Sprechen statt whatsappen

«Die Pandemie ist für Eltern, welche im Homeoffice arbeiten, eine Herausforderung», stellt Brigitte Bos fest. Die Logopädin erklärt, dass es für die Sprachförderung aber immens wichtig ist, auch in dieser schwierigen Situation zusammen im Gespräch zu bleiben.

Die Sprache pflegen: Die Logopädin Brigitte Bos erklärt, weshalb die Kommunikation bereits mit Kleinkindern so wichtig ist und weshalb das Natel öfter weggelegt werden soll.Foto: Gaby Walther
Die Sprache pflegen: Die Logopädin Brigitte Bos erklärt, weshalb die Kommunikation bereits mit Kleinkindern so wichtig ist und weshalb das Natel öfter weggelegt werden soll.Foto: Gaby Walther

Seit einem Jahr sieht so manches Familienleben anders aus als zuvor. Viele ­Eltern arbeiten im Homeoffice. Vereinsleben, Veranstaltungen, Kinderpartys, Freunde treffen, Museumsbesuch, un­terwegs sein mit dem öffentlichen Verkehr — all das fehlt oder findet selten statt. Sind alle immer zu Hause, kann schon einmal der Gesprächsstoff ausgehen. Die Langeweile mit Fernseher oder anderen elektronischen Geräten zu vertreiben ist verlockender denn je. «Für die Sprachentwicklung von Kindern bis sieben Jahren ist Fernsehschauen verlorene Zeit», sagt Brigitte Bos.

Die Logopädin arbeitet in Laufen mit Kindern und Jugendlichen, welche eine nicht altersgemäss entwickelte Kommunikation haben, sei dies in einer Verzögerung der Sprachfähigkeit oder in der Aussprache. Weshalb ein Kind ein Problem in der Sprachentwicklung habe, sei jedoch oft schwierig zu sagen und könne nicht einfach den Eltern zugeschoben werden. «Es gibt nicht einfach eine Ursache gleich eine Wirkung», beruhigt Bos. Trotzdem sei es sehr wichtig, dass Eltern viel mit den Kindern kommunizieren. Die Vorstellungswelt ist bei Kleinkindern noch nicht ausgereift. Da bringe es nichts, mit einem Fünfjährigen einen Film über Säugetiere zu schauen. Dem Kind fehle das eigene Erlebte, um sich etwas darunter vorstellen zu können. Das sei wie Velofahren. Das könne man auch nicht lernen, indem man Youtube-Filme schaue. Für Kinder bis sechs Jahre sollte der digitale Medienkonsum auf höchstens eine halbe Stunde pro Tag beschränkt werden und dies am besten in Begleitung einer erwachsenen Person.

Auch eine Chance

Die momentan schwierige Zeit sieht Brigitte Bos als grosse Herausforderung für Eltern. Es sei aber auch eine Chance, denn alle haben mehr Zeit und sind zu Hause. Werden zu wenig Anregungen als Gesprächsstoff von draussen hereingebracht, brauche es neue Wege. Es brauche Fantasie. Wieso zum Beispiel nicht wieder einmal das Fotoalbum hervor­holen, es gemeinsam anschauen und darüber sprechen. Überfordere die stressige, ungewohnte Situation zu Hause, solle man sich unbedingt Hilfe holen —zum Beispiel im Austausch mit anderen Eltern, bei der Familienberatung oder bei der Kinderärztin. Dies sei keine Schande.

Maske weniger schädlich als Natel

Kein Problem sieht Bos beim Thema Masken tragen. Auch über die Augen könne kommuniziert werden. Das Kind hört die Stimme und daheim werde die Maske abgezogen. Wirklich schlimm findet sie Mütter und Väter, welche ständig auf das Natel fokussiert sind. Auch wenn das Baby im Kinderwagen noch nicht sprechen kann, versuche es mit seiner ­Umgebung Kontakt aufzunehmen. Es lächelt, macht Geräusche und schaut, wie seine Umgebung darauf reagiert. Schaut die Betreuungsperson permanent auf das Natel, kann das Baby weder mit Blick noch mit freudigem Geplapper in Kontakt kommen. Erhält es auf seine ­Bemühungen keine Reaktionen, gibt es mit der Zeit auf. Dies hat Auswirkungen auf die Sprachbildung. Denn für die Sprachentwicklung brauche es echte Kommunikation und diese müsse gepflegt werden, betont Bos.

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