Liesberg
05.06.2019

Jubiläumsmarsch dargeboten im neuen Gewand

<em>Weltpremiere mit neuer Uniform: </em>«Gruss an Liesberg». Foto: Jürg jeanloz

Weltpremiere mit neuer Uniform: «Gruss an Liesberg». Foto: Jürg jeanloz

Mit Spektakel und Herzblut beging der Musikverein Brass Band Liesberg seinen 140. Geburtstag. Historischer Rückblick mit der Intermezzo-Band, neue, schicke Uniformen, Uraufführung des Marsches «Gruss an Liesberg» und Galakonzert mit der Comedy-Band «Generell5».

Jürg Jeanloz

Die Geschichte der Liesberger Musik liest sich wie ein Märchen. Wie die beiden Jungmoderatoren Michael und Marco Franz an der Jubiläumsgala im Seemättli eloquent ausführen, gründeten 1879 zehn Enthusiasten die Musikgesellschaft Liesberg, um den trostlosen Alltag in ländlicher Abgeschiedenheit aufzuheitern. Das gelang den Blechmusikanten ausgezeichnet, wurden sie hier und in den Nachbardörfern doch zur begehrten Tanzkapelle. Bescheidenheit herrschte im Dorf, die Fahne kostete nur 150 und der Vereinsbeitrag einen Franken. Immerhin wurden die Probe-Absenzen mit einer Busse von 20 Rappen belegt, dafür den Jungverheirateten eine Verspätung von 15 Minuten zugestanden.

25 Jahre später liessen sich die Musikanten in Musikverein Harmonie Liesberg umtaufen und schon bald spielte das Ensemble sogar an weissen Sonntagen. Im ehrwürdigen «Rössli» wurde schliesslich der Laufentaler Musikverband gegründet und anno 1938 kauf- ten die Liesberger die feldgrauen Occasion-Uniformen des Musikvereins Münchenstein. Ein absolutes Highlight war das Marschmusikkonzert im Radio- studio Basel im Jahr 1948, das in der Schweiz grossen Beachtung fand. Drei Jahre später kaufte man sich eine neue Uniform und feierte den Anlass mit einem rauschenden Fest. Legendär sind auch die Theateraufführungen wie «Marcella, die Schmugglerbraut» oder «Föhn i dä Bärgä». 1968 öffnete sich der Verein der Damenwelt. Theres Schweizer war die erste Musikantin und blieb bis heute dem Verein als Helferin treu.

Vor 30 Jahren liess sich der Verein die bisherige Uniform schneidern und nannte sich neu Musikverein Brass Band Liesberg (MVBBL). Sowohl mit Wettstücken wie auch mit Unterhaltungsmusik war der Verein bis heute sehr erfolgreich unterwegs.

Festakt

Auf den geschichtlichen Rückblick folgt der Auftritt der Zürcher Gastformation «Generell5». Mit der Ouvertüre zu Rossinis «Wilhelm Tell» landen die Musikerin und vier Musiker gleich einen Volltreffer. Die Einsätze der beiden Trompeten, der Tuba und der Posaune sind einfach genial. Der Gassenhauer «Hello Dolly» wird ebenso beklatscht wie eine Alphornmelodie, die die japanische Hornistin mit einem schwingenden Kinderfähnchen zum Gaudi des Publikums grotesk begleitet.

Auf einer grossen Leinwand grüssen per Video der ausgewanderte Polizist Cédric Schwyzer aus Kalifornien, der höchste Militärmusiker Oberst Philipp Wagner und die Komikerlegende Emil. Schwyzer wurde am Tag des 100-Jahr-Jubiläums in Liesberg geboren und Wagner erinnert gerne daran, dass in Liesberg viele gute Militärmusiker spielen.

Vorhang auf für die Präsentation der neuen Uniform: In Reih und Glied stehen 25 Aktivmitglieder und 6 Jungmusikanten auf der Bühne. Dunkelblauer Veston mit schwarzem Revers, schwarze Hosen, weisses Hemd, blaue Krawatte oder Fliege, einfach chic und modern. Wie Mitarbeiter Jean Baptiste Francois von der Firma Schuler aus Rothen-thurm erklärt, sind die Uniformen für mindestens 20 Jahre massgeschneidert, bier- und kaffeeresistent.

OK-Präsident Fabian Steiner leitet zum Höhepunkt des kurzweiligen Abends über. Schneidig kommt in den neuen Uniformen der Jubiläumsmarsch «Gruss an Liesberg» daher, der Variationen von «Gilberte de Courgenay», «Nun leb wohl, du kleine Gasse» und «Du stilles Dörflein» enthält; Lieder, die im Verein gerne gesungen werden. Der angenehme, rhythmisch ausgewogene Marsch, vom Dirigenten Thomas Scherrer komponiert, wird von den Gästen frenetisch beklatscht. Wie Steiner ausführt, verlangt der Dirigent kein Entgelt für den gediegenen Marsch. Er soll lediglich die Tantiemen erhalten, falls das Stück ein veritabler Renner wird.

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