Rolf Gschwind gehört zum Lebensretterteam von Pferden — ein Job mit vielen Emotionen

Pferde sind sein Leben — nicht weil Rolf Gschwind mit seiner Familie einen Pensionsstall betreibt, sondern weil er bereit ist, für die sanftmütigen Wesen alles stehen und liegen zu lassen. Zum Beispiel wenn er nachts aus dem Bett geholt wird, um einen Pferdetransport zu machen.

Pferde sind seine Leidenschaft: Biobauer Jörg Gschwind. Foto: Bea Asper
Pferde sind seine Leidenschaft: Biobauer Jörg Gschwind. Foto: Bea Asper

«Das Pferd ist ein Fluchttier und bringt 600 Kilogramm auf die Waage. Von Natur aus steht es der menschlichen Idee, in einen Anhänger einzusteigen, sehr skeptisch gegenüber. Einige Pferde haben auch schlechte Erfahrungen gemacht», weiss der Bättwiler Biobauer Rolf Gschwind. Schon sein Vater war mit Leib und Seele Rösseler. «Er war bei der Kavallerie und ich sass auf dem Pferd, bevor ich laufen konnte», erzählt Gschwind. Er kann gut nachvollziehen, dass sich ein Pferd vor dem Einsteigen fürchtet. Diese Angst zu überwinden, ist lebensrettend — nämlich dann, wenn der Tierarzt dem Pferd im Stall nicht mehr weiterhelfen kann und es auf dem schnellsten Weg in die Klinik gebracht werden muss. In einer solchen Notsituation war Rolf Gschwind vor über zwanzig Jahren eingesprungen. Er übernahm spontan den Fahrdienst. «Das Gefühl, Teil eines Lebensretterteams zu sein, hat mich dazu bewogen, diese Lücke zu füllen.» Es ist ein Job, der unter die Haut geht. «Die Pferdebesitzer sorgen sich um das Wohl ihres liebgewonnenen Tieres und das Pferd ist schmerzgeplagt. In dieser Anspannung den Weg in die Klinik zu finden, ist eine besondere Herausforderung.» Manchmal ist es eine schwere Last, die er sich aufgebürdet hat. «Auf dem Bildschirm der Videokamera mussten eine Besitzerin und ich mitansehen, wie das Pferd hinter uns im Hänger an seinen inneren Verletzungen erlag — nur wenige Meter vor der Klinik.» Doch das war die Ausnahme. Die positiven Rückmeldungen ermunterten Gschwind, weiterzumachen. «Natürlich kostet es Überwindung, mitten in der Nacht aufzustehen oder eine Arbeit auf dem Biohof fallen zu lassen, um einzuspringen. Es kommt ja immer unverhofft. Doch die Liebe zu den Pferden macht dies möglich», meint Gschwind. Und so befasste er sich intensiv mit dem Verladen von Pferden, erwarb die internationale Pferdetransport-Lizenz und investierte in ein sicheres Zugfahrzeug und in einen Pferdeanhänger, der den Pferden das Einsteigen erleichtert. Da gebe es einige Tricks. «Das Wichtigste ist, dass die Pferde keine Rampe betreten müssen. Der Hohlklang und das Nachfedern sorgen beim Pferd für Unbehagen», führt Gschwind aus. Er fand die Lösung in einem tiefergesetzten Anhänger, der zudem über zwei Vorderausstiege verfügt. «Durch das Öffnen aller Türen erscheint der Hänger nicht mehr als Dunkelkammer.» Um die Verletzungsgefahr einzudämmen verfügt der Hänger bei der vorderen Stützstange über eine Sollbruchstelle. Sollte sich während der Fahrt ein Pferdebein darin verfangen, würde sich diese lösen. Durch Eigenanfertigung sorgte Gschwind dafür, dass die Innenwände des Hängers verstärkt und gepolstert sind. Mit zusätzlichen Sicherungen vor dem Vorderausstieg wird verhindert, dass das Pferd mit seinem Gewicht die Türen aufdrücken kann. Damit rüstete sich Gschwind auch für die ganz schwierigen Fälle. «Zum Beispiel, wenn Pferdebesitzer schon während Stunden versuchten, ihren Liebling zum Einsteigen zu bewegen.» Für Gschwind ist das Einsteigen ein Vertrauensbeweis, den er nicht enttäuschen möchte.» Transporte in den Schlachthof kommen für mich nicht infrage. Und ich lehne jede Art von Gewalt ab.» Das Pferd mit einer Peitsche oder einem Besen in den Hänger zu jagen, ist seiner Meinung nach die falsche Methodik. «Dass die Hängerfahrt für das Pferd zum positiven Erlebnis wird, hängt aber auch vom Fahrstil ab», gibt Gschwind zu bedenken. «Ein Pferd kann eine Kurve oder einen Kreisel nicht erahnen. Fährt man zu zackig, kommt das Pferd aus dem Gleichgewicht. Dies kann beim Tier Panik auslösen und es schlägt um sich. Deswegen muss man auch wenn es eilt, behutsam fahren.»

Wie es weitergeht, ist noch offen. «Die Zeit ist gekommen, kürzer zu treten. Ich werde mich aber um eine Nachfolgelösung bemühen— möglicherweise übernimmt einer meiner vier Söhne, an die ich meine Erfahrungen und mein Wissen aktuell weitergebe. Das bin ich den Pferden schuldig», sagt Gschwind.

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