Ferdinand Pulver triumphiert

Im Duell um das Reinacher Gemeindepräsidium distanziert Ferdinand Pulver (FDP) Christine Dollinger (SP) über­raschend deutlich.

Präsidium bleibt in FDP-Händen: der neu gewählte Gemeindepräsident Ferdinand Pulver (l.) mit dem abtretenden Melchior Buchs. Foto: Maël Saillen / zvg

2806 gegen 2214 Stimmen – wohl nur wenige hätten mit einem solch deutlichen Ausgang der Präsidiumswahl in Reinach gerechnet. Am vergangenen Sonntag setzte sich FDP-Gemeinderat Ferdinand Pulver gegen SP-Gemeinderätin Christine Dollinger klar durch. Damit folgt Pulver seinem Parteikollegen Melchior Buchs. Die neue Amtsperiode beginn am 1. Juli. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,45 Prozent.

Auch Ferdinand Pulver selber rechnete nicht mit einem solch deutlichen Ergebnis. «Für mich war es ein 50:50-Rennen. Ich hing im luftleeren Raum und hätte keine Prognose abgeben können.» Die SP habe einen guten und engagierten Wahlkampf geführt, lobt Pulver. Nach Bekanntgabe des Resultats fühlte sich Pulver «berührt, überrascht und erleichtert». Der designierte Gemeindepräsident glaubt, dass er mit seinen Inhalten und seiner Art Stimmen bis in die linke Hälfte des Politspek­trums hat holen können, weil er eben kein «Hardcore-Liberaler» sei.

Während der drei Jahre als Präsident der kantonalen FDP habe er zeigen können, dass er zwischen verschiedenen Strömungen moderieren und Kompromisse eingehen könne und Respekt vor anderen Meinungen habe. Das sei als Präsident im Gemeinderat essenziell. Geholfen habe wohl auch, dass er im Wahlkampf inhaltlich konkret geworden sei, ohne falsche Versprechungen gemacht zu haben, glaubt Pulver. Am bedeutendsten sei dabei das Thema ­Finanzen gewesen.

Ferdinand Pulver hat keinen ein­fachen Wahlkampf hinter sich. Immer mehr bekam man das Gefühl, Christine Dollinger verfüge über den grösseren Rückhalt. Die Reinacher SVP-Sektion verwehrte Pulver offiziell die Unterstützung. Persönlichkeiten bis ins bürgerliche Spektrum unterstützten in Leserbriefen die SP-Kandidatin.

Pulver will ein Präsident für alle sein

Ferdinand Pulver bleiben gerade mal drei Wochen Zeit, um sich ins neue Amt einzuarbeiten. «Ich werde Gespräche mit Melchior Buchs führen. Wichtig ist mir, zu wissen, an welchem Punkt welche Geschäfte stehen.» Pulver will sich auch über Hintergründe informieren. Er macht klar: «Ich will ein Präsident für alle Reinacherinnen und Reinacher sein. Dafür braucht es auch eine Reinacher Bevölkerung, die mir diesen Kredit gibt. Und ohne Gemeinderat wird es natürlich auch nicht gehen.»

Christine Dollinger sieht für sie nicht beeinflussbare Faktoren als Grund für ihre Niederlage. Sie und ihr Team hätten eine tolle Wahlkampagne gefahren, teilt sie schriftlich mit. «Ich denke also, es sind eher unbeeinflussbare ­Faktoren, die zu diesem klaren Resultat geführt haben: eventuell Beruf, Geschlecht, Parteizugehörigkeit.» In einer Mitteilung zeigt sich Gemeinderat und SP-Wahlkampfleiter Markus Huber überrascht und enttäuscht über das klare Verdikt. Huber gratuliert dem sieg­reichen Ferdinand Pulver und formuliert in seine Richtung eine klare Erwartung: «Wir werden seine Arbeit künftig nicht nur daran messen, ob es ihm gelingt, die Gemeindefinanzen im Lot zu halten, sondern auch eine Politik umzusetzen, die sich an den Bedürfnissen aller Reinacherinnen und Reinacher orientiert.»

Kein Tempo 30 im Kägen

Die Reinacher Stimmbevölkerung lehnt die vom Einwohnerrat beschlossene Einführung von Tempo 30 im Gewerbe- und Industriequartier Kägen mit 3045 zu 2849 Stimmen ab. Die Stimmbeteiligung lag bei knapp 46 Prozent. Mit 21 zu 14 Stimmen war das Resultat im Einwohnerrat auch knapper als bei Abstimmungen über Tempo 30 in anderen Quartieren. Die SVP erhob daraufhin das Behördenreferendum. Die Befürworter argumentierten mit der Sicherheit, der Aufenthaltsqualität und den geringeren Lärmimmissionen.

Das Referendumskomitee kritisierte: «Gewerbegebiete profitieren von einem reibungslosen und effizienten Verkehrsfluss. Eine Reduzierung der Geschwindigkeitsbegrenzung könnte nicht nur betriebliche Abläufe der dort ansässigen Unternehmen beeinträchtigen, sondern würde zudem zusätzliche bauliche Anpassungen und verstärkte Kontrollmassnahmen erfordern.» Die Massnahmen für Tempo 30 seien teuer, warnte das Referendumskomitee.

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