Eine Galerie im Wandel

Im Jahr 1991 wurde in der alten Schlosserei an der Brunngasse die Galerie Werkstatt eröffnet. Letztes Jahr ist die Galerie ins Leimgruberhaus umgezogen. Nicht alle sind glücklich darüber.

In den neuen Ausstellungsräumen: Die Kuratorin Carmen Küpfer in der Ausstellung «Passion Bleue» von Jacqueline Dreyfus.  Foto: Thomas Brunnschweiler
In den neuen Ausstellungsräumen: Die Kuratorin Carmen Küpfer in der Ausstellung «Passion Bleue» von Jacqueline Dreyfus. Foto: Thomas Brunnschweiler

Carmen Küpfer, die seit 2011 die Galerie Werkstatt kuratiert, nimmt ihre Aufgabe ernst. Sie ist mit Leib und Seele dabei, regionalen und ausserregionalen Künstlern in der Galerie Werkstatt und im Gemeindehaus eine Plattform zu bieten. Bei der qualitativen Auswahl arbeitet sie sorgfältig. Bisher hat sie 16 Ausstellungen organisiert, drei davon in der neuen Galerie Werkstatt im Leimgruberhaus. «Einerseits sind wir näher beim Zentrum und haben mehr Laufkundschaft, zudem ist der Raum multifunktional und auch für Lesungen oder kleinere Konzerte geeignet», sagt sie, «andererseits hat er nicht mehr das Cachet und die Grösse der ehemaligen Galerie.»

Galerien haben es schwer

Kunstmarkt und Galerienlandschaft haben sich in den letzten 27 Jahren grundlegend verändert. Zwischen 1995 und 2004 wurde die Galerie Werkstatt in der Tagespresse im Jahr durchschnittlich 11-mal genannt, von 2009 bis 2018 war es nicht einmal mehr eine Erwähnung im Jahr. De facto hat die Galerie in der Region an Relevanz eingebüsst. Für Jürgen Pauli, der in der Anfangszeit dabei war, liegt diese Entwicklung an der mangelnden Qualität der gezeigten Kunst. Er verweist dabei auf bekannte Künstler, die in den ersten Jahren in Reinach ausstellten, darunter auch Sol LeWitt mit seinem «Wall Drawing for Reinach» im Jahr 1998. Diese Kritik ist mit Vorsicht zu geniessen, denn es gibt andere Gründe für die zunehmende mediale Bedeutungslosigkeit der Galerie Werkstatt in der Tagespresse. Bekannte Künstler haben mit Galerien Exklusivverträge, und es gibt auch ökonomische Sachzwänge. Dazu kommt, dass die Wahrnehmung der regionalen Kultur in den Tageszeitungen (nicht im «Wochenblatt») in den letzten Jahren ständig abgenommen hat. Schliesslich bestanden zu Beginn mehr persönliche Kontakte zu Kunstrezensenten.

Kritik ehemaliger Kuratorinnen

Anne-Marie Baselgia, welche die Galerie Werkstatt fünf Jahre lang bis 2011 kuratierte, befremdet die neue Galerie. «Sie hat den Charme der ursprünglichen Räume verloren und nichts mehr mit Werkstatt zu tun.» Ursula Salathé, die unter dem Gemeindepräsidium von Eva Rüetschi zusammen mit Franz Wirth die Galerie Werkstatt ins Leben rief, erinnert sich: «Der Impuls kam von der CH 91 und wir kämpften damals dafür, dass der Raum nicht überrenoviert wurde. Das war ein grosses Plus.» Die Galerie an der Brunngasse bot nämlich Freiraum und Arbeitsfläche für Workshops. «Alle Künstler liebten sie», so Ursula Salathé, «jetzt sind wir mit einer Wohnstubengalerie konfrontiert. Der gleichgebliebene Name Galerie Werkstatt weckt falsche Assoziationen.» Heiner Leuthardt, Präsident von Kultur in Reinach, äussert sich dagegen zuversichtlich, dass die Galerie wieder eine grössere Ausstrahlungskraft entwickeln könne, die an die besten Zeiten anschliesst. «Wir wollen junge, regionale wie ausserregionale Künstlerinnen und Künstler fördern und neue Impulse setzen.»

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