Des Jünglings wundersames Violinspiel

An seinem Herbstkonzert unter dem Titel «Gewitter» begeisterte das Orchester Laufental-Thierstein in Mendelssohns Sinfonie Nr. 3 mit einem schottischen Wetterfurioso, während der junge, virtuose Jonathan Zipperle (13) als Solist im Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruch faszinierte.

Sie verstehen sich: Solist Jonathan Zipperle (l.) und Dirigent Raphael Ilg. Foto: Roland Bürki
Sie verstehen sich: Solist Jonathan Zipperle (l.) und Dirigent Raphael Ilg. Foto: Roland Bürki

Die Konzertbesucherinnen und -besucher dürften das Herbstkonzert des Orchesters Laufental-Thierstein vom vergangenen Sonntagabend mit einem dicken Ausrufzeichen in ihrem Gedächtnis behalten. Der junge Violinist Jonathan Zipperle, Preisträger mehrerer Jugendmusikwettbewerbe und seit kurzem Konzertmeister des Jugendorchesters «first symphony», faszinierte im 1. Violinkonzert von Max Bruch nämlich von Beginn an, als er unbeeindruckt vom grossen Publikum in der Herz Jesu-Kirche mit geschlossenen Augen zum ersten Solopart des mässig-schnellen Vorspiels ansetzte. Auffällig hier das eingängige Wechselspiel zwischen dem Solisten, der schon ab zweieinhalb Jahren Violinunterricht genoss, und dem glänzend disponierten Orchester unter der umsichtigen und temperamentvollen Leitung des jungen Dirigenten Raphael Ilg, unterstützt von der erfahrenen Konzertmeisterin Ioana Gereb. Das Adagio des zweiten Satzes erinnerte an eine Romanze, während das energische Allegro am Ende Jonathan in den Soli stark forderte, ihn aber scheinbar unbeeindruckt liess. Ohne eine einzige Note vor sich zu haben, meisterte er alle drei Sätze fehlerlos, was das erstaunte und begeisterte Publikum am Ende zu zwei, drei langen Standing Ovations mitriss. «So etwas geht nur mit üben, üben, üben», meinte Ilg auf eine Frage des Wochenblatts, betonte zugleich aber auch die starke Leistung des Orchesters, das gut ein halbes Jahr an diesem Konzert gefeilt habe.

«Schottischen Nebel, Sturm, Gewitter und dann wieder wunderbar zarte und himmlische Stimmung», kündigte der Orchesterchef dem Publikum mit der 3. Sinfonie, der «Schottischen», von Felix Mendelssohn an. Der Komponist hatte in ihr die Eindrücke seiner Schottlandreise von 1829 verwirklicht. Ilg spannte zusätzlich zu den Streichinstrumenten, Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotten, Pauken, Trompeten und den Hörnern auch das Publikum als Wettermacher ein. Die Damen und Herren sollten für Wind, prasselnden Regen und Donnergrollen sorgen, was ihnen dann zusammen mit dem Orchester auch sehr realistisch gelang: Die Kirche hallte im ersten Satz gewaltig, der Regen prasselte und der Donner des Herbstgewitters rollte ganz im Sinne des mitgehenden Dirigenten. In den nächsten Sätzen dann schottische Volksfeststimmung mit Dudelsacktönen, Trauergefühle und ein sehr schnelles, lebhaftes Finale, das förmlich elektrisierte. In der Zugabe, die das Publikum so frenetisch herausgeklatscht hatte, durfte dieses als Publikumschor das Orchester in «Highland Cathedral» singend begleiten, was dem Applaus nach zu schliessen, offensichtlich viel Spass machte.

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