Das vergeigte Klassentreffen

In der Kulturschmiede Flüh ging am Samstagnachmittag das Musiktheaterstück «Veritas und Gaudia» über die Bühne. Gabriela Freiburghaus und Karin Wirth überzeugten künstlerisch auf der ganzen Linie.

Puppen dürfen frech sein: Gabriela Freiburghaus, Veritas, Gaudia, Karin Wirth, v.l. Foto: Thomas Brunnschweiler

Wenn zwei ehemalige Schulfreundinnen in den Wechseljahren ein Klassentreffen vorbereiten, gibt es einiges zu besprechen. Vor allem werden die Ehemaligen nach Strich und Faden durchgehechelt, das Älterwerden und die verpassten Gelegenheiten im Leben thematisiert. Fanny (Karin Wirth) bereitet eine Gemüsesuppe vor, Wilma (Gabriela Freiburghaus) gibt mit dem Lied «Das bisschen Haushalt» von Johanna von Koczian ihre Überlegenheit zum Besten. Dann nehmen die beiden aus einem alten Koffer die Handpuppen Veritas («Wahrheit») und Gaudia («Vergnügen»), die ganz frech alles sagen dürfen. Das Setting erinnert an die «Muppet Show», wobei die Kommentare von Veritas und Gaudia nie ins Alberne kippen. Es erklingt das Lied «Ich weiss nicht, zu wem ich gehöre» von 1932, in dem es heisst: «Treue macht doch keinen Spass». Veritas rezitiert Heinz Erhardts Gedicht «Rezept»: «Des Menschen Pille ist sein Himmelreich», und Wilma steigert sich zu Soulrhythmen in die Klage über ihre Baustellen am Körper. «Wechseljahre? Das kann doch nicht sein», singt sie. Es wird über Bea hergezogen, die jetzt das Fitnesszentrum «Beautiful Body Bea» hat. BBB heisse in Wahrheit «Bea, das böse Biest!». Und Heinz Erhardt wird zitiert mit dem Satz: «Die schlechtesten Menschen sind es nicht, die dir die Wahrheit sagen.» Es folgt die feministische Hymne «Sisters are doing it for themselves» von Eurythmics und Aretha Franklin. Dann lästern Wilma und Fanny über Arabella, Lala und Erika, die immer so heilig tue, in Wirklichkeit aber eine knallharte Esoteriktante sei. Jasper sei jetzt Jasmin. Damit wird auch das Thema der Transmenschen auf liebevolle Art eingewoben. Unvermittelt fragt Fanny Wilma: «Bist du eigentlich glücklich?» Und Wilma antwortet: «Habe ich mich nie gefragt.» Nun beginnen die beiden über ihre Beziehungen und Affären zu sprechen, wobei einiges ans Tageslicht kommt. Veritas greift ein und findet, es werde jetzt zu gefühlsduselig. Dazu hat Kurt Tucholsky in seinem Gedicht «Gefühle» etwas zu sagen. Jetzt erklingt das passende Lied «You’ve Got a Friend» von Carole King. Aber warum kommen die anderen nicht, fragen sich Wilma und Fanny. Die Zeit auf der Einladung stimmt, aber — das Datum nicht! So muss also das Publikum die Suppe buchstäblich auslöffeln. Als Fazit bleibt Charlie Chaplins Satz: «Das Leben ist wie ein Theaterstück ohne vorherige Theaterprobe.» Das stark beklatschte Stück ist witziges, selbstironisches und sympathisches Musiktheater. Es war der erste Event in der Kulturschmiede seit Ende 2023. Im März starb Albert Brodmann, die «Seele der Lokalität», wie Pia Brodmann sagt. Nun soll es im Winter drei bis vier Veranstaltungen geben. Die Kulturschmiede gehört dem Sohn von Brodmanns. Es ist zu hoffen, dass diese wertvolle Kulturoase in Flüh weiterhin existiert und Menschen erfreut.

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