Kinder-Matinee vom Feinsten

Im Museum für Musikautomaten Seewen gestalteten das Sonos Quartett und der Schauspieler Balz Aliesch «Hey Haydn — eine musikalische Welt-reise». Rund 30 Kinder und zahlreiche Erwachsene waren anwesend.

Das klassische Streichquartett: Joseph «Peppi» Haydn und das Sonos Quartett suchen nach den richtigen Tönen. Fotos: Thomas Brunnschweiler

Am letzten Sonntag stellte David Schönhaus, Programmleiter der GMS, die vergnügliche musikalische Zeit- und Weltreise vor. Mit Perücke und im blauen Gehrock präsentierte sich Balz Aliesch als Joseph «Peppi» Haydn (1732–1809) und verwickelte die Kinder gleich in ein Gespräch über seinen Beruf und die Instrumente, die es gibt. Nun tritt das Arlesheimer Sonos Quartett auf und stellt zwei Violinen, Viola und Violoncello vor. Er habe einen Plan für ein Stück für diese vier Instrumente. «Das ist meine Erfindung: das klassische Streichquartett.» Tatsächlich waren die über 60 Streichquartette Haydns die Grundlage für spätere Meisterwerke von Mozart und Beethoven. Der Bühnen-Haydn muss plötzlich zweimal niesen. Das bringt ihn auf die Idee für den Anfang: eine verdoppelte E-Fis-Bewegung, kurz und prägnant. Die Instrumente machen sich selbstständig. Die zweite Violine und die Viola spielen eine leere Quinte, und die erste Violine setzt mit einer lüpfigen Melodie ein, die das Violoncello zwei Oktaven tiefer wiederholt. Jetzt ist klar, um welches Werk es sich handelt. Es ist der vierte Satz des Streichquartetts op. 76/5, der für seine Energie und Virtuosität bekannt ist. Doch dann versiegt bei Haydns der Ideenfluss. Wie weiter?

Weltreise als Inspiration

Eine musikalische Weltreise wird vorgeschlagen. Zuerst erklingt eine Variation auf das Schweizer Volkslied «L’Inverno è passato», mit dem Bogenholz auf die Saiten geschlagen. Als Reiseziel folgen Spanien mit einem Flamenco und die USA, wo Haydn ein im Pizzicato-Stil gezupftes Jazzstück kennenlernt. In Argentinien stösst Haydn auf den Tango Argentino; Herzensmusik nach seinem Gusto findet der Komponist in Tschechien. Und auf Wunsch der Viola macht das Quartett einen Abstecher nach Südafrika mit der bekannten Zulu-Hymne «Siyahamba», die auch das Publikum mitsingen darf. In der feinen südkoreanischen Musik mit pentatonischen Anklängen lernt das Publikum die Verzerrung durch Backpapier und den sogenannten Hoteldämpfer kennen. Weiter geht’s zur tänzerischen «Morrison’s Jig» aus Irland und zu einer ungestümen Volksweise aus Serbien, mit der Haydn den 7/8-Takt demonstrieren kann. Das letzt besuchte Land ist Israel mit einer schönen Weise mit verschliffenen Tönen. Stets hängen die Kinder, aber auch die Erwachsenen, gebannt an den Lippen des humorvoll agierenden Haydn.

Harmonischer Abschluss

Am Ende ist Haydn verzweifelt. Wie soll er all die fremde Musik in sein Werk einbauen? Das Quartett hilft ihm, und so entsteht ein zusammenhängendes neues Werk aus Haydns Stück und musikalischen Anleihen aus zehn verschiedenen Ländern. Das unterhaltsame und witzige Theaterstück mit Balz Aliesch, Jiri Nemecek und Stefanie Bischof (Violinen), Martina Bischof (Viola) und Andrea Bischof (Cello) dürfte dem Publikum noch lange in Erinnerung bleiben. Man wünscht sich mehr von solch originellem Kindertheater, das den Kleinen die klassische Musik auf spielerische Weise näherbringen kann.

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