Ausstellung der besonderen Art

Die kreativ tätigen Mitarbeitenden der Eingliederungsstätte Baselland in Laufen wählten den Titel ihrer Ausstellung im Raum «Nu Riu» am Seidenweg 2 selbst. Spannende Einblicke sind garantiert.

Die Eingliederungsstätte Baselland (ESB) besitzt insgesamt 23 Standorte. Einer davon ist der Laden «einfach» und die Tagesgestaltung an der Viehmarktgasse 30 in Laufen. Es gibt verschiedene Arbeitsbereiche, und im Kreativatelier können Mitarbeitende sich auch künstlerisch betätigen. Angeleitet werden sie durch ein Team von insgesamt acht Personen. Durch ein glückliches Zusammentreffen kam der Mitarbeiter Andrin Schneider mit Anja Vitorino in Kontakt. Sie betreibt am Seidenweg 2 einen Raum für Bildung, Kultur und Soziales, der sich «Nu Riu» nennt. Das ist portugiesisch und heisst «Im oder am Fluss». Das ist einerseits ein Verweis auf die Birs, andererseits vielleicht auf den altgriechischen Spruch «panta rhei» («alles fliesst»). Neben vielen Veranstaltungen und Angeboten sind im «Nu Riu» auch Ausstellungen möglich. «In unserer Ausstellung geht es darum, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre kreativen Arbeiten zeigen können», so der Flyer, «diese wurden von ihnen einzeln ausgesucht und danach gemeinsam als Gruppenausstellung besprochen.» Gestern wurde die Ausstellung eröffnet. Die locker gehängte Schau beschränkt sich auf zehn Bilder von acht Personen. Die Werke bewegen sich stilistisch zwischen konkret bis abstrakt und zeigen eine eindrückliche Bandbreite und Vielfalt der Weltwahrnehmung. Laut den Gruppenleitern bestanden keinerlei Vorgaben; nur Einzelne wünschten sich Bildvorlagen zur Inspiration.

Verblüffende Vergleiche und Erkenntnisse

Noch immer versucht man, Werke von Künstlerinnen und Künstlern mit einer Beeinträchtigung in Schubladen wie «Art Brut» oder «Outsider-Kunst» zu stecken. Johannes Eiserlo hält diese Begriffe für veraltet: «Wir thematisieren das nicht. Wenn ein Bild funktioniert, funktioniert es.» Da gibt es ein grösseres lebendiges Werk, das eine fast schlafwandlerische Sicherheit in der Bildgestaltung, in der Wahl der Formen und Farben manifestiert. Gibt man das Foto dieses Bildes bei der künstlichen Intelligenz (ChatGPT) ein, so verweist diese aufgrund einer Datenbankabfrage auf Ähnlichkeiten mit Werken von Jean Dubuffet und Paul Klee; dennoch hat das Bild eine ganz eigene Ausstrahlungskraft. Das expressive Bild daneben zeigt horizontal geschichtete Farbflächen, wie sie auch beim bekannten Maler Hans Hofmann (1880–1966) vorkommen. Vergleiche mit Bildern dieses deutsch-amerikanischen Künstlers zeigen, dass das Bild im «Nu Riu» sogar ein sehr gelungener «Hans Hofmann» sein könnte! Die zehn Werke laden zum Nachdenken über künstlerische Authentizität und unsere Vorurteile angesichts grosser Namen ein, wie sie an der ART Basel zu finden sind. Die «Ausstellung der besonderen Art» lohnt auf alle Fälle einen Besuch.

«Nu Riu», Seidenweg 2: Freitag 10–11.30 Uhr und 16–19 Uhr; Samstag 14–16 Uhr sowie Sonntag 10–12 Uhr.

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