Die 18-Millionen-Franken-Frage für Röschenz

Die seit Jahren geplante Erneuerung der Schul- und Sportinfrastruktur kommt nun vor die Gemeindeversammlung — und der Gemeinderat beantragt, die Kredite für die Turnhalle und für das Garderobengebäude abzulehnen. Offenbar sind die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Es geht um 18 Millionen Franken.

Seit sieben Jahren plant die Gemeinde Röschenz eine Sanierung des Schulraumes mit einer Erweiterung, um dem Wandel der Zeit gerecht zu werden. Dabei floss auch die Erwartungshaltung der Vereine in das Vorhaben. Auf dem Wunschzettel standen der Bau einer zweiten Turnhalle und die Realisierung zusätzlicher Garderoben auf der Sportanlage Fluh. Die 2000-Seelen-Gemeinde muss sich nun entscheiden, ob sie bereit ist, für den Ausbau der Infrastruktur 18 Millionen Franken auszugeben. Die damit verbundenen Mehrausgaben in den laufenden Rechnungen würden wohl eine massive Steuererhöhung nach sich ziehen. Der Kredit für die Sanierung und Erweiterung der Schulanlage Fluh inklusive neuer Heizungsanlage beläuft sich auf 10,975 Millionen Franken. Der Kredit für die zweite Turnhalle beträgt 5,9 Millionen Franken, und der Kredit für die zusätzlichen Garderoben liegt bei 1,25 Millionen Franken.

Vorbereitung für ein Referendum

Die Lage ist verzwickt. Es kommt zum Widerspruch, da der Gemeinderat in seiner Einladung zur Gemeindeversammlung vom 11. September «die Bewilligung der Planungs- und Ausführungskredite für die zweite Turnhalle und den Bau zusätzlicher Garderoben» beantragt, doch gleichzeitig die Empfehlung ausspricht, man soll die zwei Projekte ablehnen. «Die beiden Sportprojekte wären ein Gewinn für die Vereine und die Gemeinde. In dem Rahmen, wie sie jetzt gemeinsam mit den Vereinen geplant wurden, sind sie für unsere Gemeinde jedoch schlicht nicht finanzierbar», hält der Gemeinderat in seinen Erläuterungen fest. Am Kredit von 10,975 Millionen Franken für das Schulhaus hält er fest. Doch auch dieses Projekt hat seine Kritiker, die befürchten, es handle sich um eine Luxuslösung, für die letztlich der Steuerzahler die Zeche zahle. Ihrer Meinung nach sollte über Projekte von solch grosser Tragweite nicht die Gemeindeversammlung entscheiden, sondern das Stimmvolk. Es sickerte durch, dass die Vorbereitungen für ein Referendum bereits am Laufen seien. Dies wiederum veranlasste die Vereine, «die Notbremse zu ziehen». Bei einem Nein an der Urne stünde man vor einem Scherbenhaufen.

Der FC Röschenz rief seine Mitglieder dazu auf, an der Gemeindeversammlung beim Kredit für die Schulraumerweiterung eine Rückweisung zu unterstützen mit dem Auftrag an den Gemeinderat, er soll die Teilprojekte Turnhalle und Garderobe bei der Überarbeitung des Schulprojektes miteinbeziehen. «Kosten lassen sich reduzieren, wenn wir die Projekte einerseits etwas redimensionieren, andererseits aber auch integrieren, um Synergien zu nutzen. Die Anforderungen unseres Vereins wie auch des Turnvereins sollen angepasst werden», heisst es im Rundschreiben des FC Röschenz.

Gemeindepräsident Holger Wahl erklärt auf Anfrage des «Wochenblatts», dass der Gemeinderat bei der Ausarbeitung der Projekte nichts anderes gemacht habe, als jene Wunschliste umzusetzen, die man früher für gut befunden hatte. «Dabei kristallisierte sich heraus, dass die Vorhaben viel teurer sind als man aufgrund damaliger Kostenschätzungen angenommen hatte — auch wegen des Preisaufschlags in der Baubranche. Ein Abbruch der Projekte stand zur Debatte, wurde dann aber verworfen», erklärt Wahl. «Der Gemeinderat wollte sich nicht vorwerfen lassen, er hätte die Planung nicht wunschgemäss ausgeführt. Deswegen entschied er, die Vorlagen vor die Gemeindeversammlung zu bringen.»

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