Hölderlins vertonte «Bücher der Zeiten»

Ein zeigenössischesKammeroratorium von Mike Svoboda für drei Frauenstimmen, Posaune und Perkussion hielt in der St. Katharinenkirche ein leider nur spärlichesPublikum in Atem

Mal schrill, mal flüsternd: (v.l.) Michael Kiedaisch, Svea Schildknecht, Céline Wasmer, Anne-May Krüger und Komponist Mike Svoboda an der Posaune. Foto: Roland Bürki
Mal schrill, mal flüsternd: (v.l.) Michael Kiedaisch, Svea Schildknecht, Céline Wasmer, Anne-May Krüger und Komponist Mike Svoboda an der Posaune. Foto: Roland Bürki

Die St. Katharinenkirche bildete den exakt passenden Hintergrund für ein Kammeroratorium, der Vertonung einer geistlichen Handlung, die von einer kleinen Besetzung traditionell in kirchlicher Umgebung wiedergegeben wird. Mike Svoboda, Professor für Posaune und zeitgenössische Kammermusik an der Hochschule für Musik in Basel, hatte für seine eigenwillige Komposition den Text der wortgewaltigen Hymne «Die Bücher der Zeiten» des damals 18-jährigen Dichters Friedrich Hölderlin (1770-1843) ausgewählt. Weil ihn die darin drastisch geschilderte Offenbarung oder Apokalypse zum Komponieren geradezu inspiriert habe, so Svoboda zum Wochenblatt. Dass da vor Beginn merkwürdige Utensilien an den Plätzen der drei Sängerinnen Svea Schildknecht, Céline Wasmer (beide Sopran) und Anne-May Krüger (Mezzosopran) sowie bei Perkussionist Michael Kiedaisch und Posaunist Mike Svoboda bereit lagen, erhöhte die Spannung enorm. Lagen da doch kleine Glöckchen, «Flüstertüten» genannte Megafone, mit Wasser gefüllte Eimer, zwei mit Kies gefüllte Wannen, schwere und weiche Schlägel, Holzhämmer und verschiedene Posaunendämpfer für eine überraschungsreiche Musik-Performance bereit.

Sie stehen geschrieben: Hölderlins Offenbarungen

Hölderlins reiche und auch drastische Bildersprache über die «Greuel des Erdgeschlechts», die Erlösung des gefallenen Geschlechts durch den Kreuzestod und das nachfolgende «menschliche Riesenwerk der Weltentdecker» deklamierten, besangen, flüsterten und hauchten die drei virtuosen Sängerinnen im Gleichklang mit einer unglaublichen Posaune, die einfach nur immer wieder mit nie vermuteten Tönen und Geräuschen verblüffte. Perkussionist Micheal Kiedaisch seinerseits liess die Bankreihen nicht nur im Donnergrollen der Greuel erschauern, sondern pfiff auch mal einen Lobgesang, während er mit den Füssen den Kies im Takt knirschen liess oder die grosse Trommel feinfühlig mit dem Gemüsebesen streichelte. Allerhöchste Töne der Sängerinnen zum «Richtstuhl hinan» gingen unter die Haut, während am Ende in einem konzertanten «grande Finale» alle dem «Völkersegen, der Fülle des Brots und der Freude allweit und überall» huldigten.

Das leider spärliche Publikum hatte seine helle Freude an der modernen Vertonung des alten Hölderlin-Gedichtes von 1798 und klatschte das dankbar strahlende Quintett mehrmals in den Chor der Kirche zurück.

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