Sport
14.10.2020

«Eine Leidenschaft, die Leiden schafft»

Vor dem Swift: Igor Rodella (links) und Andreas Saner ­– zwei junge Laufentaler mit der Leidenschaft Motorsport. Foto: eh-presse

Vor dem Swift: Igor Rodella (links) und Andreas Saner ­– zwei junge Laufentaler mit der Leidenschaft Motorsport. Foto: eh-presse

Andreas Saner (29) aus Laufen und Igor Rodella (25) aus Zwingen haben sich in diesem Jahr einen Traum erfüllt. Am 10./11. Juli fuhren die beiden auf dem Lausitzring in Deutschland auf einem Suzuki Swift Sport ihr erstes Langstrecken­rennen der NES 500.

Von: Edgar Hänggi

Andreas Saner hat eine Ausbildung in der Autobranche und wird dereinst die ­Suzuki-Garage seines Vaters in Laufen übernehmen. Igor Rodella ist Werkstattchef in der Auto Wydematt AG in Brei­tenbach. Kennen gelernt hatten sich die beiden Motorsport-Fans, als Saner den Swift verkaufen wollte. Rodella ­kaufte ihn und sicherte sich gleich auch das Know-how Saners. Daraus entstand eine Freundschaft. Während die beiden Autoslaloms und Bergrennen fuhren, reifte der Gedanke, eines Tages Langstrecken zu fahren. «Ich wollte immer richtige Rennen, also Fahrer gegen ­Fahrer, bestreiten», erklärt Igor. Im Herbst 2019 nahmen sie das Projekt ­konkret in Angriff und meldeten sich an.

Drohender Brand

Fahren auf öffentlichen Strassen dürfen sie mit dem Rennauto nicht mehr. «Wir benötigen deshalb einen Bus, einen Anhänger und ein zweites Fahrzeug. Das alles geht ins Geld, neben den obligatorischen Kosten. Könnten wir das Auto nicht in der Suzuki-Garage stehen lassen und daran arbeiten, wäre es kaum machbar.» Igor Rodella rechnet kurz nach und kommt auf einen Gesamtbetrag von ca. 6000 Franken für ein Rennen. «Klar denkst du bei den Kosten, ehe du einsteigst, was ist, wenn das Auto geschrottet wird. Aber einmal im Auto musst du derart fokussiert sein, dass nichts anderes mehr Platz hat», erklärt Saner. Dabei war das Szenario gar nicht mal so entfernt. Beim ersten Rennen auf dem Lausitzring funkte Saner an die Boxen, dass ihm etwas nicht gefalle. Eine Runde später wollte er am Ende der Start-/Ziel-­Geraden bremsen und trat ins Leere. Bremsversagen! «Zum Glück hatte ich genug Platz zum Ausrollen. Zurück an den Boxen wollte Igor den Bremsklotz wechseln, aber ich hatte ein ungutes ­Gefühl. Ich stieg aus und blickte in die Felge vorne rechts. Ich sah, dass es brannte und schrie, dass der Kanister mit dem Benzin zum Nachtanken wegmüsse. Es war der Tag nach dem Grossbrand in Laufen, gleich neben unserer Garage. Mein Vater schickte mir einige Bilder und das hatte ich im Kopf», schildert Andreas Saner diese brenzlige Situation.

Ende September wurden die beiden Laufentaler in ihrer kleinsten Kategorie NES 1 bei strömendem Regen Sieger und belegten in der Gesamtwertung Platz 17 von 29 Teilnehmern. «Im Regen reduziert sich der Leistungsvorteil vieler Autos», erklärt Rodella. Auf dem Nürburgring geht es für die beiden jetzt ­dar­um, diese Leistung zu bestätigen. «Klar, wir möchten wieder den Sieg in unserer Kategorie, aber noch wichtiger ist, dass wir in der Gesamtwertung ­wieder einen guten Rang schaffen. Wir wurden anfangs von der Konkurrenz belächelt, das soll sich ändern.» Igor und Andreas ­haben sich nicht nur einen Traum erfüllt — sie leben ihn auch und möchten dies auch im kommenden Jahr tun. «Wir haben einige Firmen, die uns unterstützen, und dafür sind wir ihnen enorm dankbar. Aber es braucht mehr. Wir sind zuversichtlich, geben alles, nicht nur im Fahrzeug», erklärt Andreas Saner.