Stiller Has brillierte mit bitterbösem ChristHas-Konzert

Vor dichten Fanreihen zündete Endo Anaconda passend zur Adventszeit eine geballte Ladung seiner sprühenden Wunderkerzen.

Stimmgewaltig: Sänger und Texter Endo Anaconda zusammen mit seinem «Musical Director» Schifer Schafer, dem linken Ohr des Hasen.  Foto: Roland Bürkii
Stimmgewaltig: Sänger und Texter Endo Anaconda zusammen mit seinem «Musical Director» Schifer Schafer, dem linken Ohr des Hasen. Foto: Roland Bürkii

Ich komme alle drei Jahre nach Laufen», brachte Endo Anaconda, Sänger und Texter der Berner Mundartband Stiller Has, seinen vielen begeisterten, aber nicht eben tanzfreudigen Fans am Samstagabend den Schmus. Nach 25 Jahren stetigen Aufstiegs durch Hallen und Säle sei der Auftritt in einem echten Kulturzentrum schon so etwas wie ein Höhepunkt. «Da hindert uns auch kein Glatteis, zu kommen», spielte Endo auf die Strassenverhältnisse und die erwartungsvollen schönen jungen Frauen von Laufen an, die ihn doch alle küssen wollten. «S git ou schöni Grosmüettere», schob er mit «Chätschgummi» seine ureigene Elisabeth-Serenade quasi als Entschuldigung nach. Ihn, der sich Jungen gegenüber gerne als AHV-positiv ausgibt, beschäftigt nicht nur in diesem Lied das Älterwerden. Schmachtend und dann wieder hasenuntypisch röhrend wie ein Hirsch sinnierte er über seinen allerersten Kuss vor 45 Jahren: «Elisabeth, i streue Rose uf di Wäg!» Und der Sänger streute nicht nur, sondern «chätschte» zur Musik von Gitarrist Schifer Schafer nochmals genüsslich auf dem seinerzeit aus holdem Mund empfangenen halben «Chätschgi». Der heftig aufbrandende Applaus vor der Pause galt nicht nur Endos ehrlichen bis bitterbösen Texten, sondern auch dem leidenschaftlichen Bluesrock von Salome Buser an Bass und Keyboard, ex-Rumpelstilz Schifer Schafer an Gitarre und Banjo sowie Markus Fürst am Schlagzeug. «Sie sind so toll», lobte Endo Anaconda alias Andreas «Ändu» Flückiger seine Band und mit «Danke, Hasen» auch gleich das Publikum.

Böses Alter und Eros
Das Thema Alter liess den für einmal zum Cantautore con capello mutierten Endo Anaconda nicht los, als er zwei von Eros triebgesteuerte ältere Italiener aufs Korn nahm, nämlich den «noch immer spitzen, herumgeisternden» Casanova und seinen Nachahmer Silvio Berlusconi. Bissig-ironisch, wie er zu «Guarda che luna» mit Mikro und Ständer wischend den Cavaliere bei dessen Sozialarbeit im Altersheim unterstützte. Seine beiden ausgestreckten Zeigefinger, Anacondas Markenzeichen, blieben auf weiteren wunden Punkten hängen: In «Böses Alter» auf grantigen alten Herren, die keine Hasen mehr schiessen können, oder in «Märli» auf deren Wahrheitsgehalt. «U ds Rumpelstilzli rumplet mit em stille Has, dr Samichlous isch pädophil», räumte der Sänger gnadenlos mit Märchen-Illusionen auf. Und zur wohl bald glücklosen Umwelt sang er maliziös: «Flüg mit mir last minute zu de letschte Paradies, flüg mit mir is Glügg!» Dann blieb dem Sänger nach frenetisch herbei geklatschten Zugaben nur noch das Glück auf das Wiedersehen mit Laufen: «Schalala, bis zum nächsten Mal in drei Jahren!»

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