Historisches Bauwerk mit neuen Perspektiven

20 Monate nach der Brandstiftung hat die Bevölkerung am Samstag Gelegenheit, bei der Instandsetzung der Kirche Hofstetten hinter die Kulissen zu schauen und auch hinauf in den Dachstuhl zu steigen.

Präsentierten der Bevölkerung die instand gesetzte Kirche: Georg Sigrist, Baukommissionspräsident; Gustav Ragettli, Kirchgemeindepräsident; Astrid Imhasly, Sakristanin; Jörg Bucher, Architekt Flubacher Nyfeler; Partner Architekten. Foto: Bea Asper
Präsentierten der Bevölkerung die instand gesetzte Kirche: Georg Sigrist, Baukommissionspräsident; Gustav Ragettli, Kirchgemeindepräsident; Astrid Imhasly, Sakristanin; Jörg Bucher, Architekt Flubacher Nyfeler; Partner Architekten. Foto: Bea Asper

«Fünf Minuten später — und die Kirche wäre kaum mehr zu retten gewesen. Als die Feuerwehr in der Nacht zum Jahreswechsel 2021/22 bei der Pfarrkirche St. Nikolaus eintraf, standen die Treppe zur Empore, deren Holzboden und auch die Orgel bereits in Vollbrand», erinnert sich Kirchgemeindepräsident Gustav Ragettli. «Durch das schnelle Eingreifen der Rettungskräfte konnte das Feuer gelöscht werden, und wir dachten zuerst, dass sich der Schaden in Grenzen hält. Doch dann stellte sich heraus, dass die Hitze und die starke Rauchentwicklung mehr zerstört hatten als angenommen.» Kirchenrat und Baukommission waren fest entschlossen, die Instandsetzung für eine nachhaltige Entwicklung und eine Öffnung der Kirche als Chance zu nutzen. «Die Gestaltung des Raumes, die Akustik, aber auch die Innenbeleuchtung sollten zu einer Mehrfachnutzung einladen», rekapituliert Ragettli. Am Dienstag konnte sich die Dorfbevölkerung ein Bild davon machen, wie sich die Kirche nun präsentiert. Ragettli hatte mit Baukommissionspräsident Georg Sigrist und Architekt Jörg Bucher in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege Solothurn sechs Monate lang in die Planung investiert. Ein Jahr lang dauerten die Bauarbeiten. «Und die Erwartungen sind übertroffen worden», lautete das erfreuliche Fazit.Diesen Samstag 9. September lädt die Denkmalpflege Solothurn nun auch zum Tag des Denkmals ein. Die Besucherinnen und Besucher erhalten die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen und in den erneuerten Dachstuhl zu steigen. Im direkten Gespräch mit der Denkmalpflege und der Bauleitung erfahren Interessierte, welche Materialien verwendet und welche Techniken angewandt wurden. Die Arbeiten konnten zum grössten Teil von Handwerkern aus der Region ausgeführt werden — selbst der Ersatz der über 300 kleinen Glasfenster, die Schaden genommen hatten.

Zu entdecken gibt es natürlich auch die Geschichte der Pfarrkirche St. Nikolaus. Sie wurde 1376 erstmals erwähnt.

Den Besucherinnen und Besuchern präsentiert sich nun ein historisches Bauwerk, das modern daher kommt, Wärme ausstrahlt und zum Verweilen einlädt. Es wurde an alles gedacht, so dass auch der Klang angenehm ist und das Licht dem Anlass angepasst wird, ohne dass die Leuchtkörper zu auffällig sind. Bei einer Hochzeit weist das Licht dem Paar den Weg, bei der Taufe wacht der helle Schein über dem Kind und bei einem Konzert wird der Chor beleuchtet — den Veranstaltern können bezüglich Effekten viele Wünsche erfüllt werden. Die Pfarrkirche St. Nikolaus in Hofstetten ist bereit für die Feste, die da kommen werden, gab Ragettli zu verstehen. Mit der Einwohnergemeinde stehe man im Austausch für eine künftige Zusammenarbeit bei der Nutzung. Die Kirchgemeinde hatte den Gemeinderat für die Instandsetzung der Kirche um eine finanzielle Unterstützung gebeten. Gemeindepräsidentin Tanja Steiger sagt auf Anfrage, dass die Vorlage vor die Gemeindeversammlung kommen wird, sobald sie ausgereift sei. Es brauche noch einige Abklärungen. Gemäss Ragettli ist zwar ein Grossteil der Kosten von der Gebäudeversicherung übernommen worden, doch habe man zusätzlich in eine Mehrfachnutzung investiert. Bei der Frage der Haftpflicht der jungen Brandstifter, die vom Jugendstrafgericht verurteilt wurden, sei das Verfahren noch am Laufen. Dafür habe die Kirchgemeinde ihren Rechtsschutz beauftragt.

Bei den Instandsetzungskosten betrug der Voranschlag 3,88 Millionen Franken und dieser konnte eingehalten werden, sagt Architekt Jörg Bucher von Flubacher Nyfeler & Partner Architekten.

Europäischer Tag des Denkmals am Samstag 9. September von 11 bis 16 Uhr (mit Apéro).

Weitere Artikel zu «Dorneckberg/Leimental», die sie interessieren könnten

Broschüre beantwortet Altersfragen auf einen Blick
Dorneckberg/Leimental01.05.2024

Broschüre beantwortet Altersfragen auf einen Blick

Wer älter wird, braucht zunehmend Hilfe, Beratung und Betreuung. Mit der Informationsbroschüre «Älter werden im solothurnischen Leimental» erhalten über…
Dorneckberg/Leimental24.04.2024

Nachhaltiges Verhalten fördern

Die IG Nachhaltigkeit Rodersdorf hat sich letztes Jahr gebildet und ist seither aktiv unterwegs. Acht Personen organisieren Veranstaltungen zum breit…
Dorneckberg/Leimental10.04.2024

Ei zu null für den TV Seewen

Am letzten Sonntag entschied der TV Seewen das diesjährige Seewener «Eierläset» für sich. Die warmen Temperaturen liessen vermuten, dass sich der Winter wohl…