» nur ungern etwas vorschreiben lassen.

Was faszinierte Sie in Ihrer bisherigen Tätigkeit als Staatsanwalt?

Als Staatsanwalt bearbeitet man zusammen mit der Polizei einen Fall von A bis Z. Man rückt zum Beispiel mitten in der Nacht an einen schweren Unfall aus oder ist dabei, wenn die schwer bewaffnete Spezialeinheit der Polizei im Morgengrauen eine Bande Drogenhändler verhaftet. Danach ist man für den Fall bis vor Gericht verantwortlich, wo man ein Plädoyer hält und eine entsprechende Strafe fordert. Der Beruf ist extrem spannend und vielseitig. Ich habe das 16 Jahre lang gemacht. Seit einiger Zeit reizte mich der Perspektivenwechsel vom Ankläger zum Richter.

Sie nutzten die Gelegenheit und hatten offenbar auch bessere Wahlchancen?

Ich kenne meine künftige Aufgabe am Obergericht bereits sehr gut. Ich habe vor meiner Tätigkeit als Staatsanwalt drei Jahre lang am Solothurner Obergericht gearbeitet — damals noch als Gerichtsschreiber in der Strafkammer, in welcher Hans-Peter Marti aus Breitenbach die letzten 20 Jahre als Oberrichter amtete. Marti wurde letzten Herbst pensioniert.

Zählte eine richterliche Tätigkeit schon in Ihrer Jugend zu Ihren Berufswünschen?

Als Student habe ich nebenbei bei der Securitas gejobbt und später eine Dissertation über die Arbeit von privaten Sicherheitsfirmen geschrieben — «Recht und Ordnung» war also schon damals ein Thema. Mein Interesse für die Justiz entwickelte sich nach dem Jus-Studium, als ich im Jahr 2002 das obligate Rechtspraktikum auf dem Richteramt in Dornach absolvierte. Damals war Hans-Peter Marti noch Amtsgerichtspräsident in Dornach und damit sozusagen mein Lehrmeister. Noch während meines Praktikums ­verstarb überraschend der damalige Dornacher Oberrichter Alfred Linz. Als Nachfolger wurde Hans-Peter Marti ans Obergericht in Solothurn gewählt. Als ich nach den Praktika und Prüfungen das Anwaltspatent in der Tasche hatte, war für mich klar, dass ich in Zukunft in der Justiz tätig sein möchte.

Hatten Sie in Ihrer Tätigkeit als Staatsanwalt oft mit dem Schwarzbubenland zu tun?

Ich arbeite in der Abteilung für Organisierte Kriminalität. Da geht es vor allem um Fälle wie bandenmässigen Drogenhandel, Menschenhandel, Schutzgelderpressungen und weitere Delikte, die von professionell organisierten Tätergruppierungen begangen werden. In all den Jahren hatte ich als Staatsanwalt nur einen einzigen Auftritt vor dem Amtsgericht in Dornach, weil sich der Fall im Leimental abspielte: Ein Drogenkurier, den wir bereits im Vorfeld überwacht hatten, versuchte, beim Grenzübergang Flüh 70 Kilogramm Haschisch mit einem Marktwert von rund einer Million Franken als Pferdefutter getarnt in einem Pferdeanhänger aus Frankreich in die Schweiz zu schmuggeln. Gleich hinter der Grenze in Flüh klickten dann allerdings die Handschellen. Was die Organisierte Kriminalität angeht, herrscht im Schwarzbubenland noch «heile Welt» im Vergleich zu den Regionen entlang der Autobahnen und Zugstrecken wie beispielsweise Olten, Solothurn oder Grenchen. Es gab im Schwarzbubenland in der Vergangenheit einzelne spektakuläre Fälle wie den Mord am früheren Gemeindepräsidenten von Metzerlen-Mariastein. Beim weitaus grössten Teil der Fälle geht es um Strassenverkehrsdelikte, Einbrüche, Diebstähle und Delikte von Einzelpersonen. Für diese Straftaten im Schwarzbubenland ist bei der Staatsanwaltschaft die Abteilung für allgemeine Delikte in Olten zuständig.

Wann werden Sie bei der Staatsanwaltschaft Ihr Büro verlassen und neu als Oberrichter wirken?

Ich werde am 30. April mein jetziges Büro im Franziskanerhof in Solothurn räumen und am 1. Mai am Obergericht im Amthaus 1 starten. Ich werde als Oberrichter in der Strafkammer wirken und jeweils im Dreiergremium das ganze Spektrum an Straffällen beurteilen, welche an die zweite Instanz weitergezogen werden — ausser diejenigen Fälle, bei denen ich als Staatsanwalt die Untersuchung führte. Da bin ich natürlich im Ausstand.

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