Blauen
03.06.2020

Aus Liebe zum Holz

<em>Alte Liebe: </em>Erika Neuschwander in ihrer Drechslerwerkstatt auf dem Familienhof in Blauen, wo sie sich im Winter viel aufhält und Kunstgegenstände kreiert.<em>Fotos: benildis Bentolila</em>
<em>Filigran: </em>Eine Schnecke, gedrechselt von Erika Neuschwander. Das Tier regt sie zum Nachdenken über die Welt und das Leben an. <em/>

Alte Liebe: Erika Neuschwander in ihrer Drechslerwerkstatt auf dem Familienhof in Blauen, wo sie sich im Winter viel aufhält und Kunstgegenstände kreiert.Fotos: benildis Bentolila

<em>Alte Liebe: </em>Erika Neuschwander in ihrer Drechslerwerkstatt auf dem Familienhof in Blauen, wo sie sich im Winter viel aufhält und Kunstgegenstände kreiert.<em>Fotos: benildis Bentolila</em>
<em>Filigran: </em>Eine Schnecke, gedrechselt von Erika Neuschwander. Das Tier regt sie zum Nachdenken über die Welt und das Leben an. <em/>

Filigran: Eine Schnecke, gedrechselt von Erika Neuschwander. Das Tier regt sie zum Nachdenken über die Welt und das Leben an.

Erika Neuschwander hatte schon als Kind einen besonderen Draht zu Holz. Nun hat sie ein Hobby gefunden, das ihr erlaubt, sich mit allen Sinnen damit zu beschäftigen.

Von: Benildis Bentolila

Seit meiner Kindheit liebe ich Holz, seinen Duft, seine Beschaffenheit, seine Vielfalt!» Wenn die Bäuerin Erika Neuschwander aus Blauen von ihrem Lieblingsmaterial erzählt, gerät sie ins Schwärmen: «Holz fühlt sich warm an, Holz lässt sich formen, Holz macht hell; ja sogar wenn das Holz brennt, ist es nicht einfach totes Material, es lebt, es glüht.»

Bereits als Kind habe sie Vogelhäuschen gezimmert. Nach der Schulzeit hatte die junge Frau dann andere Interessen, heiratete, gründete eine Familie, half ihrem Mann Marcel auf dem Hof und kümmerte sich um die drei Kinder und den grossen Gemüse- und Blumengarten.

«Dann waren die Kinder selbstständig und mich dünkte», erinnert sie sich, «jetzt hätte ich Zeit für ein Hobby.» Es musste eine Beschäftigung sein, bei der sie sich Holz widmen konnte. Vor gut einem Jahr entschied sie sich, das Drechseln zu lernen, ein schönes altes Handwerk.

Je mehr gedrehte – also gedrechselte – Kreationen sie betrachtete, desto besser gefiel ihr dieses Fertigungsverfahren.

Grundlagen gründlich erlernt

Sie meldete sich für einen Einführungskurs im Drechseln im Kurszentrum Ballenberg an. Eine Woche verbrachte sie im Berner Oberland und erlernte die Grundlagen des Drehens an der Drechselbank. Sie lernte mit den vielseitigen Drechslerwerkzeugen umzugehen, und sie lernte die Eigenschaften verschiedener Hölzer kennen. Besonders gefiel ihr, dass die Kursteilnehmer nach den Schulstunden nicht auseinanderströmten, sondern sich abends gemütlich zusammensetzten und über ihre Erfahrungen während des Tages diskutierten. Erika Neuschwander spürte schnell: «Dieses Handwerk ist mein Ding.» Schon bald kaufte sie die gleiche Drechselbank wie jene, auf der sie im Ballenberg gearbeitet hatte.

Ihr Mann Marcel, der sich gut auskennt mit Holz, schnittt ihr mit der Motorsäge das Material in Form. Wichtig: Das Holz muss absolut trocken sein, damit sich die gefertigten Gegenstände nicht verformen oder reissen.

Die Drechslerei Stich in Kleinlützel versorgte Erika Neuschwander anschliessend mit sogenanntem Abfallholz, welches jedoch für ihren Zweck gut verwendbar ist. Sie begann einfache Gegenstände wie Schüsseln, Vasen und Kerzenständer zu kreieren. «Nicht jede Arbeit gelang mir auf Anhieb», schmunzelt die passionierte Drechslerin heute, «aber über die Wintermonate habe ich viel geübt und wurde erfolgreicher.» Neuschwander drechselte Ständer für Tischlampen und elektrifizierte sie, und sie kreierte Schüsseln mit eigenwilligen Formen und Naturrändern. «Stolz bin ich auf meine niedliche Holzschnecke, die ich selbst entworfen habe und in verschiedenen Hölzern und Grössen herstelle», freut sich die Drechslerin.

Jetzt, im Sommer, kann sich Erika Neuschwander nicht oft ihrem Hobby widmen, weil auf dem Bauernhof andere Arbeiten anstehen. «Aber im Spätherbst werde ich wieder öfter an der Drehbank stehen», sagt sie. «Schliesslich will ich im Hinblick auf die Weihnachtszeit die Ausstellung im Hofladen mit neuen Kreationen bestücken.»

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