So muss es im Himmel klingen

Mit engelhaften Stimmen und sphärischen Klängen verzauberten die «Rheinstimmen» unter Reiner Schneider-Waterberg am Montagabend das Publikum in der Herz-Jesu-Kirche. Das Konzert hallt innerlich nach.

Singen in einer eigenen Liga: Die «Rheinstimmen» unter Reiner Schneider-Waterberg. Foto: Thomas Brunnschweiler

Die Gäste der musikalischen Darbietungen unter dem Dirigat von Reiner Schneider-Waterberg bilden ein aufmerksames, erwartungsvolles Publikum; so auch am letzten Montag. Beim pfingstlichen «Veni, Creator Spiritus» von Richard Marlow erfolgte ein langsamer Einmarsch beim Singen, bei dem sich der Chor in zwei Teile aufteilte. Der gregorianische Hymnus im anglikanischen Stil ist in moderne Harmonien eingebettet und verbreitet in seiner feierlich-dichten Art eine ehrfurchtsvolle Atmosphäre. Als das romantische, englische Mottetenstück «Beati quorum via» von Charles Villiers Stanford erklang, das eine ruhige, friedvolle Ausstrahlung besitzt, fühlte man sich beinahe in die Westminster Abbey von London versetzt. Das Chorwerk «I Flying» von Alexander Campkin ist eine Vertonung eines anrührenden Gedichts der südafrikanischen Dichterin Finuala Dowling. Das versonnene und doch energiegeladene Stück mit seinen teilweisen unaufgelösten Klängen war in Laufen die Schweizer Uraufführung. In «Only in Sleep» des lettischen Komponisten Ēriks Ešenvalds geht es um Schlaf, Traum und Kindheit; es ist ein melancholisches Stück mit Solosopran und Chor. Die Solostimme von Nathalie Widmer wurde vom Chor mit schwebenden Harmonien umwabert wie ein einsamer Mensch vom Nebel in der Nacht. Hier dachten wohl viele im Stillen: So muss es im Himmel klingen! Immer wieder intonierte Alfredo Ferre Martinez alias Onomeya auf seinem historischen Cello die Stücke.

Kaum beschreibbare Stimmung

In «O Magnum Mysterium» wurde der traditionelle lateinische Text vom slowenischen Komponisten Matej Kastelic ­modern und mit durchdachter Dynamik vertont. Unterdessen hatte sich im Geviert der Kirche eine friedvolle, meditative Ruhe ausgebreitet, als würde das Publikum den langsamen Puls der Musik übernehmen. Im meditativen zeitgenössischen Chorstück «The Drop That Contains the Ocean» von Onomeya, in dem sich westliche und globale Einflüsse mischen, kam der Bass Jonathan Pratt zum Einsatz, der regelmässig mit zwei Londoner Spitzenensembles singt. Impres­sionistisch mutete «The Blue Bird» von Charles Villiers Stanford an. Der Sopran von Nathalie Widmer, die auf der Kanzel mit glasklarer, ausdrucksstarker Stimme den Solopart interpretierte, schwebte über dem homofonen Chor. Nach dem instrumentalen «El cant dels ocells» («Der Gesang der Vögel») mit textlosem Gesang folgte «My Spirit Sang All Day» von Gerald Finzi, ein starker Kontrast zu den meditativen Werken. Es ist ein freudiges Chorstück aus dem frühen 20. Jahrhundert, rhythmisch, vital und voller Gegensätze. Zum Schluss erklang von Dan Forrest «The Sun Never Says» mit grosser gefühlsmässiger Dichte. Die «Rheinstimmen» hatten das Publikum auf eine poetische und emotionale Reise mitgenommen. Der zaghafte Applaus wurde vom Dirigenten mit einer Handbewegung gestoppt, da das Klatschen den Zauber des Augenblicks zerstört hätte.

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