Zauberhafte Klangfarben

Das spielfreudige Orchester Laufental-Thierstein bot am letzten Sonntagnachmittag in der St. Katharinenkirche ein einnehmendes Programm zwischen russischer Romantik und amerikanischer Moderne.

Empfang des verdienten Applauses: Joachim Pfläging und das Orchester Laufental-Thierstein. Foto: Thomas Brunnschweiler
Empfang des verdienten Applauses: Joachim Pfläging und das Orchester Laufental-Thierstein. Foto: Thomas Brunnschweiler

Das Thema des vom Dirigenten Joachim Pfläging eingeübten dreiteiligen Programms lautete «Klangfarben». Das erste Stück, Gustav Holsts «Brook Green Suite» für Streicher, zeichnet sich durch klare Strukturen aus und ist Programmmusik im besten Sinne. Das «Prelude» wirkt heiter und pastoral, als würde es vom englischen Landleben erzählen. Auch das «Air» ist mit transparenten Streichersätzen komponiert, klingt aber getragener als das Vorspiel. Der «Dance» als Finale, der auf einer sizilianischen Weise basiert, pulsiert mit tänzerischer Leichtigkeit. Das zugängliche Stück, das Holst kurz vor seinem Tod schrieb, soll auch nicht so versierte Streicher zum Mitspielen einladen. Die Streicherinnen und Streicher des Orchesters meisterten dieses ansprechende Werk zwischen barocker Eleganz und tänzerischem Flair mit homogenem Klang. Ein besonderes Lob gilt der Konzertmeisterin Mirjam Hanauer. Als zweites Stück erklang «Lux Aurumque» («Licht und Gold») für Blasorchester von Eric Whitacre, ein meditatives, unanschauliches Werk. Das 2000 komponierte Original ist ein lateinisches Gedicht für gemischten A-cappella-Chor, das einen betörenden Klang entwickelt. Obwohl die erst 2005 bearbeitete Fassung für Blasorchester in der Wirkung nicht an die A-cappella-Fassung heranreicht, wurde sie vom Orchester Laufental-Thierstein sehr schön und stimmig interpretiert. Das Werk besteht aus sanften, gleitenden Klängen, vielen reinen Akkorden, aber auch einigen weich geführten Dissonanzen, die für manche Zuhörende vielleicht ungewohnt wirkten.

Tschaikowski als Höhepunkt

Die Sinfonie Nr. 5 in e-Moll von Pjotr Iljitsch Tschaikowski wird auch «Schicksals-Sinfonie» genannt. Der Komponist schrieb sie 1888 und hielt sie lange Zeit als «misslungen». Der erste Satz, ein Andante – Allegro con anima, beginnt als düsterer Marsch mit der sogenannten Schicksalsmelodie in der Klarinette. Nach der duldenden Ergebung in die Vorsehung folgt im Allegro das zweifelnde Aufbegehren. Der zweite Satz, ein Andante cantabile, beginnt mit einer tiefen Einleitung der Streicher. Dann setzt das Horn mit einem gesanghaften Solo ein. Der dritte Satz ist im Stil eines ruhigen Walzers geschrieben, ein Allegro moderato. Auch hier tritt das Schicksalsmotiv – wie auch im zweiten Satz – noch einmal auf. Der vierte Satz, ein Andante maestoso und Allegro vivace, beginnt wie der erste Satz mit dem Schicksalsmotiv. Einerseits majestätisch, andererseits schnell galoppiert der letzte Satz dem Finale entgegen. Dass und wie das Orchester dieses viel gespielte Paradewerk der russischen Romantik meisterte, ist eine beachtliche Leistung, die vor allem dem präzisen Dirigat von Joachim Pfläging zu verdanken ist, aber natürlich auch dem Engagement der Musikerinnen und Musiker, die danach ihren Erfolg bei Speis und Trank auch noch gebührend feiern konnten.

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