Blauen
18.01.2023

Ein selbstbestimmtes Leben

Die Autorin: Ursula Pecinska lebt mit Hund und Katze in Blauen. Foto: Gaby Walther

Die Autorin: Ursula Pecinska lebt mit Hund und Katze in Blauen. Foto: Gaby Walther

Ursula Pecinska wagt sich an die Weltliteratur und spinnt Geschichten bekannter Frauenfiguren weiter. In ihrem Roman «Leonora — Eine Überfahrt» begibt sich Ibsens Nora nach England.

Von: Gaby Walther

Es gibt Bücher, die enden und lassen trotzdem einige Fragen offen. Gerne ­hätte man eine Antwort und möchte ­wissen, wie die Geschichte weitergeht. Hier setzt Ursula Pecinska an. Bereits in ihrem Début «Hallgatás» griff sie den ­Roman «Die Glut» von Sándor Márai auf und erzählte, was im verbrannten Tagebuch der Krisz­tina gestanden haben könnte. Auch in ihrem zweiten Roman, der im letzten Frühling erschienen ist, taucht die Autorin in den literarischen Kanon ein und spinnt die Geschichte der Nora aus Heinrichs Ibsens Werk weiter.

Bei Ibsen verlässt Nora ihren Mann, den Advokaten Torvald Helmer, und ihre drei Kinder. Denn nachdem ihr Mann sie als Betrügerin betitelt und nicht ihr ­soziales, aus Liebe zu ihm erfolgtes ­Handeln anerkannt hat, merkt sie, dass sie für ihn nur ein Spielzeug ist. Sie verlässt das Puppenheim und versucht, als eigenständiger Mensch sich zu behaupten. Ursula Pecinska zeichnet die Fortsetzung der Nora in ihrem Roman «Leonora — Eine Überfahrt» auf. In 21 Briefen beschreibt Leonora ihrer Freundin Christine in Norwegen, was sich in den letzten 20 Jahren seit ihrem Wegzug ereignet hat. Auch wenn sich die Erzählung gut ohne Vorkenntnisse lesen lässt, lohnt es sich, Ibsens Werk hervorzuholen, um die Zusammenhänge besser zu verstehen.

27-mal umggezogen

«Einerseits bin ich Feministin und finde es wichtig, die Frauen zu Wort ­kommen zu lassen. Anderseits interessieren mich die Zeitspanne, die Sprache und die Literatur von 1870 bis 1914», begründet Ursula Pecinska die Wahl ihre Erzählungen. So lässt sie einige ­geschichtliche Ereignisse jener Zeit in ihren Roman einfliessen. Leonora lebt in Manchester und arbeitet in einer Bibliothek. Marx und Engels, die Industrialisierung, die Suffragetten und die ­Friedensbewegungen sind einige der Themen, die angeschnitten werden. Gleichzeitig flechtet Ursula Pecinska ihre eigene Lebenserfahrung ein. Die Autorin kann auf ein abwechslungsreiches Leben zurückblicken. Aufgewachsen in Winterthur mit einer Ausbildung an der ­Handelsschule, zog es sie in jungen Jahren nach England, wo sie unter anderem in einer Bibliothek bei einem Mr. Flanegan arbeitete. Ihm setzt sie als Romanfigur in «Leonora» ein Denkmal. Später zog es sie weiter nach Kanada und Polen, wo sie ihren damaligen Ehemann kennenlernte, mit dem sie eine Tochter grosszog. 27-mal ist sie insgesamt umgezogen. Nun lebt sie bereits seit 23 Jahren in einem kleinen Häuschen in Blauen mit traumhafter Aussicht. Auch beruflich probierte sie einiges aus. Sie führte unter anderem ein Café und später eine Galerie für Kunst, Literatur und Kunstbücher in Basel und war immer wieder als Schreibende tätig.

Nun ist sie am Fertigstellen des dritten Buches ihrer Trilogie. Wiederum wagt sie sich an die Weltliteratur und entwickelt die Geschichte einer Frau um die Wende des 19. Jahrhunderts weiter. In «Der Kirschgarten» von Anton Tschechow zieht die Gouvernante Charlotta nach St. Petersburg. Ursula Pecinska ­beschreibt das Leben der Charlotta «in dieser grossartigen Stadt».

Keine Kopie

Ist es nicht gewagt, sich an eine Fort­setzung der grossen Meister zu wagen? Die Autorin verneint. Sie habe nicht den Anspruch, diese zu kopieren. «Ich bin ­jemand anderes und lebe hundert Jahre später. Es nervt mich, dass diese Frauengeschichten in den Romanen aufhören. Darum gebe ich den Figuren ein weiteres Leben und setze sie in den Mittelpunkt», erklärt Ursula Pecinska. Sie versuche aber, die Sprache aufzunehmen, indem sie die Ausgangsromane intensiv lese. Wichtig ist ihr der geschichtliche Hintergrund. Aus diesem Grund zog sie für ­ihren dritten Roman den in Kleinlützel lebenden russischen Autor Michail Schischkin hinzu. Er überprüft die Aussagen zur Russischen Revolution. Der neue Roman solle Ende Jahr oder 2024 erscheinen.

«Leonora – Eine Überfahrt», ISBN: 9783907310052, 117 Seiten, Verlag: édition sacré

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