Wo Oberflächen gefährlich tief sein können

Eine aufregende Pop- Sängerin und ein wort-gewaltiger Chansonnier bewiesen wieder einmal, wie gross Mundart sein kann.

Tiefe und Oberfläche: Brigitte Marolf auf grosser Reise. Foto: Gini Minonzio
Tiefe und Oberfläche: Brigitte Marolf auf grosser Reise. Foto: Gini Minonzio

Wieso haben wir bisher noch nichts von dieser Sängerin gehört?», fragte sich mancher. Und zwar erst nach dem Auftritt von Brigitte Marolf. Während sie nämlich sang, blieb keine Zeit zum Denken. Da war man mit Fühlen und Geniessen ausgefüllt.

Marolf trat am Samstag in Laufen vor dem Chansonnier Mischa Wyss als Gast bei Rolland auf. Neben ihrem Charme blitzte manchmal ein diabolisches Lächeln auf, was ihren Liedern eine changierende Tiefe verlieh, die das Publikum hoffnungslos fesselte.

«Ich liebe Oberflächen; den Bieler See an einem windstillen Tag», erzählte sie und irgendwie hatte man das Gefühl, das diene dem Selbstschutz. In der dunklen Tiefe kann man sich verlieren, wenn man zu tief taucht und vergisst, dass man an der Oberfläche Halt finden kann.

Sie schaffte es an diesem Abend mit ihrem Mundart-Pop immer wieder, Oberfläche und Abgründe gleichzeitig zu beschreiben. Woher kommt diese künstlerische Kraft? Wir wundern uns weniger, wenn wir erfahren, dass Marolf in ihrem Brotberuf als Krankenschwester arbeitet; und zwar in der ambulanten psychiatrischen Pflege. Marolf macht schon seit ihrer Jugend Musik. Nach einer Funk-Phase ist sie beim Pop angelangt. Nachdem sie lange ihre Lieder auf Hochdeutsch geschrieben hatte, textet sie nun auf Mundart. «Das bin mehr ich. Es ist wieder meine Sprache. Ich habe mein neues Programm gelassen angehen können», sagt Marolf.

Vor Marolfs vollen Liedern hatte Gastgeber und Liedermacher Rolland von furzenden und rülpsenden Kühen gesungen. Und nach ihr besang der Chansonnier Mischa Wyss zwei verzweifelte Schiffer, für die der sichere Hafen zu weit weg war und die deshalb für ihre Notdurft den Nachttopf erfanden. Welch ein Rahmen!

Über Mischa Wyss wird oft geschrieben, er wandle in den Fussstapfen Mani Matters. Was eindeutig nicht stimmt. Diese hat er längst verlassen. Man hielt es bisher nicht für möglich, aber es ist tatsächlich so: Es gibt einen Mundart-Chansonnier, der noch genauer und witziger mit der Sprache umgehen kann als Mani Matter. Wyss jongliert mit Worten, Bildern, Reimen, bis man vergisst, den Kiefer wieder hochzuklappen.

Wyss ist ein Getriebener. Sein ganzer Körper steht unter Spannung. Der Verdacht kommt auf, dass er auch deshalb singt, weil er zwischen den Liedern jeweils reden und reden darf. «Ich weiss auch nicht, wieso ich so viel plappere, bevor ich mit dem Lied loslege», gibt er denn auch auf der Bühne unumwunden zu, bevor er mit seiner Gitarre seine nächsten Sätze begleitet. Wir nehmen es ihm nicht übel. Denn sein Wortwitz ist gewaltig.

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