Hart, aber fair verhandelt

Während dreier Jahre durfte der gesamte Stadtrat wegen der laufenden Verhandlungen keine Auskunft geben. Nun, wo der Vertrag steht, nimmt Laufens Stadtpräsident Pascal Bolliger im Interview Stellung zum Thema Areal Lochbrugg.

Areal Lochbrugg: Die blauumrahmte Fläche geht an die Burgergemeinde Laufen-Stadt, die rotumrahmte an die Einwohnergemeinde zurück. Die graue Fläche ist die GOPS, die rote Fläche ist die Kapelle. Plan: Auszug aus dem Geoinformationssystem Basel-La
Areal Lochbrugg: Die blauumrahmte Fläche geht an die Burgergemeinde Laufen-Stadt, die rotumrahmte an die Einwohnergemeinde zurück. Die graue Fläche ist die GOPS, die rote Fläche ist die Kapelle. Plan: Auszug aus dem Geoinformationssystem Basel-Landschaft

«Wochenblatt»: Mitte Juni gab die Verhandlungsdelegation, bestehend aus Vertretern des Kantons Basellands, der Burgergemeinde Laufen-Stadt, der Einwohnergemeinde Laufen und des Kantonsspitals Baselland (KSBL), bekannt, dass das ehemalige Spital Laufen zurückgebaut und das Land an die Stadtburger und die Einwohnergemeinde zurückgegeben wird (das «Wochenblatt» berichtete). Wie verliefen die Verhandlungen zum Thema Areal Lochbrugg in Laufen?

Pascal Bolliger: Es wurde hart, aber fair gekämpft und eine gute Lösung erzielt. Grundsätzlich ist es schwierig, die Inte­ressen von vier verschiedenen Stakeholdern unter ein Dach zu bekommen. Zusätzlich erschwert wurde es durch die Komponenten GOPS (geschützte Operationsstätte) und die denkmalgeschützte Kapelle. Für uns waren es drei schwierige Jahre. Wenn man die Emotionen aussen vorlässt, können wir gemeinsam mit dem erreichten Resultat sehr zufrieden sein.

Wieso erhält Laufen das Land, auf welchem sich das Kantonsspital befindet?

In den Jahren 1948 bis 1950 schenkten die Burgergemeinde Laufen-Stadt und die Einwohnergemeinde Laufen die Land­fläche dem «Feningerspital des Amtsbezirks Laufen», um dort ein neues, grösseres Spital zu bauen. Festgehalten wurde im damaligen Vertrag, dass bei Wegfall dieses Zwecks das Land an die Schenkerinnen zurückgehen muss. Somit erhalten die Burgergemeinde Laufen-Stadt und die Einwohnergemeinde ihre Landflächen von 11000 bzw. 16500 Quadratmetern zurück. Die Burgergemeinde Laufen-Stadt erhält noch zusätzlich etwas mehr als 3000 Quadratmeter Wald.

Wieso erachten Sie die Verhandlungen als eine gute Lösung für Laufen?

Als Erstes, weil die Grundstücke an die ehemaligen Schenkerinnen zurückgehen. Die Stadt Laufen und die Stadt-Burger müssen sich mit je maximal 500000 Franken am Rückbau des Spitals beteiligen. Das KSBL und der Kanton beteiligen sich mit je 1 Million Franken. Der Kanton hat um einiges höhere Kosten zu tragen. So muss er unter anderem auch die Umwandlung der geschützten Operationsstelle (Gops) in eine sanitäre Hilfsstelle sowie den Unterhalt der denkmal­geschützten Kapelle übernehmen. Thomas Weber, der mit der Materie «Spital Laufen» bestens vertraut ist, tritt als Regierungs­rat zurück. Es war also auch wichtig, die Verhandlungen nun noch unter Dach und Fach zu bringen. Weiter gelangt das alte Bezirksstatthalteramt (auch bekannt als Anneli-Hof-Haus) an der Renimattstrasse als Entschädigung für die Übernahme der sanitären Hilfs­stelle zu einem reduzierten Preis von 240000 Franken zurück in den Besitz der Stadt Laufen.

Das ehemalige Spital wird nun zurückgebaut. Hätte man für dieses Gebäude nicht eine andere Verwendung finden können?

Gemäss KSBL hatte niemand Interesse an dieser Immobilie. Auch die Heimleitung und der Verwaltungsrat des Alters- und Pflegeheims in Laufen hatten sich das ehemalige Akutspital angeschaut und sahen keine Option zur Weiterverwendung. Ein Umbau mit den heutigen zahlreichen Auflagen und Anforderungen wäre zu teuer geworden. Hinzu kommt, dass die Unterhaltskosten, auch mit dem grossen Umschwung, astronomisch sind.

Auch der Vorwurf, dass das Spital hätte gerettet werden können, ist immer noch zu hören.

Niemand aus der Region und auch nicht die Stadträte wollten, dass das Spital schliesst. Das hat allen wehgetan, aber irgendwann muss die Trauerphase vorbei sein. Die Gesundheitsvorsorge ist eine kantonale und keine kommunale Angelegenheit. Die Stadt Laufen hatte keine Mitsprache. Der Kanton hat den Leistungsauftrag, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Mit dem Gesundheitszentrum in Bahnhofsnähe haben wir sicher eine gute Lösung erhalten. Ob der Landrat wieder die finanzielle Unterstützung für den Notfall im Gesundheitszentrum in Laufen gutheisst, hängt von uns allen ab, nämlich, wie gut wir das Gesundheitszentrum nützen werden.

Laufen profitiert finanziell vom Land, das sie zurückerhalten wird.

Laufen hat in den letzten vier Jahren sehr haushälterisch gearbeitet. Die Rechnung 2022 wies 1 Mio. Mehreinnahmen gegenüber dem Budget und eine positive Rechnung von über 30000 Franken auf. Bei einer Rückgabe und Umzonung dieser Grundstücke würde sich die finanzielle Situation der Stadt Laufen in der Tat noch mal zusätzlich stabilisieren.

Wie geht es nun weiter?

Im September müssen an der Burgergemeindeversammlung Laufen-Stadt und an der Einwohnerversammlung die Vereinbarungen genehmigt werden. Die beteiligten Parteien sind guten Mutes, dass dieser Vereinbarung zugestimmt wird. Anschliessend muss das Land umgezont und diese Umzonung von einer weiteren Versammlung genehmigt werden. Es werden dann Ideen zur Überbauung gesammelt und die Bevölkerung wird in einem Mitwirkungsverfahren zur Mitsprache aufgefordert. Anfang 2024 zieht das Gesundheitszentrum vom ehemaligen Spital ins Birscenter ein und das Durchgangszentrum wird gemäss dieser Vereinbarung noch bis Ende 2024 betrieben. Dann kann mit dem Rückbau, der rund ein halbes Jahr dauern wird, begonnen werden.

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